Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 01:21

Dead Island

11.10.2011

Wenn der Zombie zweimal klingelt ...

Sonne, weiße Strände und türkisfarbenes Wasser – das klingt erst einmal nach der perfekten Urlaubsidylle. Kombiniert man das allerdings mit Zombies und ganz viel Blut, sieht das Bild schon anders aus. Nachdem die Untoten ihr Unwesen sonst eher auf dem Festland treiben, geben sie in Dead Island ihr Debüt im sonnigen Paradies. NORMAN VOLKMANN ließ sich auf Banoi die Sonne auf den Bauch scheinen und amputierte fleißig Gliedmaßen infizierter Urlauber.

 

Dead Island erregte schon vor Veröffentlichung mit dem Debüttrailer großes Aufsehen und Bekanntheit – eine solche Inszenierung hatte man zuvor bei keinem anderen Spiel gesehen. Es war klar: etwas Großes sollte im Herbst ins Haus stehen. Den hohen Erwartungen, die durch den eigenen Hype aufgebaut wurden, konnte die polnischen Entwickler von Techland nicht gerecht werden – zu viele Kinderkrankheiten, Logikfehler und Schwachstellen fallen dem geneigten Zombiejäger während des Spiels auf.

 

Guten Morgen, ab heute ist alles anders

Man kennt das: Eines Morgens wacht man auf, die halbe Menschheit ist vernichtet und man ist von Zombies umgeben. Mit diesem Gefühl werden auch die vier Hauptcharaktere konfrontiert, die nach einer durchzechten Nacht in einem Hotel Banois aufwachen und durch leere Flure streifen. Ohne mit der Wimper zu zucken, kann man durch fremde Hotelzimmer wandeln; und auch blutige Leichen locken weder dem Charakter ein Wort aus dem Mund noch versucht das Spiel, irgendetwas zu erklären. Ich vermute einfach, dass der muskulöse, ehemalige Rapper Sam B., mit dem ich ins Abenteuer gestartet bin, schon Schlimmeres gewohnt ist. Vielleicht ist aber auch der Restalkohol nach der tollen Party, bei der er seinen Hit Who do you voodoo, Bitch? zum Besten gab, der Grund für die Emotionslosigkeit. Dieser erste Eindruck, dass dem Spiel etwas fehlt, will sich auch im weiteren Verlauf nicht so richtig lösen.

Das beginnt, als man einen vorgefertigten Charakter als Spielfigur wählen muss, den man nicht individualisieren kann. Die Fähigkeitsbäume sind zwar recht vielfältig, dennoch fehlt die Bindung zum Charakter. Warum sollte mir einer dieser Menschen sympathisch sein? Die Hintergrundinformationen sind kurz und triefen nur so von Klischees. Sam habe ich ausgewählt, weil seine Spezialität auf Nahkampfwaffen, wie Baseballschläger und Hämmer ausgelegt ist und das während einer Zombieapokalypse, bei der Schusswaffen eher Mangelware sind, noch am meisten Sinn ergibt.

 

Botenjunge im Paradies

Nach den ersten Missionen wird zudem klar, dass auch die Nebencharaktere nicht interessanter sind. Anscheinend hatten die Entwickler nur ein Charaktermodel für nahezu jede Dame, die man trifft. Auch das Missionsdesign ist wenig aufregend. »Geh Medizin holen«, »Guck, ob X noch lebt« – über simple Hol-und-Bring-Missionen geht es oftmals nicht hinaus. Spaß macht das Ganze  dann aber dennoch, immerhin überzeugt zumindest die Atmosphäre des Spiels. Egal, ob an wunderschönen Stränden, in dreckigen Abwasserkanälen oder der Wildnis – überall lauern Zombies und überall hört es man unangenehm stöhnen und schreien. Sicherheit bieten lediglich Häuser anderer Überlebender.

 

Der Kampf gegen die Zombies gestaltet sich angenehm schwierig. Sobald eine größere Gruppe Untoter angreift, kann man tatsächlich nur durch geschickte Manöver und kluge Spielzüge überleben. Eine Ausdaueranzeige verhindert, dass wildes Umherschlagen zum Erfolg führt. Eine richtige Taktik kann man dennoch kaum anwenden – dazu geht oft genug einfach die Übersicht verloren. Dennoch stellen die Kämpfe den Mittelpunkt des Spiels dar. So detailliert konnte man in noch keinem Titel seine Gegner auseinandernehmen. Knochen brechen, Köpfe oder Gliedmaßen absäbeln – der Fokus wird klar auf Nahkampfwaffen gesetzt. Die eher seltenen Schusswaffen richten allerdings auch kaum Schaden an. Bis ein Zombie endgültig das Zeitliche segnet, ist schon mal mehr als ein ganzes Magazin verschossen.

 

Senkt man seine eigenen Erwartungen und den Anspruch an ein eigenständiges Rollenspiel mit fesselnder Geschichte, kann man mit Dead Island sehr viel Spaß haben. Dann nämlich kann man es als das wahrnehmen, was es auch ist: ein Zombie-Massaker-Festival der obersten Güteklasse.

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

Sorry wegen dem Auge

Das ist ein TATORT, der gut gefallen kann. Mag sein, es kommt zum Ende hin ein bisschen dicke. Aber wie man’s nimmt. »Wir freuen uns, in der Reihe Tatort am Pfingstmontag mit ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Karfreitags-Tanz

Wie schon im vergangenen Jahr gibt es auch dieses Jahr wieder in Hessen Ärger, weil aufgrund eines Gesetzes von 1952 am Karfreitag und Ostermontag das Tanzen in der Öffentlichkeit ...

Vorschlag zur Güte

Reiß mir bitte reiß mir doch

in meinen Etat ein Loch

stopf zwei drei deiner Sorgen rein

und bald wird wieder Frühling sein

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...