Kaptain Brawe: A Brawe New World
29.11.2010
Monkey Island mit Dampfmaschinen
Kaptain Brawe: A brawe new World eine Reminiszenz an die goldene Zeit der Point-and-Click-Adventures, und mit viel Liebe gemacht. Von JAN FISCHER
Man braucht schon eine ganz besondere Sorte Mindset, um zum Beispiel zu glauben, dass Monkey Island im Prinzip nur eines gefehlt hat, nämlich Dampfmaschinen. Auftritt Kaptain Brawe: Wir befinden uns im 19. Jahrhundert, und James Watts' Erfindung der Dampfmaschine hat den Menschen erlaubt, in den entferntesten Ecken des Weltalls vorzustoßen, dorthin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Kaptain Brawe ist Miitglied der interstellaren Polizei, und wie er es bis zum Kaptain (auf dem K besteht er) geschafft hat, ist nicht ganz klar: Er tapst etwas vertrottelt durchs Weltall, und stößt dabei – eher zufällig, einem Notruf folgend - auf eine Verschwörung auf höchster Ebene.
Nicht nur Legenden, auch Erinnerungen
Es ist ja so, dass sich Point-and-Click-Adventures, wie Kaptain Brawe: A Brawe New World eines ist, sich mit dem messen müssen, was zur goldenen Monkey-Island- und Grim Fandango-Zeit aus den Lucasarts-Studios kam, an diesen surrealen Rätseln (der rote Hering!), an dem Wortwitz, an den präzisen Charakteren. Aber nicht nur daran, das sind die simplen Spielfakten. Kaptain Brawe muss sich auch an der Erinnerung an die Spiele messen, denn, seien wir ganz ehrlich, de Monkey-Island-Zeit war eine andere Zeit, inzwischen wächst eine Generation Spieler heran, für die die Befriedung, endlich dem Troll unter der Brücke den roten Hering gegeben zu haben mit eine der ersten PC-Spiel-Befriedigungen war, und an so eine Erinnerung reicht kein Spiel heran, da kann man suchen, so lange man möchte.
Die Entwickler des kroatischen Studios Cateia Games wissen das, und sie geben sich alle Mühe. Nämlich nicht Monkey Island und Konsorten zu kopieren, sondern in dieser von Erinnerungen und Legenden besetzten Ecke etwas wenn nicht Neues, dann doch wenigstens Eigenes zu finden.
Keine Brillianz, sondern Liebe
Und so ist Kaptain Brawe kein brillianter Wurf, wie denn auch, wenn die brillianten Würfe schon gemacht sind? Soll es aber auch gar nicht sein. Statt dem gescheiterten Anspruch, das nächste große Ding der Point-and-Click-Adventures zu sein, steckt in Kaptain Brawe vor allem eines: Liebe. Klingt erstmal blöd, aber: Handgezeichnete Hintergründe und Protagonisten, de Hintergründe detailliert und leicht schräg, die Bewegungen der Protagonisten auf ihre Persönlichkeit abgestimmt, die ganze Optik von Kaptain Brwe ist eine Hommage an Monkey Island 3, nur nicht ganz so sonnig. Ein kleines bisschen dark und egdy. Die Steuerung ist so durchdacht und intuitiv, dass es gar nicht auffällt, und die Rätsel sind nicht diese harten, ewig frustrierenden Simon-the-Sorcerer-Nüsse, sondern mit einer gut austarierten Mischung aus offensichtlich frustrierend lösbar. Und man kann, muss sogar, stellenweise mehrere Charaktere gleichzeitig spielen, und sie zusammenarbeiten lassen.
Nett, sagt man immer, ist der kleine Bruder von scheiße, aber manchmal dann eben auch nicht: Manchmal ist nett der Cousin 2. Grades von brilliant, und das ist Kaptain Brawe: Nett. In einer großen, eigentlich toten Tradition ein Spiel, dass nicht eigentlich etwas Neues leistet, sondern ein Pausenfüller ist, für den man gerne auch mal die Pause verlängert.
Unaufgeregt, freundlich, liebevoll


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