Ratten an Bord
In dieser vage sandkasten-artigen Welt gehen die Puppen zuckelnd ihrem Alltag nach – der in der Regel darin besteht, den Spieler von seinem Ziel abzubringen, in einem Eingeständnis an die politische Korrektheit doch noch gegen die Kinderarbeit anzugehen und nebenbei einen bösen Kapitalisten zur Strecke zu bringen. Weit kommen die Babuschkas auf ihren Wanderschaften allerdings nicht, und das ist das grösste Problem von Stacking: Als wäre den Entwicklern bewusst gewesen, dass die auf Augenhöhe mit dem Protagonisten verbleibende Kamera die Navigation der Spielwelt zur Geduldsprobe macht, halten sie die Gehwege kurz – findet sich irgendwo ein Hindernis, ist die personifizierte Lösung mit Garantie nur wenige humpelnde Schritte entfernt. Hier enthüllt sich die anfangs einnehmend wirkende Kernidee des Spiels plötzlich als Verkürzung, an deren Ende eine Puppe mit einem Schlüssel auf dem Kopf vor einer verschlossenen Türe steht. (Immerhin besteht die Option, einige Aufgaben – die durchaus so originell sein können wie die Sabotage einer archäologischen Ausstellung mithilfe von Preixboxern oder einem Rudel Ratten – auf verschiedene Arten zu lösen, was das grosszügige Hilfe-System davor bewahrt, zur kompletten Farce zu werden.)
In seinen besten Momenten – etwa an Bord eines Kreuzfahrtschiffs in voller Proto-Titanic-Pracht, das bevölkert ist von Dutzenden manisch wuselnden Passagieren – vermittelt Stacking den Eindruck eines weiten Spielraums voller absurder Möglichkeiten. In Abwesenheit jeglicher spielerischer Herausforderung und jeglicher narrativer Ambition schrumpft dieser aber allzu oft zusammen zu einem Museum historischer Klischees und altbackener Witze, das auch als Lebensraum für slawisches Spielzeug nicht recht überzeugen will.
Man kommt um die Metapher nicht herum: In Stacking steckt eine brillante Idee – die jedoch verschwindet unter zu vielen Schichten unausgegorenen Ballasts.
