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Freitag, 25. Mai 2012 | 00:51

Magicka: Vietnam

17.05.2011

Wooly Bully

Wenn Magie, Vietnamkrieg und die Trashmen aufeinanderprallen, werden die Grundfesten des Genres erschüttert. DENNIS KOGEL über Magicka: Vietnam und Web-Humor im digitalen Spiel.

 

»Das Grauen. Das Grauen hat ein Gesicht. Und man muss sich das Grauen zum Freund machen. Das Grauen, Einhörner, Feuerbälle, Blitzstrahlen und Zauberei und der moralische Terror sind deine Freunde.« Moment! Da ist was durcheinandergekommen. Magicka: Vietnam, die erste Erweiterung des wundervoll verschrobenen schwedischen Magicka, ist ein Fiebertraum Zombie-Kubricks nach einer Nacht mit Coppola: Die USA kämpfen in der schwülen Hitze des vietnamesischen Dschungels gegen den Goblin-Cong. Rambo ist in Gefangenschaft. Die letzte Hoffnung: vier Zauberlehrlinge, bewaffnet mit Maschinengewehren, 8 magischen Elementen, Rock’n’Roll und der Macht des Pop-Zitats.

 

QFDWFF

Das vorneweg: Die größte Leistung Magicka: Vietnams ist nicht das Spiel an sich. Für knapp €5 (die Hälfte des Preises des Hauptspiels) wird, um frei nach balkantoni »Gamestardeutsch« zu bemühen, »nicht viel an Wert geboten«. Noch immer werden die 8 verschiedenen magischen Elemente auf den Tasten Q, W, E, R, A, S, D, F kombiniert, um Feinde (und Mitspieler) zu rösten (FFFSS), schockzufrosten (QRQRQRQR), heilen (W) und zu zerschmettern (DDDDD). Diesmal eben in einem kurzen Vietnam-Kriegs-Szenario mit kleinen Aufgaben wie der Rettung von Kriegsgefangenen und einer Arena. Was Magicka: Vietnam besonders macht, ist Arrowhead Studios Wille zum Konzept. Magicka war witzig, keine Frage, die »popkulturellen Seitenknuffe« aber immer nur Knuffe. Sprich: nichts Großes, nichts Besonderes im Vergleich zum wahnwitzigen Humor, den das Spiel entwickelt, wenn sich zwei Zauberdeppen gegenseitig in die Luft jagen. Mit Magicka: Vietnam zeigen Arrowhead Game Studios, wie sich das Prinzip des Web-Witzes auf das Spiel übertragen lässt.

 

Auch wenn Web- oder Internet-Humor als Begriff äußerst vage ist, so ist er in diesem Fall äußerst hilfreich. Ohne jetzt Remix-Theorien auf den Tisch zu knallen oder den ewigen Girl Talk aus dem Schrank zu holen: größtenteils setzt Humor im Netz auf Hybridität. Sprich: zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, werden zusammengemasht. Ärzte, Ninjas, Dinosaurier? Dr. McNninja. Katze und Ärzte? Doctor Cat. Brüste und Laser? Lazertits. Und Zombies. Und Cthulu. Und Einhörner. Dank dem Internet alles ein Standard des popkulturellen Witzes. Was digitale Spiele wie Magicka meistens angestellt haben, ist Web-Humor zu zitieren. Magicka: Vietnam hingegen übernimmt das Prinzip.

 

Magic Cow

Fantasy-Magier und der Vietnam-Krieg sind im digitalen Spiel so allgegenwärtig wie Katzen und Laser im Internet. Indem Magicka: Vietnam beides kombiniert, zeigt und verlacht es das abstruse Genre-Denken und das faule Benutzen von Genre-Shorthands. Vietnam im Spiel ist immer Surfin‘ Bird, ist immer Apocalypse Now!, ist immer Fortunate Son und ist immer eine Wiederholung eines digitalen Krieges, der aus der Rettung von Rambo im Käfig und der Vernichtung von Wachtürmen besteht – es ändert sich nicht mal, wenn Magier durch den Dschungel pirschen.

 

Man könnte sagen, dass der fantastische Trailer zu Magicka: Vietnam mit dem Surfin‘ Bird Cover in Magickas skandinavisch-brabbeliger Kunstsprache genügt hätte, es ist aber die Konsequenz, aus einem völlig absurdem Konzept, ein funktionierendes Spiel zu machen, das Magicka: Vietnam so wertvoll macht. Es ist keine 5 Euro wert, sondern so viel mehr.

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