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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:59

Castlevania: Lords of Shadow

01.11.2010

Ein "heroisches" Gemälde

Wenn ein Bild mehr als tausend Worte sagt, teilt uns dann ein Videoclip mehr mit als 50 Bilder pro Sekunde? Vielleicht ist es hin und wieder auch an der Zeit, einen Schritt zurück zu tun und sich zu besinnen, um die Schönheit, die in einem oder mehreren Sceenshots steckt, begreifen zu können. RUDOLF INDERST hat sich zurückgelehnt und genau das mit Castlevania: Lords of Shadow getan.

 

Das Kleinod unter den Meta-Spieleseiten MobyGames listet für die Castlevania-Reihe 30 Titel: Der Spuk begann 1986. Und damit meine ich nicht meine Einschulung. Seit über 20 Jahren also ziehen SpielerInnen gegen das Übersinnlich-Böse in die Schlacht. Jeder Video- und Computerspieler sollte zu irgendeinem Zeitpunkt seiner und ihrer Karriere schon einmal Kontakt mit der Serie gehabt haben. Wenn nicht, dann, nun ja, dann war es ihnen offensichtlich egal, dass es einen gewissen Fürst der Dunkelheit um jeden Preis in seinem teuflisch-widerlichen Tun aufzuhalten gilt! Vermutlich waren die Fehlenden einfach an einem anderen Ort unterwegs. Welt 2-1 mit Mario? Aliens vertrimmen mit Samus? Wie dem auch sei – die Serie hat Tradition, und gleichzeitig bedient sie sich wiederum auch diversen Horrortraditionen. Die Castlevania-Reihe ist geradezu Auffangbecken und Wiederverwertungsfabrik aller großer Gruselikonen: Egal, ob Dracula, Frankensteins Schöpfung oder die Medusa – sie alle tauchten (mehrfach) schon in den vielen unterschiedlichen Schauplätzen der Spiele auf, um den mutigen, waghalsigen Abenteurern am Pad als Gegner Paroli zu bieten.

 

Ein neuer Anlauf

Unter der Ägide von Konamis Europäischer Entwicklungsabteilung und in Zusammenarbeit mit Kojima Productions hat das in Madrid beheimatete Studio Mercury Steam den neuesten Ableger der Reihe - Castlevania: Lords of Shadow – entwickelt. Der Titel  - vertraut man dem Hersteller und Publisher - präsentiert sich als eine epische Geschichte um Liebe, Verzweiflung und Hoffnung. Er spielt in einem mittelalterlichen Europa voller Chaos und Zerwürfnis. Der Planet wurde von einem mächtigen Zauber verwüstet, und die Seelen der Toten wandern über das zerstörte Land auf der Suche nach Frieden. Albtraumhafte Kreaturen herrschen über die Erde und verbreiten Angst und Schrecken. Gabriel Belmont (gesprochen von Robert Carlyle), Held der Geschichte und Teil des legendären, aus der Castlevania-Historie bekannten Belmont Clans, musste miterleben, wie seine geliebte Frau Marie (Natascha McKelhone) brutal ermordet wurde. Gabriel schwört, Rache an jenen zu üben, die für ihren Tod verantwortlich sind: den mysteriösen Lords of Shadow. Von seinem letzten Verbündeten namens Zobek (Patrick Stewart) erfährt er, dass jeder dieser Lords ein Stück des Reliktes namens "The God Mask" besitzt, das, wurde es einmal zusammengesetzt, die Macht besitzt, die Welt zu läutern und die Toten - und damit auch seine geliebte Frau - wieder zu Leben zu erwecken.

 

In Castlevania: Lords of Shadow schlüpfen SpielerInnen in die Rolle von Gabriel, welcher den Kampf mit den drei Gruppen der Lords of Shadow sucht. Sein Weg führt ihn durch über 50 unterschiedliche, ebenso detailreich wie abwechslungsreich in Szene gesetzte Spielareale, in denen er es mit mehr als 45 verschiedenen Arten von Gegnern aufnimmt. Zudem muss Gabriel in Echtzeit gewaltige, Gegner besiegen, deren Dimensionen jeden Bildschirm sprengen. Die Schwachpunkte dieser monströsen Kreaturen zu finden, fordert das ganze Können des Helden - Geschicklichkeit, Kraft und das richtige Timing. Unterschiedlichste spielerische Elemente finden sich in der üppigen 3D Welt von Castlevania: Lords of Shadow wieder. Gabriels unverzichtbare Hilfe ist zunächst das multifunktionale Combat Cross, das alternativ als Waffe oder Klettergerät eingesetzt werden kann und im erstgenannten Fall beispielsweise dazu dient, gewaltige Schneisen in die Gegnerscharen zu schlagen. Ebenfalls hilfreich sind seine Sekundärwaffen: Mit den silbernen Dolchen bringt er Werwölfe effektiv zur Strecke, mit geweihtem Wasser wehrt er Vampire ab. Insgesamt bietet das Spiel mehr als 40 mögliche Kombinations-Attacken, welche der Spieler sich im Verlauf des Geschehens aneignen kann.

