Ausbrechen mobil: Jet Ball
25.01.2011
Mauern einreißen in der Hosentasche!
10 Milliarden Apps heruntergeladen. 300.000 im Angebot. Zeit, dass sich RUDOLF INDERST auch einmal wieder mit dem iPhone als Spieleplattform beschäftigt. Und wie sich schnell herausstellt, ist Jet Ball wirklich ein Titel, der das Verpassen von Haltestellen begünstigt!
Manchmal lohnt es sich, den bekannten Gesichtern des deutschen Spielejournalismus zu folgen. Eine Twittermeldung von Jens Quentin veranlasste mich vor geraumer Zeit dazu, einen Titel namens Jet Ball auf meinem iPhone zu installieren. Lange Zeit fristete das Spiel dort sein ungenütztes Dasein, bis schließlich eine Bahnreise anstand und die Lektüre für eben jene Fahrt schneller zu Neige gegangen war als erwartet. Bei der kritischen Durchsicht des Mobiltelephons fiel mir dann schlagartig auf: Das Jungfräuliche ist nur eine Berührung entfernt - greifen wir also an!
Überlegt man es sich genau, ist Sisyphos ein vielbeschäftigter Mann: Zeuger Odysseus', Bezwinger Thanatos', Stifter der Isthmischen Spiele und Gründer Korinths. Da ist es fast schade, dass ihn die meisten unserer Zeitgenossen lediglich als surreal-fordistischen Felsblockanschieber kennen dürfen. Wir erinnern uns: Seine Strafe in der Unterwelt bestand aus dem sich ständig wiederholenden, mühsamen Hinaufrollen eines Felsen. History repeating.
Sysphos und Arcade-Spiele
Kenner von Arcadespielen wissen um die entscheidende Spielmechanik: Text-Adventures hätten es freilich nicht in die verruchten Hallen digital-sozialer Düstervernetzung gebracht. Arcadespiele durften kein Ende haben, Spieler sollten im Zuge des Highscore-Rausches einfach immer wieder Münzen nachwerfen. Denken wir an Titel wie Missile Command oder Space Invader - der Spieler war von Anfang an dazu verdammt, zu scheitern. Aber bis dahin konnte er oder sie die Hölle auf Erden lostreten - wenn man nur geschickt genug war.
Die Furcht vor Spinnen bricht aus!
Jet Ball auf dem iPhone hat natürlich einen Übervater: Pong. Wie? Pong? Natürlich meint der Autor Breakout von Nolan Bushnell und Steve Bristow. Wer aber glaubt, dass die beiden ihre entscheidende Idee nicht von Pong entliehen (»Wie wäre es mit einem Pong für Solo-Spieler?« - »Ja, tolle Idee!«), der glaubt auch, dass man nur auf PC vernünftig First Person Shooter spielen kann. Sollte tatsächlich jemand von Breakout noch nichts gehört haben, der mag vielleicht Taitos Arkanoid kennen? Wem beide Inspirationsquellen für Jet Ball nichts sagen, ist in diesem Fall allerdings auch nicht gestraft - Entdeckung UND Neu-Entdeckung machen gleichermaßen Spaß!
Das Prinzip ist also denkbar einfach: Eine Art Rohr, das am unteren Bildschirmrand nur nach links und rechts bewegt werden kann; eine Kugel, die von diesem Rohr nach oben aus einmal abgefeuert wird, um danach auf verschiedene Hindernisse zu treffen, die sich nach Kugelkontakt auflösen, irgendwann fällt die Kugel wieder Richtung Rohr zurück - jetzt sind die SpielerInnen gefragt: Schaffen sie es rechtzeitig, das Rohr an der richtigen Stelle am unteren Bildschirmrand zu positionieren, prallt die Kugel wieder Richtung oberer Bildschirmrand ab und trifft hoffentlich diejenigen Objekte, die bei den vorhergegangenen Flügen noch nicht erwischt worden waren. Sind alle Hindernisse/Objekte auf dem Bildschirm durch Treffer verschwunden, ist das Level zu Ende und das nächste kann in Angriff genommen werden. Dieses einfache Spielprinzip begeistert SpielerInnen seit fast 30 Jahren und fordert sie ein ums andere Mal heraus, eine neue Runde einzulegen. Bei Jet Ball, einem wunderbaren Breakout-Klon, ist das nicht anders.
»Mr. Gorbachev, tear down this wall!«
Technisch blitzsauber, auch bei Farben- und Bewegungsoverkill, zertrümmert man äußerst angetan Ziegel um Ziegel. Dabei gibt es natürlich jede Menge Ergänzungen und Power-Ups rund um die einfache Brick-Breaking-Spielmechanik: Sowohl das eigene Rohr als auch die Kugel können temporäre Veränderungen durchlaufen - so kann (Achtung, kein Herrenwitz!) sich das Rohr verkürzen und verlängern, es kann sich aber auch in ein Geschütz verwandeln, die Kugel wiederum kann an Extrakraft gewinnen, indem sie sich zum Säure- oder Explosionsgeschoss verwandelt. Auch eine Vervielfachung der Kugel ist möglich. Und das waren längst noch nicht alle Überraschungen, die in den 13 Leveln (weitere Level können natürlich hinzugekauft werden) auf die SpielerInnen warten. Der einzige Schwachpunkt, nämlich die nervige Hintergrundmusik, kann durch eigene Musik in der iPhone-Bibliothek ersetzt werden.
Zusammenfassend gilt also: Heutige ArbeitnehmerInnen wissen natürlich um die meist völlig unsinnige, unbefriedigende und unterbezahlte Tätigkeit an ihrem Arbeitsplatz - rein theoretisch beginnen sie also besser gleich mit einem Umstieg auf Jet Ball, wenigstens kurzfristige Hochgefühle sind so möglich. Digitale Spiele - die besten aller Welten.

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