Kingdom Hearts - Birth by Sleep
18.10.2010
Eine Schmalzgebäck-Fusion?
Süßer die Glocken nie klingen? STEFFI MARX stürzt sich für alle interessierten RPG-Fans auf der PSP in die vermeintliche Kitsch-Romanze zwischen Disney und Square Enix.
Alles liest sich wie ein wundervolles Märchen: Es waren einmal Ventus, Terra und Aqua. Sie verband eine tiefe Freundschaft und ein Traum: eines Tages Schlüsselschwertmeister sein! So trainierten sie hart und ausdauernd bis, endlich, der Tag der Meisterprüfung gekommen war. Nun sollte sich zeigen, wer reif und stark genug war, in den Rang eines Meisters erhoben zu werden. Unter den strengen Blicken der Prüfer Eraqus und dem zwielichtigen Xehanort, treten Terra und Aqua zum Duell an (Ventus ist noch zu jung und daher nicht teilnahmeberechtigt). Da Terra seine dunkle Seite nicht verbergen kann, geht Aqua als alleinige Siegerin hervor. Nichtsdestotrotz bekommen beide schon bald ihren ersten Auftrag. Xehanort ist auf rätselhafte Weise verschwunden und sie sollen ihn finden. Für Terra ist dies eine günstige Gelegenheit, seinen Meister doch noch von seinen Fertigkeiten zu überzeugen und so stürmt er direkt los. Währenddessen trifft der junge Ventus auf einen maskierten Jungen, der ihm prophezeit, dass Terra nach seiner Reise nicht mehr derselbe sein wird. Ventus macht sich unverzüglich auf den Weg. Als Eraqus sieht, wie sein jüngster Schüler davon zieht, trägt er Aqua zusätzlich auf, Ventus zurückzubringen. Und so eilt auch sie augenblicklich davon. So weit, so Handlung!
Die Schlüsselschwertkriege
Obwohl die Story anfänglich nicht sehr originell wirkt, entwickelt sie sich dennoch zunehmend vielfältig. Sie klärt viele Fragen der vorhergehenden Ableger auf: Kingdom Hearts – Birth by Sleep spielt chronologisch 10 Jahre vor dem ersten Teil der Serie (Quereinsteigern wird es leider unmöglich sein, die Geschichte in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen und zu verstehen).
So, nun ist es an der Zeit! Wen wählen wir nur? Den quirligen Ventus, den siegessicheren Terra oder vielleicht doch die flinke Aqua? Egal, wie die Entscheidung ausfällt, man wird nur einen Teil der Schauplätze sehen und einen Teil der Charaktere treffen. Im besten Fall spielt man das Spiel also dreimal durch. Erst dann berühren sich die drei Handlungsstränge und führen sinnvoll zu Kingdom Hearts I. Um Zeuge dieser Erleuchtung werden zu können, braucht es gute 12 Stunden Spieldauer pro Protagonist. Damit bringt Kingdom Hearts – Birth by Sleep eine beachtliche Spielzeit mit sich, die mit viel Spaß und reichlich Abwechslung geradezu verfliegt.
Cross Media zu HÜLF!
So soll man im Zwergenwald, als Handlanger der Königin, Schneewittchen töten. Natürlich weigern wir uns! Im Nimmerland geraten wir in einen spektakulär inszenierten Captain Hook-Bossfight und an anderer Stelle verhelfen wir Cinderella zum Tanz mit ihrem Traumprinzen. Weitere Reiseziele sind Filmszenarien aus Herkules, Lilo & Stitch, Winnie Puuh und Dornröschen, nebst jeweiligen Bewohnern. Dabei fällt die detailtreue und liebevolle Gestaltung der Figuren ins Auge. Im Gegensatz dazu sind die Standard-Gegnertypen und Schöpfungen von Square Enix austauschbar. Generell stehen Disney- und Square Enix-Charaktere auf Augenhöhe. Allein Zack, bekannt aus Final Fantasy VII oder Crisis Core: Final Fantasy VII, betritt die Bühne. Die Reihenfolge, in der Ihr die Schauplätze besucht, bleibt in den meisten Fällen Euch überlassen.
Mitgedacht wurde in der Missionsgestaltung: Da Kingdom Hearts – Birth by Sleep sein PSP-Debüt feiert, sind die Aufträge Handheld-gerecht portioniert wurden. Die Missionen sind allesamt unter 45 Minuten zu schaffen und auch ausreichende Speicherpunkte schützen den Fortschritt bei kurzfristigem Spielabbruch.
Reichlich Umfang in kleiner Silberscheibe
Wie nahezu jeder Kingdom Hearts-Ableger, trumpft auch der PSP-Titel mit gehörig viel Spielinhalt und –zeit auf. Ich schrieb bereits von den verschiedenen Handlungssträngen, doch die schmückenden Features blieben bisher unerwähnt. So sollte man zumindest einmal Disney-Stadt ansteuern. Vergleichen kann man den Ort am besten mit einem riesigen Spielplatz. Gerne verbrachte ich meine Zeit zwischen den Abenteuern damit, Kater Kalo zu beweisen, dass ich schneller um Kurven driften kann als er.
Das sonst so langweilige Aufleveln unterstützt ein Minibrettspiel. In diesem kann man, ähnlich wie bei Monopoly, Felder besetzen - zum Ärger der (CPU- oder menschlichen) Mitspieler. Wenn sie wollen, können sie sich später in der „Mirage-Arena“ rächen. Hier kann man sowohl im Single- als auch Multiplayer Herausforderungen bestreiten. Für diesen enormen Umfang muss jedoch ein Preis gezahlt werden: lange, wirklich lange Ladezeiten! Doch das ist der einzige größere Kritikpunkt und als Option bleibt, das Nachladen durch eine Daten-Installation zu verkürzen. Ob es schließlich heißt: „Ventus, Terra und Aqua lebten glücklich bis an ihr Lebensende.“, verrate ich an dieser Stelle nicht. Man kann seine Zeit sehr viel schlechter nutzen, als Kingdom Hearts – Birth by Sleep einzulegen und zu sehen, wie das Märchen endet.
verzaubernd, farbenfroh, üppig


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