Günter de Bruyn, der am 1. November vor 85 Jahren in Berlin geboren wurde, absolvierte nach dem Einsatz an der Ostfront eine pädagogische Ausbildung. Doch als Dorflehrer in der Mark Brandenburg galt das Nicht-Parteimitglied als unsicherer Kantonist in der rigiden DDR-Schulpolitik; de Bruyn wechselte noch einmal selbst auf die Schulbank und wurde in den frühen 50er Jahren Bibliothekar.
1996 präsentierte der Autor unter dem Titel Vierzig Jahre den zweiten, bis zum Mauerfall reichenden Teil seiner Autobiografie. Das Buch zeigte, dass Günter de Bruyn nie ein Mann der schnellen Entschlüsse war. Wenn andere handelten, versank er in tiefgehende Reflexionen.
Mitten in die Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag des Mauerfalls erschien 1999 de Bruyns Essayband Deutsche Zustände, in dem er den Vereinigungsprozess kritisch hinterfragte und eine gewisse Stagnation konstatierte: »Die Nation hat schlechte Laune. Sie ist wieder vereint, aber nicht glücklich.« Niemand, so de Bruyn, bestreite in den neuen Bundesländern die Vorzüge, aber sie seien zu schnell selbstverständlich geworden. Diese exponierte Form der Unzufriedenheit unter der Bevölkerung der ehemaligen DDR sei »häufig von tatsächlicher oder vorgetäuschter Erinnerungsschwäche bestimmt.« Befunde, die bis heute ihre Aktualität nicht eingebüßt haben.
Neben Romanen, Biografien und Essays hat de Bruyn, der in Berlin und im brandenburgischen Görsdorf lebt, auch einige äußerst lesenswerte Sachbücher vorgelegt, die zumeist um sein Lieblingssujet Preußen kreisen – so die Chronik Die Finckensteins, der Band über Berlins Prachtstraße Unter den Linden oder zuletzt 2010 Die Zeit der schweren Not, in dem er Schicksale aus dem Berliner Kulturleben des frühen 19. Jahrhunderts rekonstruiert hat.