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Freitag, 25. Mai 2012 | 00:47

Superbrothers: Sword&Sworcery EP

26.04.2011

Lagerfeuer-Romantik, funkenstiebend

Eine iPad-App mit dem kryptischen Titel  Superbrothers: Sword&Sworcery EP ist seit einiger Zeit in aller (digitaler) Munde. Was genau verbirgt sich dahinter? CHRISTOF ZURSCHMITTEN hat sich mit Schwert und Singsang unter Hirsche begeben und liefert Antworten – im Dutzend.

 

Sword&Sworcery ist ein Projekt von Leuten – Der Musiker, Die Grafiker, Die Spielmacher –, die in Kanada zusammenfanden und sich fragten: »Könnten wir nicht?« Sword&Sworcery ist von Leuten gemacht, die konnten.

 

Sword&Sworcery ist das erste grosse Spiel fürs iPad. Sword&Sworcery qualifiziert sich kaum als Spiel. Sword&Sworcery ist die Fortschreibung des klassischen Adventure-Spiels mit anderen Mitteln. Sword&Sworcery ist ein audiovisuelles Experiment, das nur zufällig auch interaktiv ist.

 

Sword&Sworcery ist das aufwändigste Musikvideo aller Zeiten. Sword&Sworcery spielt Chiptunes an einem Lagerfeuer, um das bewusstseinerweiterte Waldschrate in Atari-Tshirts tanzen. Sword&Sworcery fordert uns auf, mittanzen, auf unseren Fingern. (Jim Guthrie ist der Komponist von Sword&Sworcerys Musik. Jim Guthrie ist Gaststar in Sword&Sworcery, als Epiphanie auf Türmen aus Fender-Verstärkern. Man kann seine Gottheit schlechter wählen als in Jim Guthrie.)

 

Die Welt von Sword&Sworcery liegt auf der Dunklen Seite des Mondes, auf halbem Weg zwischen Cimmeria und wo auch immer sich die bärtigen jungen Männer von Toronto in ihren Hirschpullovern treffen mögen.

 

Die Grafik von Sword&Sworcery ist nicht Pixel-Art. Die Grafik von Sword&Sworcery ist die Antwort der Nachgeborenen auf Kubismus, Pointilismus und deinen kunstverständigen Scheissstandesdünkel, Alter.

 

Bukolisch, psychedelisch

In den Landschaften von Sword&Sworcery möchte man Dynastien friedlebender Schäfer zeugen. In den Landschaften von Sword&Sworcery möchte man sich verlieren, oder zumindest seinen Weg, um ein Menschenleben später wieder aufzutauchen, zahnlos lächelnd am Ufer eines süsslich duftenden Teichs. Die Landschaften von Sword&Sworcery sind fantastisch. Das müssen die Landschaften von Sword&Sworcery auch sein, denn man durchstreift sie wieder und wieder. Und wieder. (Und wieder.)

 

Sword&Sworcery scheut sich nicht, der Repetition mit gebleckten Zähnen ins Antlitz zu sehen. (Ein wenig Scheu würde Sword&Sworcery gut zu Gesicht stehen.)

 

Sword&Sworcery spricht die Sprache des iPads, die da ist: Tippen, Reiben, Schütteln, Drehen, Streifen, Streicheln. Irgendwann hat Sword&Sworcery nicht mehr viel Neues zu sagen, und tippt doch eifrig weiter vor sich hin.

 

Sword&Sworcery existiert auch auf dem iPhone und iPod. Sword&Sworcery auf dem iPhone zu spielen ist, wie durch eine Schiessscharte auf den Grand Canyon zu blicken, mitten im Grand Canyon stehend.

 

Manchmal ist Sword&Sworcery die klare Antwort auf die Frage: »Are Games Art?« Manchmal jedoch fragt es ehrlich naiv: »Könnten Sie die Frage wiederholen, bitte?«

 

Sword&Sworcery erschreibt sich selbst mit den Fingern von tausend schuldbewussten Vice Magazine-Lesern, like, totally, Geschichte und Marketingplan, in je 140 Zeichen. Sword&Sworcery ist ein Spiel mit Twitter-Anbindung, Sword&Sworcery appelliert schamlos an unser basales Bedürfnis, Intelligentes, Absurdes, Selbstverherrlichendes und Bilder von Katzen mit der Nach- und Umwelt zu teilen. Mit Erfolg, denn Sword&Sworcery ist abgefeimt (und trending auf Twitter).

 

Sword&Sworcery ist so abgefeimt, dass es ABSICHTLICH Wörter falsch schreibt. Sword&Sworcery ist so abgefeimt, dass es damit etwas sagen will. Sword&Sworcery ist so abgefeimt, dass es jeden Interpretationsversuch von einer höheren Meta-Ebene aus verlacht. Sword&Sworcery ist so abgefeimt, dass es jeden Hipsterismus-Vorwurf abfängt und mit ihm ein Pabst-Bier heben geht.

 

Bosskämpfe, erleuchtend

Die Rätsel von Sword&Sworcery sind obskur wie die Rückübersetzung einer Hymne in eine Sprache, der Wörterbücher immer schon fremd gewesen sind. Die Lösung der Rätsel von Sword&Sworcery ist offensichtlich wie der Fingerzeig eines Kindes auf einen Hund, der in der seligen Erkenntnis gipfelt: »Wauwau.«

 

Sword&Sworcery sagt, das Augenlid auf Stroboskop gestellt, Sätze wie »The glowing ghost dude in The Trigon Grove totally freaked us out at first to be honest«, klar verständlich trotz in der Wange verrenkter Zunge.

 

Sword&Sworcery hat Bosskämpfe, die sich anfühlen, als steppe man zur Orgel des Phantoms of The Paradise um sein Leben, funkenstiebend, bis der Brustkorb aufbricht und lichterlohe Laserstrahlen aus den Brustwarzen aufsteigen, um einem wieder Frieden zu bescheren. Sword&Sworcery weiß, dass es nichts ausmacht, wenn man exakt diesen Moment dreimal erleben darf.

 

Die Geschichte von Sword&Sworcery umfasst: Den legendären Helden! Das mythische Artefakt! Den weisen Mentor! Den irre-bösen Dämon! Doch ist der Held hier Die Frau, das mythische Artefakt aus Zelda gemoppt, der Dämon eine gehörnte Pfütze Dunkelheit, und der Mentor »The Woodsman Known As Logfella«. Und vor dem Ende der Welt kann man jammen, unter Tieren.

 

Sword&Sworcery ist kaum mal 4 Euro. Diesen Preis ist Sword&Sworcery wert. Sword&Sworcery birgt mehr als genug Antworten in sich selbst. (Und überhaupt, was fragen Sie ausgerechnet mich?)

 

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22.06. ...

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