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Freitag, 25. Mai 2012 | 01:43

Zum 80. Geburtstag von Umberto Eco am 5. Januar

04.01.2012

Nicht alles in Stein gemeißelt

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen auch liebgewonnene Gewohnheiten. Der Erfolgsschriftsteller und Semiotikprofessor, der Bücher- und Zeitungsliebhaber Umberto Eco räumt ein, dass er sich wegen seiner fortschreitenden Weitsichtigkeit durchaus vorstellen kann, künftig häufiger das iPad zu verwenden. Sein Äußeres hat der große Universalgelehrte schon vor drei Jahren gewaltig geändert. Sein Vollbart verschwand: »Mein Bart wurde immer grauer, während der Schnurrbart dunkel blieb. Ich sah aus wie Dschingis Khan!« Von PETER MOHR

 

Umberto Eco, der diesen Donnerstag seinen 80. Geburtstag feiert, wuchs in Alessandria (Piemont) auf und promovierte bereits mit 22 Jahren über die Ästhetik bei Thomas von Aquin. Als Wissenschaftler und Publizist veröffentlichte er mehr als 50 Bücher (u.a. Das offene Kunstwerk, Apokalyptiker und Integrierte), lehrte viele Jahre an der Universität Bologna, war einer der Gründungsväter der Elite-Universität in San Marino und bekleidete Gastprofessuren in den USA, in Brasilien und Argentinien. Heute gehört der leidenschaftliche Büchersammler, der eine rund 30.000 Exemplare zählende Privatbibliothek sein eigen nennt, zu den bekanntesten, streitbarsten und streitlustigsten Persönlichkeiten Italiens.

 

Er zählte zu den heftigsten Berlusconi-Kritikern und erklärte dessen langjährigen Rückhalt in der Bevölkerung damit, dass er das Lebensgefühl und die Sehnsüchte vieler Italiener verkörpert habe, nämlich - keine Steuern zahlen und viele Frauen haben.

 

»Warum ich 1978 beschloss, einen Roman zu schreiben, wird wohl Stoff für einen Psychoanalytiker bleiben«, wusste Umberto Eco einst selbst keine plausible Erklärung für seinen erfolgreichen Einstieg in die Literatur. Als sein in 29 Sprachen übersetzter und mehr als zehnmillionenmal verkaufter Roman Der Name der Rose (kongenial verfilmt mit Sean Connery) 1982 erschien, war Eco bereits ein international renommierter Wissenschaftler. Doch seine heutige weltweite Popularität erlangte er nicht als Professor für Semiotik, sondern als Romancier.

 

Auch sein zweiter Roman Das Foucaultsche Pendel (1989), in dem er den Wahn eines stetig wachsenden Erkenntnisstrebens anprangert, wurde ebenfalls weltweit ein großer Erfolg. Ecos einzigartiges Erfolgsrezept besteht darin, dass er es wie kaum ein anderer Autor versteht, mit leidenschaftlicher Faszination und spielerischer Raffinesse, philosophische Fragen in ein spannend zu lesendes literarisches Korsett zu integrieren.

 

Nach ähnlichem Strickmuster funktionierte auch der 2002 erschienene Roman Baudolino, in dem Eco seine Hauptfigur, einen begabten Bauernsohn, durch die Wirren des 12. Jahrhunderts schickt. Baudolino studiert in Paris, wird enger Vertrauter des Königs Barbarossa, und mit elf Freunden macht sich der Protagonist auf eine abenteuerliche Reise ins Reich des Priesters Johannes.

 

In einem Interview unmittelbar nach Erscheinen dieses Romans bekannte Eco: »Ich fand es sehr amüsant, über einen Lügner zu schreiben, aber Baudolino ist einer von der Sorte, dessen Lügen akzeptiert und unmittelbar umgesetzt werden. Er ist also ein Lügner, der Geschichten produziert und sie schließlich selbst glaubt.«

 

Im letzten Herbst erschien das große historisch-philosophische Epos Der Friedhof in Prag – ein Roman, für den Eco mehr als fünf Jahre intensive Recherchen betrieben hat. »Es ist ein Buch über den Antisemitismus des neunzehnten Jahrhunderts und über die Erfindung jener Prophezeiungen, die als die Protokolle der Weisen von Zion bekannt wurden. Mich hat diese Schrift, die so offensichtlich erlogen war und doch so viel ausgelöst hat, schon immer interessiert, und ich wollte die Geschichte dieser Konstruktion erzählen«, hatte der Schriftsteller in einem FAZ-Interview erklärt.

 

Ecos Arbeitspensum ist immer noch enorm, ob als regelmäßiger Kolumnist für das Wochenmagazin »L'Espresso« oder als emsiger Essayist, der aktuelle Themen unter die Lupe nimmt. Vor vier Wochen ist der Band Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers in deutscher Übersetzung (wie alle Titel von ihm im Carl Hanser) veröffentlicht worden.

 

Sein Selbstverständnis hat sich im Laufe der Jahre jedoch verändert; der Wissenschaftler Eco neidet dem Romancier inzwischen nicht mehr die Popularität. Mit einem Augenzwinkern berichtet der Whiskey-Liebhaber darüber, wie seine Bücher entstehen und dass die Technik auch in seinen Alltag eingezogen ist: »Ich meißle natürlich nicht alles direkt in Stein, das erlaubt mir, langsam vorzugehen und dabei meine Gedanken zu ordnen. Nein, ich mache mir schon hier und da Notizen, aber hauptsächlich verwende ich den Computer.«

 

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