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Mittwoch, 08. Februar 2012 | 08:07

Autor und Pianist Simon Schott ist tot

02.02.2010

Adieu, Simon Schott

Er war Autor, Barpianisten-Legende und der Kummerkasten der Stars: Simon Schott ist am Samstag im Alter von 92 Jahren gestorben. Fast 30 Jahre lang saß Schott im Hotel „Vier Jahreszeiten“ am Flügel.

 

Simon Schott wurde am 28. November 1917 in München geboren. Nach dem Abitur kommt er als Soldat im Zweiten Weltkrieg nach Frankreich. Kurz vor Kriegsende desertiert er und landet eher aus Versehen in der französischen Widerstandsbewegung. Er bleibt für die nächsten siebzehn Jahre in Paris, spielt Piano in Harry’s New York Bar. Hier lernt er alle Größen seiner Zeit kennen, von Hemingway über Simenon zu Coco Chanel und Jean-Paul Sartre. Auch Humphrey Bogart war eine ganze Weile Stammgast in Harry's New York Bar. Er kam, bestellte zwei Getränke (etwas Antialkoholisches für Simon Schott, etwas anderes für sich selbst), setzte sich in einen Sessel und hörte ihm zu. Er sprach nie, er lächelte nicht. Nach einer Stunde stand er wieder auf, klopfte Simon Schott auf die Schulter und ging.

 

Inspiriert von Simenon, begann Simon Schott in den 50er Jahren in Paris Krimis zu schreiben. Der Held seiner Krimis ist Privat-Detektiv Nick Foldex, ein einsamer Wolf im Pariser Großstadtdschungel. Die Foldex-Krimis erschienen 2008 in einer Taschenbuch-Neuauflage als Sammelband (zur TITEL-Rezension), ebenso erschienen im vergangenen Jahr Simon Schotts Memoiren Der Barpianist.

 

Die Trauerfeier für Simon Schott findet am Donnerstag, 4. Februar 2010 um 10 Uhr im Ostfriedhof München statt.

 

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Simon Schott war der eleganteste und einfühlsamste Barpianist und ein Causeur voller Menschlichkeit und leisem Humor.Jedesmal wenn wir in München waren, mein Mann, meine Töchter und ich, war die Bar des Hotels Vier Jahreszeiten unsere Anlaufstelle, zum Zuhören und für eine kleine Plauderei mit einem Weltklugen. Im Zweiten Weltkrieg hatte er den Mut, in Frankreich, wo er als Soldat stationiert war, nicht den stramm national gesonnenen Helden zu spielen. Er zog das Flair von Paris dem Komiss vor und brachte sich doch in Lebensgefahr, als er sich überreden ließ, pazifistische Flugblätter zu verteilen. Das ist nachzulesen in seinem ohne alle Schwere und Selbstbeweihräucherung daher kommenden autobiographischen Buch "Kriegserinnerungen eines Überlebenskünstlers", 2009 bei Fischer als Taschenbuch wieder aufgelegt. Servus und adieu, lieber Simon Schott. Edith Werner
| von Edith Werner, 09.02.2010

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