Champions Online
18.01.2011
Das Land braucht Helden!
Aliens greifen die Stadt an, Zivilisten sind in Gefahr und die Polizei ist völlig überfordert? Was da gebraucht wird, ist klar: Ein Superheld muss her! GISELA WOLF stürzt sich in die Schlacht, ausgerüstet mit diversen übermenschlichen Fähigkeiten und onomatopoetischen Sprechblasen: WHAM!
Das Genre der Onlinerollenspiele ist ja inzwischen recht gut mit Titeln bevölkert, die mal mehr, oft weniger erfolgreich versuchen, Stücke vom Kuchen abzubekommen. Oft eher kleine bis keine, weil sie oft wenig von den Standards der (des) größten Konkurrenten abweichen, wobei es auch oft gerade diese Standards sind, die vielen Leuten nicht gefallen. Wer ein MMO nicht mag, kann meist davon ausgehen, keines zu mögen.
Millenium City ist in Gefahr!
Champions Online macht auf ersten Blick ein paar Sachen anders, was immer schon mal vielversprechend ist. So ist zum einen tatsächlich sichergestellt, dass keine zwei Figuren gleich aussehen werden. Der Charaktereditor bietet Optionen für die Fähigkeiten und das Aussehen in fast unüberschaubarer Menge. Gerade das Aussehen zu gestalten nimmt zu Begin des Spiels einiges an Zeit in Anspruch. Ob man nun einen bekannten Superhelden nachbaut, oder etwas komplett Neues macht, das an Absurdität nicht mehr zu überbieten sein wird, Spaß macht das schon mal auf jeden Fall. Das eigentlich interessante ist aber das Setting, die Welt der Superhelden, mit einem ausgesprochen unterhaltsamen Trashfaktor, der das Genre so beliebt gemacht hat. Die übermächtigen Fähigkeiten, die übersteigerte Bösartigkeit der Feinde, die »Ach, wäre hier doch nur ein Held!«-Rufe der hilflosen Stadtbewohner, und nicht zuletzt das große Raumschiff, das als ständige Bedrohung über dem Startgebiet schwebt schaffen recht gelungen eine entsprechende Atmosphäre. Dies wird noch vom grafischen Comicstil unterstrichen, der durch die schwarze Umrandung aller Objekte zwar wie ein Comic, aber oft sehr zweidimensional wirkt.
Was Helden halt so tun
Die Fähigkeiten sind auch frei kombinierbar, wobei sich allerdings schnell herausstellt, dass die wirklichen Unterschiede hier gering sind. Man hat am Anfang zwei Hauptfertigkeiten, eine zum Aufladen der Energieleiste, eine zum Entladen, und die Unterschiede belaufen sich eigentlich nur auf Nah- oder Fernkampf und unterschiedliche Animationen und Lichteffekte, und nicht auf tatsächliche spielerische Unterschiede. Spielerisch gesehen ist Champions online dann doch eher klassisch. Die Quests spiegeln zwar alle sehr gut die Atmosphäre des Settings wieder, bestehen im Kern doch aber nur aus den MMO-typischen Aufgaben. Man sammelt oder tötet Anzahl X von Objekt Y für Auftraggeber Z, und das immer und immer wieder, und das Kampfsystem selbst leidet unter dem wohlbekannten Zweiknöpfesyndrom, weil man ziemlich genau so viele drückt, und weder manuell zielen noch ausweichen muss.
Probeweise die Welt retten
MMOs sind ja, vielleicht sogar noch mehr als alle anderen Spiele, Geschmackssache. Und Champions online macht oft die gleichen Fehler wie die anderen Teilnehmer im momentan recht überlaufenen Markt, oder auch: So viel macht es eigentlich nicht neu. Dennoch ist der Stil recht eigen, sowohl grafisch als auch konzeptuell, und die Variationsmöglichkeiten, und damit auch die Individualität des Avatars sind in der Tat bemerkenswert und interessant. Nun spielt man ja fast immer Helden, aber die glamouröse Welt der Superhelden setzt da doch immer einen drauf, und die Verbindung von übermächtigen Fähigkeiten und übersteigertem optischen Design fangen die Atmosphäre gerade älterer einschlägiger Comics sehr gut ein. Ab dem 25. Januar wird das Bezahlmodell des Spiels auf free-to-play umgestellt, d.h. der Spieler bezahlt weder für das Spiel selbst noch monatliche Gebühren, kann sich aber diverse Vorteile oder neue Elemente im Spiel kaufen. Das macht es einfach, sich das ganze einfach mal anzuschauen, um festzustellen, wie einem das Superheldenleben so liegt.


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