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Freitag, 25. Mai 2012 | 05:59

Interview mit The Video Game Critics

01.11.2010

"Jetzt werden die Frost/Nixon-Fragen ausgepackt!"

Webseiten zum Thema Videospiele? Warum fragen wir nicht gleich nach Sand am Meer? Ist denn zwischen gamingfreaxxx.co.ru und hardcorenerdzzz.kr.jp überhaupt noch Platz für noch ein Plätzchen ehrliche Berichterstattung aus der Welt der digitalen Spiele? The Video Game Critics (tvgc.de) legt diese Tage einen ambitionierten Start hin. RUDOLF INDERST unterhielt sich mit Chefredakteur Miguel Bethke.

 

Lass uns zunächst kurz über Dich sprechen. Wenn ich Deine Vita richtig im Kopf habe, bist Du, was Videospiele betrifft, ein echter Überzeugungstäter. Was bedeuten Spiele für Dich?

 

Eine gute Frage, ich würde ja sehr gerne auf das Buch 10 Fragen zu Videospielen verweisen. Für mich sind Videospiele mehr, als nur die Disc in die Konsole zu legen. Bei mir fängt der Spaß meistens schon an, wenn ein Päckchen im Briefkasten liegt und nach öffnen erscheint ein in Folie verpackter jungfräulicher Datenträger, der den herrlichen Geruch der Marke „Frisch aus dem Presswerk“ trägt. Es muss ja nicht immer Lacoste For Men sein, nicht wahr?

 

Unbezahlte Arbeit und Forums-User, denen immer alles zu langsam geht. Kurzum: Warum tust Du Dir diese Arbeit an? Wie kam es zu der Gründung der Seite?

 

Foren-User, ich hoffe mal, dass es nie zu einem Konsolenkrieg bei uns ausarten wird, denn dies ist für mich eines der Themen, die nur noch annerven, da sie substanzlos sind. Ich zitiere mich einfach einmal selbst  „Nicht die Konsolen sind entscheidend, sondern die Spiele. So war es früher, so ist es heute, und so wird es auch in Zukunft sein“. Die Gründung, tja, jeder Mensch sollte im Leben einen Baum gepflanzt  haben, Tokio bereist haben und ein Onlineportal gründen. In Tokio bin ich schon gewesen, einen Garten besitze ich nicht, also musste die dritte Option herhalten. Aber im Ernst, es war immer ein stiller Traum, einmal eine sinnvolle und qualitativ hochwertige Homepage zu leiten. Meine ersten Gehversuche eine Homepage zu gestalten, zu diesem Zeitpunkt war eBay noch umsonst und MP3s musste man aus doc-Dateien umwandeln, waren absolut katastrophal. Html-Kenntnisse kann man leider nicht über Nacht erlernen. Ja, ich würde sagen, der Grund ist tatsächlich die Selbstverwirklichung und einfach die Lust, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die dieselbe Leidenschaft teilen und genauso verrückt sind wie ich.

 

So sieht es aus - das steht drin

Als ich zum ersten Mal auf Eurer Seite vorbeischaute, fielen mir zwei Sachen relativ schnell auf. Zum einen deckt Ihr eine enorme Bandbreite an Themen ab und zum anderen verfügt Ihr über einen angenehm kühlen, zurückgenommenen Look. Lass uns doch kurz über die beiden Themen sprechen. 

 

