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Freitag, 25. Mai 2012 | 00:29

Rudolf Hänsel: Game Over!

01.02.2011

Zwischen blind masturbieren und Kopfschuss: die Spezies Videospieler

Know thy genres! Denn schwierig sind sie alle und Talent setzen sie gleichermaßen voraus. Rudolf Hänsel ist mit Game Over! Wie Killerspiele unsere Jugend manipulieren gleich doppelt gescheitert - weder haben wir es mit einer sauberen, wissenschaftlichen Untersuchung noch mit einer gelungenen, scharfzüngigen Polemik zu tun, findet RUDOLF INDERST.

 

Game Over! Wie Killerspiele unsere Jugend manipulieren liefert Einblicke. Allerdings wohl kaum diejenigen, die der Autor an die Leserschaft bringen wollte. Sicher, es mag sein, dass es Klientel für die unorginelle Schreibe, die wirre Struktur und die verkürzten Argumentationen sowie aufgeblasenen Diffamierungen gibt. Das Problem: Genau dort, wo dieser Typ Mensch sein Dasein fristet, muss Hänsel keine Überzeugungsarbeit mehr leisten. Allerdings ahne ich Böses, wenn der Autor tatsächlich von 2001 bis 2007 Leiter der Staatlichen Schulberatungstelle in München war, denn die Stelle wirbt auf ihrem Webauftritt mit dem Leitspruch: »Alle Mitarbeiter der Schulberatung sind freundlich, unvoreingenommen, geduldig, verschwiegen, zuverlässig und kompetent.« Nun, offensichtlich muss Hänsel sein Opus Magnum NACH 2007 geschrieben haben, denn von »unvoreingenommen« oder gar »kompetent« bleibt nach der Lektüre der »kompakten (!)« 120 Seiten nicht sonderlich viel übrig.    

 

Hänsel benützt die bekannten Muster: Zu Wort kommen fortlaufend dieselben Gestalten, die sich seit Jahren gegen digitale Spiele engagieren. Andere Ansichten lässt der Diplom-Psychologe nicht gelten: Diese seien schließlich entweder schmierige Lobbyisten, inkompetente Journalisten oder semitalentierte Wissenschaftler. Dabei ergeht sich Hänsel in reichlich altbackenen Verschwörungstheorien, die fast so ämusant sein könnten wie diejenigen einer Metal Gear Solid-Reihe, wenn sie nicht mit dem biederen Ernst des gehaltvoll Faktischen vorgebracht würden.

 

Rudolf Hänsel gibt am Schluss seines Werkes noch praktische Handlungsanweisungen. Man möge doch dem Beispiel aus der Schweiz folgen. Dort werde mit Actionspielen nämlich anders und in den Augen des Autoren weitaus sinnvoller umgegangen. Auch ich habe mich für einen Tipp am Ende des Textes entschieden - ebenfalls aus der Schweiz. Der Clip ist, rein inhaltlich betrachtet genauso gehaltvoll wie die Lektüre des Hänsel-Buches, dabei in Form und Vortrag allerdings wesentlich unterhaltsamer.


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