 

 

Durch Verwendung der magischen Licht- und Schattenelemente im Spiel wird Gabriel zudem stärker. Während des Abenteuers sammelt der Held die Energie seiner besiegten Gegner, welche er dazu nutzt, seine Licht- oder Schattenmagie zu vergrößern. Mit Hilfe der Lichtmagie vermag Gabriel seine Gesundheit zu stärken, die Schattenmagie hingegen erhöht seine Angriffsfähigkeiten. Wie man es bei einem Spiel wie Castlevania: Lords of Shadow mit seinem großen Erbe erwarten darf, erfordert die Auseinandersetzung des Helden mit den namensgebenden Lords of Shadow sowohl kämpferisches Geschick, Beweglichkeit als auch die Fähigkeit, Rätsel zu lösen. Mit Hilfe des Combat Cross kann sich Gabriel mit dem richtigen Timing über Abgründe schwingen oder steile Wände hinaufklettern. Das Überwinden schwindelerregender Felsvorsprünge oder schmaler Pfade hingegen erfordert vor allem eine ruhige Hand und die Fähigkeit zur Balance. Gleichzeitig bietet Castlevania: Lords of Shadow eine Vielzahl an Rätseln, die es zu lösen gilt; sei es, wenn Gabriel die Schwachstellen seiner Endgegner finden muss oder wenn der Held bestimmte Objekte bewegt, um Zugang zu bislang verschlossenen Bereichen zu erreichen.

 

 

Das totale Versinken

Betrachten wir nun aber, wie bereits angekündigt, die Screenshots. Verweilen wir auf ihnen, verlieren wir uns ihnen. Es gibt vieles auf ihnen zu entdecken, sie sind geradezu verschwenderisch gefüllt, erst durch mehrmaliges Ansehen offenbaren werden alle Details offensichtlich. Der lange Prozess der Betrachtung enthüllt uns immer wieder neue Teile des Ganzen. Gerade verschwenderisch gehen die Erschaffer mit ihren Darstellungen von Baukunst und Natur um, um – richtig positioniert – den Eindruck von Größe und Imposanz zu generieren. Zweifelsohne gelingt dies, dem vermeintlichen Kenner kommt der seit 1624 in Rom lebende Franzose Nicolas Poussin in den Sinn. Gemälde, nach strikt rationalen Prinzipien konstruiert, deren idealisierte Landschaft in ein mildes Licht getaucht sind, deren Architekturen der klassischen Antike entlehnt sind und deren Figuren vorzugsweise aus der antiken Mythologie oder auch aus der Welt der Bibel stammen, werden mit dem Begriff „heroische Landschaften“ bezeichnet. Später, mit Beginn des 19. Jahrhunderts, wurde die Natur auf Landschaftsbildern geradezu metaphysisch-romantisierend aufgeladen. Die Macher von Castlevania: Lords of Shadow gehen diesen Weg konsequent mit: die Bilder sollen in ihrer idyllisch-arkadischen Art und Weise emotionale Prozesse auslösen und beschleunigen.

 

Castlevania: Lords of Shadow ist nicht der einzige Titel, der diesen visuellen Weg einschlägt. Zuletzt waren es Spiele wie Dante’s Inferno oder God of War III, die optisch in die Kerbe heroischer Landschaften schlugen. Es sind beeindruckende und verführerische Szenen, die das Auge umgarnen und den Sehsinn ganz für sich einnehmen wollen. In ihrer Dekadenz des Bildrausches verlangen sie Aufmerksamkeit. SpielerInnen, die sich darauf freudig einlassen wollen, werden mit Sicherheit nicht enttäuscht.  


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