Mike Krahulik & Jerry Holkins: Penny Arcade Adventures - On the Rain-Slick Precipice of Darkness
31.05.2011
Metaebene, Alter!
On the Rain-Slick Precipice of Darkness von Penny Arcade ist der Alptraum eines Kritikers, denn es ist ein Spiel von Kritikern mit dutzenden Referenzen, Witzen über, unter und um die Metaebene und es ist gut! PETER KLEMENT nutzt die Gelegenheit schamlos, kickt vierte Wand um und sagt »Hallo« aus der Egoperspektive.
Hallo
Ein paar Worte vorweg: Ich hasse Referenzkomödien. Scary Movie und Konsorten bringen mich auf die Palme UND SIND NICHT LUSTIG PUNKT! Die einzige Person, die referenz-/zitatbasierte Unterhaltung elegant über die Bühne bringt ist Quentin Tarantino. Und Er kann es nur aus dem einen Grund: All diese Referenzen haben einen Wust in Seinem Hirn gebildet, der als völlig autarkes System fungiert, das alle Jahre einen Film ausspuckt, dessen Zitate sich die Leute für die nächsten Jahrzehnte an den Kopf werfen. Quentin, ich sag jetzt einfach mal Quentin, darf das.
Ihr da mit den Nerd-Shirts, Hände aus den Hosen!
Wenn Kritiker selbst schaffend tätig werden, dann ist das Resultat oft grauenvoll. Das Problem ist in den meisten Fällen, dass der Kopf zu voll (oder nicht voll genug, siehe Tarantino) ist mit narrativen Parametern, möglichen Vergleichsmustern und dem unbezwingbaren Drang den Intellektuellen raushängen zu lassen und auf Biegen und Brechen irgendwas mit, sagen wir mal, Heidegger zu vergleichen. Kurz, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, will aber damit angeben. (Zusammenhanglose Anmerkung am Rande: Wenn man zu frech wird, läuft man Gefahr von Uwe Boll verprügelt zu werden.)
Und damit fängt der ganze Ärger an, denn Strukturen gehen als erstes baden sobald Referenzen ins Spiel kommen. Das Resultat ist meist...postmodern und wenn es postmodern wird dann läßt man eh jedem alles durchgehen. Wenn Nerds sich über Spiele unterhalten, da kann es auch ganz schnell verwirrend UND masturbatorisch werden (an dieser Stelle möchte ich gern das Special Most Epic Game Moments ankündigen). Man mag sich gar nicht ausmalen, was passiert, wenn sie Spiele MACHEN.
Doch On the Rain-Slick Precipice of Darkness absolviert den Tanz auf der Rasierklinge mit einer Lässigkeit, dass selbst dem Kritiker mit Heidegger im Anschlag die Kinnlade nach unten fällt. Dass dieses steampunk-eske, rundenbasierte Rollenspiel mit Quicktime-Events und parodistischen Film-Noir-Elementen funktioniert, ist ungefähr so glaubwürdig, wie Kohls Gedächtnisschwund, Guttenbergs Unschuldsbeteuerungen oder Mohammed Saeed al-Sahaf. Ganz ehrlich, ich hab es mir nur gekauft, weil es für einen Appel und ein Ei auf Steam zu haben war. Doch so wahr ich hier schrub, es dreht sich und was für Pirouetten es dreht.
De Revolutionibus Orbium Coelestium
Nachdem ich Episode 1 & 2 des Penny-Arcade-Spiels verschlungen habe, muss ich zugeben: mein Weltbild hat Risse bekommen – und ich bin katholisch. Die Story ist verrückt, aber wunderbar erzählt. Die fiktionale Welt ist völlig bescheuert, aber mit einer Genialität eines Quentin Tarantino und/oder Douglas Adams entworfen. Das Kampfsystem ist angelehnt an das asiatische Rollenspiel-System, in dem in fester Anordnung eine Figur nach der anderen zum Zug kommt – der Nerd von Welt kennt es aus Final Fantasy & Konsorten. Eigentlich geht mir das tierisch auf den Senkel: Zu statisch, zu abstrakt, zu sehr megalomanischen Attacken verhaftet.
Ich wurde eines Besseren belehrt, als ich unter unerbittlichem Zeitdruck auf Tasten einhämmerte, um sektiererische Pantomimen mit vollautomatischem Feuer aus einer verwunschenen Tommy Gun von der Straße zu blasen. Es ist unmöglich, vernünftig darüber zu schreiben und selbst wenn man es erklären will, wäre das nur mit viel Gefuchtel, Onomatopoesie und einem Smartphone einigermaßen möglich. Der Irrsinn greift einfach wunderbar ineinander und bildet ein harmonisches und wirklich witziges Ganzes, dem inquisitiven Kritiker zum Trotz, der in dem Fall nur widerrufen oder zum Gespött der Nachwelt werden kann.
Tschüss!
Mir bleibt nicht anderes übrig als mich vor Mike Krahulik und Jerry Holins zu verneigen und mein Weltbild, zumindest teilweise, zu revidieren. Scary Movie muss zwar trotzdem draußen bleiben, aber Final Fantasy darf jetzt immerhin im Hausflur schlafen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und das Combo-Pack gibt es auf Steam für lausige €11,99. Für Nerds, Kritiker und natürlich Wissenschaftler, die mal wieder in der Postmoderne rumpuhlen wollen, ein Pflichtkauf. Ich werde es für die nächste Zeit unterlassen in der Egoperspektive zu schreiben. Versprochen.

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