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Freitag, 25. Mai 2012 | 00:47

BIT.TRIP BEAT / BIT.TRIP RUNNER

19.04.2011

Transzendenz-Pong

Die preisgekrönte BIT.TRIP Reihe geht auf Nintendos Wii zu Ende. Auf dem PC aber geht sie gerade erst los. DENNIS KOGEL begibt sich auf den BIT.TRIP.

 

Egal, ob Videospiele, frei nach Espen Aarseth, als Text gesehen werden oder nicht – die Eigenheiten des Mediums führen manchmal zu einzigartigen Effekten. Die Plattform-Dependenz zum Beispiel. Während etwa ein klassischer Text zwar ein Medium (etwa ein Buch, eine Webseite) braucht, um den Inhalt an den Leser zu bringen, sich der Text aber auf relativ viele Weisen darstellen lässt (als Braille z.B., als Audio-Aufnahme etc.), brauchen Videospiele eine spezifische Kombination aus Hard- und Software. Das digitale Erbe beschäftigt meist Museen, Akademiker und private Anbieter wie CD Projekt‘s Good Old Games oder Valves Steam, die mit Emulatoren,  Virtualisierung und Handarbeit versuchen, digitale Produkte, wenn auch nicht immer für kommende, so zumindest für diese Generation erfahrbar zu machen. Etwa die bei Gaijin Games mit dem IGF-Award ausgezeichnete BIT.TRIP Reihe, die ursprünglich für Nintendos Wii erschienen ist, und jetzt teilweise über den Download-Service Steam auch PC und MAC-Nutzern zur Verfügung steht.

 

Die Spiele der BIT.TRIP Reihe sind einerseits Rhythmus-basierte Geschicklichkeitsspiele, andererseits aber eine liebevolle Hommage an bunte Pixelwelten der 8-Bit Ära und Chiptunes-Computer-Musik. In BIT.TRIP BEAT, dem ersten BIT.TRIP Spiel, benutzt der Spieler einen Pong-Schläger, um zu Chiptunes-Beats bunte Pixel abzuwehren. In BIT.TRIP RUNNER, dem vierten Teil der Reihe, sprintet Commander Video, ein bebeinter und bearmter Pong-Schläger, durch farbenfrohe Voxel-Landschaften und weicht Hindernissen mit Sprüngen, Kicks und Slides aus. Je effizienter, schneller, präziser der Spieler dabei ist, desto vielschichtiger wird der Chiptunes-Soundtrack und desto dichter die 8-Bit Ästhetik. Steven Haske beschreibt diesen Prozess für das Paste Magazine als Zen-artige »Präsenz im Spiel«. Die Sprünge, die Slides, das Abwehren eines weiteren Pixel-Ansturms erzeugt dabei ganz eigene Klänge, die Teil des Soundtracks werden. Der Spieler wird zum kleinen Teil der Musikmaschine BIT.TRIP, nicht zur Rock Band-Lead Gitarre, eher zur Triangel.

 

Der ewige Commander

Was BIT.TRIP dabei von der Vielzahl an Musik-basierten Indie-Games abhebt, ist eine überraschend komplexe interne Mythologie um das Leben des Protagonisten Commander Video, von seiner Geburt in BEAT über sein unbeschwertes Leben in RUNNER, der Erfahrung des Eltern-seins in FATE bis schließlich zum spirituellen Aufstieg in die Nachwelt  in BIT.TRIP FLUX. Während aber Commander Videos Reise im kürzlich für die Wii veröffentlichten FLUX zu Ende geht, sprintet der Commander auf dem PC und MAC immer noch mitten im Leben über grüne Wiesen. In gewisser Weise erreicht Commander Video damit die Wiedergeburt, die in FLUX angedeutet wird.

 

Dabei muss der spirituelle Hintergrund gar nicht im Vordergrund stehen. Die BIT.TRIP Spiele funktionieren auch auf einer anderen Ebene. Die Reise durch Commander Videos Leben ist gleichzeitig auch eine Reise durch die Videospielgeschichte mit Pong als Fixpunkt. Laut »Brainygamer« Michael Abbot befinden wir uns in einer »Renaissance der Abstraktion« im digitalen Spiel, die dem Spieler selbst die Möglichkeit gibt mit groben, abstrakten Mitteln kleine Welten zu erschaffen. Wo anfangs ein Pong-Schläger in einer monochromen Spielumgebung Bälle abwehrt, explodieren bald Chiptune-Beats und farbenfrohe Pixel. BIT.TRIP begleitet Commander Video aus einer notgedrungenen Simplizität in die bewusste Abstraktion. Nach und nach erschließen sich bei BIT.TRIP Welten, die anfangs undenkbar wären. Und ein bisschen so muss sich wohl Pong-Erfinder Allan Alcorn beim Anblick Commander Videos fühlen.  

Was BIT.TRIP dabei von der Vielzahl an Musik-basierten Indie-Games abhebt, ist eine überraschend komplexe interne Mythologie um das Leben des Protagonisten Commander Video, von seiner Geburt in BEAT über sein unbeschwertem Leben in RUNNER, der Erfahrung des Eltern-seins in FATE bis schließlich zum spirituellen Aufstieg in die Nachwelt  in BIT.TRIP FLUX. Während aber Commander Videos Reise im kürzlich für die Wii veröffentlichten FLUX zu Ende geht, sprintet der Commander auf dem PC und MAC immer noch mitten im Leben über grüne Wiesen. In gewisser Weise erreicht Commander Video damit die Wiedergeburt, die in FLUX angedeutet wird.

Dabei muss der spirituelle Hintergrund gar nicht im Vordergrund stehen. Die BIT.TRIP Spiele funktionieren auch auf einer anderen Ebene. Die Reise durch Commander Videos Leben ist gleichzeitig auch eine Reise durch die Videospielgeschichte mit Pong als Fixpunkt. Laut »Brainygamer« Michael Abbot befinden wir uns in einer »Renaissance der Abstraktion« im digitalen Spiel, die dem Spieler selbst die Möglichkeit gibt mit groben, abstrakten Mitteln kleine Welten zu erschaffen. Wo anfangs ein Pong-Schläger in einer monochromen Spielumgebung Bälle abwehrt, explodieren bald Chiptune-Beats und farbenfrohe Pixel. Nach und nach erschließen sich bei BIT.TRIP Welten, die anfangs undenkbar wären. Und ein bisschen muss sich so wohl Pong-Erfinder Allan Alcorn beim Anblick Commander Videos fühlen.  

 

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