Dass wir ein breites Spektrum an Themen anbieten wollen, ist unserer Einstellung zu digitalen Medien geschuldet. Denn es gehört etwas mehr dazu, als ein Spiel zu nehmen, dann eine Zahl darunter zu setzen und Leser mit den ewig-selben Standardfloskeln zu füttern. Wir nennen unsere Artikel auch lieber Kritiken, da wir versuchen wollen, von der Review im herkömmlichen Sinne abzuweichen. Auch wenn dies manchmal etwas schwieriger ist. Das Ziel ist einfach, einen neuen „alten“ Journalismus zu betreiben. Also mehr auf das Spiel und die Emotionen eingehen, denn niemand spielt ein Spiel, ohne bestimmte Gefühle zu entwickeln. Genau das versuchen wir so gut es geht, dem Leser zu vermitteln, denn dadurch wirken Zahlen unter den Artikeln einfach authentischer. Zum anderen ist unsere Philosophie, dass das Feld „Digitale Medien“ eine wahre Subkultur gebildet hat. Denn Cosplaying ,  japanische Kultur oder Verfilmungen sind einfach nicht mehr wegzudenken. Leider werden diese „Randerscheinungen“, um es mal salopp zu formulieren, stiefmütterlich behandelt. Wir finden genau dies sehr schade, und deshalb nehmen wir es erst recht in unsere Palette auf. Zumal sich heute die Filmkritiken doch meistens in einem Anti-Uwe-Boll-Terror manifestieren, der sich, zumindest was mich angeht, sehr schnell abnutzt und von Jahr zu Jahr einfach lächerlicher wird. Romane sind zudem sehr interessant, da man sich endlich fernab der Lösungsbuch-Vorstellung als maximalste Lese-Erfahrung, Sachliteratur zum Thema Videospiele widmen oder Romane vorstellen kann. Vor allen Dingen gehen Entwickler ja mittlerweile auch die „Extra-Meile“ und versoften zum Beispiel Die göttliche Komödie von Dante Alighieri oder interpretieren bekannte Weltliteratur auf ihre eigene Art und Weise. Der eher sterile Auftritt des Portals liegt schlicht daran, dass wir alle extrem geschädigt sind von Websites, die vor Werbung fast platzen und man nicht mehr das findet, was man sucht. Erst jüngst klickte ich auf einer dieser Seiten auf ein Bild, um einen Artikel zu lesen, nur um dann auf eine Werbungsseite zu diesem Titel zu gelangen. Das ist nervig und kostet Zeit, was in der heutigen Schnelllebigkeit eigentlich fatal ist. Man sollte sich daher fast schon nicht wundern, wenn Leser mal eben schnell zur metacritic klicken, um sich ein Bild zu verschaffen. Daher legen wir sehr viel Wert darauf, dass alles „pur“ ist, und man sich schnell und effizient zurechtfinden kann. Bis dato haben wir bezüglich dieser Art auch glücklicherweise keinerlei Kritik erfahren müssen. Das zeigt uns, dass wir damit richtig liegen.

 

Wo greifst Du denn die Autoren in spe ab? Läuft das bei Euch auch schon über Bewerbungen oder sind das alles Freunde von Freunden von Freunden?

 

Ah, jetzt werden die Frost/Nixon-Fragen ausgepackt. Alle Redakteure habe ich angeschrieben und gefragt, ob Interesse bestünde und alle haben direkt  Ja gesagt. Obwohl intern bei uns ein Gerücht umgeht: Es wird behauptet, ich hätte die Seelen meiner Mitarbeiter annektiert, was aber natürlich nicht stimmt (lacht). Zudem kann man schon sagen, dass wir eine Art Familie sind, da man sich irgendwie untereinander kennt und weiß, wie man miteinander umgehen kann. Was auch ein wichtiger Aspekt für ein funktionierendes Team ist, sich gegenseitig mit konstruktiver Kritik füttern und nach Möglichkeit transparente Entscheidungen treffen, auch wenn man manchmal vergisst, einem Redakteur etwas mitzuteilen. Das ganze ohne großes Heulkino oder Angiftungen über die Bühne zu bringen, schafft man zu Beginn meist nur, wenn man mit guten Kolleginnen und Kollegen eine Sache in Angriff nimmt. Natürlich ist es auch möglich, bei uns Redakteur zu werden, wir freuen uns immer über Engagement in dieser Richtung. Momentan haben wir sogar, wenn man es so nennen kann, einen Redakteursanwärter.

 

Gibt es denn ein Geschichte die bei Euch bisher lief, auf die Du besonders stolz bist?

 

Ich bin sehr stolz darauf, dass wir uns von einer halbes Din-A4 Blatt Skizze innerhalb so kurzer Zeit so gut entwickelt haben. Ich habe ein phänomenales Team und eine sehr engagierte und motivierte Grafikerin, die auch zugleich die stellvertretende Chefredakteurin ist. Ohne unseren Admin ginge auch nichts und ihm habe ich ebenfalls zu verdanken, dass er Ideen immer genauso umsetzt, wie sie zur Seite passen. Dazu noch die ganzen Redakteure, die aktiv mitgestalten und konstruktive Kritik üben. Es ist jedes Mal schön, wenn ein Artikel online geht, der genau der Aufmachung entspricht, die man haben wollte. Gerade die letzten drei Monate haben gezeigt, was Teamwork bewirken kann, so haben wir unsere Besucherzahlen mehr als vervierfacht, Werbung für einen Online-Shop schalten und Support der PR-Agenturen und Entwicklerstudios in Anspruch nehmen können. Ich denke, auf solch ein produktives Teamwork kann man jeden Tag  mehr als nur stolz sein.

 

Wo glaubst Du, steht Ihr in einem Jahr?

 

Da wir im Team alle sehr motiviert sind und wir auch angenehmen Zuspruch und Support erhalten, werden wir auf jeden Fall noch online sein ;-) das ist mal sicher. Allerdings haben wir auch unsere Agenda 2011. Diese sieht vor, dass wir noch mehr Exklusivität liefern und noch ein paar Veränderungen im Bereich der Wertungen angehen wollen, die hoffentlich dann für ein gewisses Interesse sorgen werden.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Ich habe zu danken.


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