Superbrüder im Geiste
Neben Superbrothers/Capybaras Sword&Sworcery steht Capsized für eine neue Generation visuell bestechender kanadischer Indies. Wo Sword&Sworcery, so Christof Zurschmitten in seiner Rezension, die »Antwort der Nachgeborenen auf Kubismus, Pointillismus und deinen kunstverständigen Scheissstandesdünkel« gegeben hat, so ist Capsized der Versuch, aus den kalten Hallen eines Abuse einen organischen, fremdartigen, pittoresken, wunderschönen und vor allem tödlichen Planeten zu erschaffen. Kurz: Capsized ist das schönste 2D-Spiel seit Jonathan Blows Braid.
Fast wie in einem ver-indie-spieltem Bulletstorm strandet eine vom Unglück geplagte Gruppe Astronauten auf einem Alien-Planten und versucht, den mörderischen Einheimischen, der giftigen Flora und aggressiven Fauna zu entkommen. Was Capsized dabei besonders macht, ist es, die Bewegung durch den Spielraum in den Vordergrund zu rücken. Die gestrandeten Astronauten katapultieren sich mit Luftstößen durch die Beinahe-Schwerelosigkeit des Planeten, schwingen mit Bungeeseil-artigen Greifhaken durch die Welt und weichen durch Jetpack-Einsatz Gefahren aus. Das Gefühl der Capsized-Steuerung ist dabei lose, bewusst glitchy. Mit dem Greifhaken an eine Alien-Insel gekettet, lässt sich der Astronaut zu entspannt, tranciger elektronischer Musik gefühlt meilenweit durch die Luft schießen, um dann einem besonders gemeinem Alien eine Rakete vor den Kopf zu schießen. Capsized hat ein großes, buntes Videospielherz in einem bösartig-gefährlichem Aliendschungel. Es lässt sich am besten mit »weeeee« beschreiben.