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Freitag, 25. Mai 2012 | 06:00

Call of Duty: Modern Warfare 2 - Spielbericht

08.11.2010

Die Leiden des jungen Shooter

Am 9. November 2010 wird – glaubt man SpielerInnen und Fachpresse – das nächste große First Person Shooter-Kapitel aufgeschlagen. An diesem Tag wird Call of Duty: Black Ops für PC, Xbox 360, PlayStation3, Nintendo Wii und DS erscheinen. Für nicht wenige Actionfreunde wird dies den endgültigen Wechsel vom Vorgänger Call of Duty: Modern Warfare 2 markieren. Es bleibt also gar nicht mehr so viel Zeit, seinen Shooter-Frieden mit dem im November 2009 erschienenen Titel zu machen. Für RUDOLF INDERST war es ein Rennen gegen die Zeit.   

 

Geschafft! - Vorgestern war es soweit. Es war gegen drei Uhr früh, als nach 96 Stunden und 34 Minuten Spielzeit das Multiplayer-Level auf 70, die höchste zu erreichende Ziffer, anstieg. Der so genannte Level-Cap war also erreicht worden. Ein wenig ungläubig schaute ich auf den Flachbildschirm, obgleich ich diesen Moment natürlich immer wieder herbeigesehnt hatte. Beim Vorgänger Call of Duty: Modern Warfare hatte ich bei etwa Level 40 das Spielen eingestellt, und es passiert reichlich selten, dass mich bei digitalen Spielen der Ehrgeiz so richtig, im Sinne von RICHTIG, packt.

 

Das erste, was ich machte, war vermutlich nur medienwissenschaftlich erklärbar: Ich photographierte den Bildschirm, vielleicht weniger, um das „Beweisphoto“ per MMS und E-Mail in die Welt zu versenden (obschon ich DAS natürlich auch fleißig in die Tat umsetzte – Freunde und Bekannte waren sicherlich über meine Nachrichten mitten in der Nacht begeistert), sondern um das Medium „Bild“ tatsächlich als Mittler zu verwenden. In diesem Augenblick half mir das Abphotographieren, das Übertragen des Ereignisses auf ein anderes vermittelndes Medium, zu begreifen, was ich da eigentlich die letzten Stunden und Tage getan hatte, mit was ich meine Lebenszeit verbracht hatte. Alleine am Zeitaufwand kann allerdings nicht abgelesen werden, was da (in mir / mit mir?) stattgefunden hatte – schließlich gab es in meiner Spielerbiographie durchaus Titel, die mehr Zeit in Anspruch genommen hatten, in etwa Fallout 3 oder Phantasy Star Online. Der entscheidende Unterschied war also elsewhere zu suchen.

 

Mittelmaß als Maß der Dinge

Ich will ehrlich sein: Obwohl ich ein großer Freund des Genres FPS bin, bleibe ich doch, betrachtet man meine Fähigkeiten als Spieler, eine recht kleine Nummer. Ich kann die Gelegenheiten nicht zählen, die mich, erst in Bedrängnis, dann in den virtuellen mors, mortis trieben: im falschen Moment zur Trinkflasche greifen, im falschen Augenblick nachladen, die falsche Sorte von Granate werfen, in der falschen Sekunde auf eine eingehende Kurznachricht blicken – selbst das Durchatmen zum falschen Zeitpunkt wurde MIR bestimmt zum Verhängnis.

 

Mir fehlt vermutlich der entscheidende und vielzitierte „Killerinstinkt“ oder formulieren wir es neutraler: die Kombination von taktischem Verständnis und biomechanischer Präzision. Und dennoch spielte ich immer wieder gerne und war auch davon emotional angetan, dass mein Level-Grad langsam, aber stetig anstieg. Und nun, kurz vor Erscheinen von Call of Duty: Black Ops gipfelte diese kleine Leidenschaft darin, unbedingt und unter allen Umständen, die höchste Stufe im Mehrspieler-Modus erreichen zu wollen. Vielleicht wollte ich wenigstens einmal mit den „Großen“ mitspielen – ein paradoxer Zustand, denn in mir schlummert zu jeder Sekunde das Wissen, dass die Ziffer an sich nur wenig Aussagekraft besitzt. Unzählige Male wurde ich von niedergradigeren SpielerInnenn nicht nur vernichtend geschlagen, sondern regelrecht vorgeführt. Hier gilt vielleicht die alte Haudegen-Weisheit umso mehr: „Was Dich nicht (Ergänzung hier: PHYSISCH) tötet, macht Dich hart!“ Oder … „kocht Dich weich“?

 

Belohnungen, wohin man sieht

Woran liegt es nun, dass ich diesmal – abgesehen von Sportsgeist & Co. – bis zum Ende durchhalten wollte? Die Antwort ist im Grunde schnell gefunden:  Das Belohnungssystem von Infinity Ward ist derart clever konzipiert und integriert, dass es sehr leicht fällt, immer wieder das Pad in die Hand zu nehmen. Man möchte dieses und jenes freischalten, und das Taktieren mit den verschiedenen Auflevel-Möglichkeiten macht Spaß.

 

Wenn ich die 500 Abschüsse mit der M16 nicht hinkriege, dann platziere ich eben – ganz hämisch – Claymore-Minen. Oder werfe ich lieber – ganz wie ein Zirkusartist – die schnell-surrende Klinge? Macht man sich die Mühe, die vielen Optionen, die das System anbietet, um zu „seinem Ziel“ zu kommen, immer vorausgesetzt, man möchte das überhaupt, näher anzusehen, wird klar, dass jeder, der ein wenig mehr Zeit investiert, auf Level 70 kommen kann. Es gibt also doch die vielzitierten Wege nach Rom. Und im Falle von Call of Duty: Modern Warfare 2 sehen diese staubigen Wege auch nach einem Jahr allesamt beeindruckend gut aus.

 

Der Soldat von heute braucht ...

Am Schluss will ich es natürlich nicht versäumen, zu erwähnen, auf welchen Maps ich mich am liebsten aufhielt. Auch wenn es nun ein wenig nerdmäßig zugehen mag, schulde ich das den vielen Spielern des Edel-FPS da draußen. Zu meinen Favoriten zählten Sub Base, Wasteland, Rust, Terminal und Vacant (DLC). Mehr oder minder überhaupt nicht ausstehen konnte ich Afghan und Karachi. Marathon und Leichtgewicht waren die beiden Perks, mit denen ich so gut wie immer unterwegs war. Was die Bewaffnung angeht: Entweder zwei Maschinenpistolen und Akimbo oder das gute Maschinengewehr, denn viel hilft viel. Und ohne Claymore verließ ich sowieso nie das Haus.

 

Ist das wiederholbar?

Ich weiß noch nicht, ob mich das nächste Call of Duty-Abenteuer auch derart motivieren wird, der Shooter-Markt ist schließlich hart umkämpft – vielleicht hat ein anderer Entwickler noch das ein oder andere Ass im Ärmel. 2011 werden einige Schwergewichte den Ring betreten, dazu zählt auch Gears of War 3. Aber auch Titel wie Brink, Bodycount oder Bulletstorm werden um die Gunst der SpielerInnen ringen. Lassen wir uns also überraschen – in der Lobby wartet schon reichlich Schlachtvieh.


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