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Freitag, 25. Mai 2012 | 02:16

Ehrung

06.05.2010

Erich Fried Preis für Terézia Mora

Die in Ungarn geborene und in Berlin lebende Autorin Terézia Mora (zum TITEL-Gespräch) erhält den mit 15.000 Euro dotierten Erich Fried Preis 2010. Mora habe „eine der kraftvollsten Stimmen der (jungen) Deutschen Literatur“, sagte Juror Urs Widmer.

 

Urs Widmer weiter:

 

Schon der Roman Alle Tage war ein atemberaubendes Sprachkunstwerk.  Nun hat Terézia Mora mit Der einzige Mann auf dem Kontinent ein Buch vorgelegt, das, von vergleichbar wuchtiger Erfindung, doch ganz anders ist. Andere Sprache, andere Geschichte: aber mindestens so begeisternd.


Diesmal sind wir in einer .eigentlich .höchst banalen Arbeitswelt. Der Held, ein Informatiker oder eher Verkäufer von Informatik-Produkten, von denen nie ganz deutlich wird, ob sie und die Firma hinter ihnen eigentlich existieren. Ein Würstchen, das auch, und ohne allzu viel Aufwand, seinen Platz unter der Sonne der Welt der globalisierten Ökonomie haben will.


Terézia Mora geht mit der Sprache dieser Welt souverän um. Virtuos, genau, vital und hochkomisch oft. .Die zweite Grundmelodie des Buchs ist die, sagen wir, Liebe: auch sie eigentlich eine alltägliche und wohl darum berührende. Auch hier will nichts so recht klappen. Was Terézia Mora über andere hinaushebt, ist die Sinnlichkeit ihrer Sprache, eine wuchtige Aufladung der Sätze, ein ungewöhnliches Talent für Aggression auch. Ihre Lebendigkeit. Da gibt es keine tote Zeile, nicht eine.

 

Ihr zweiter ebenfalls bei Luchterhand veröffentlichter Roman Der einzige Mann auf dem  Kontinent, 2009, der von der außergewöhnlichen Hauptfigur, dem IT-Mann Darius Kopp, handelt, gab für Urs Widmer den Ausschlag, Terézia Mora den Erich Fried Preis 2010 zuzuerkennen.

 

Der Erich Fried Preis wird nicht für ein Lebenswerk vergeben, sondern soll an deutschsprachige Autorinnen und Autoren jüngerer Jahrgänge gehen, die noch eine – hoffentlich große – literarische Zukunft vor sich haben.

 

Gestiftet wird die seit 1990 durch die die Internationale Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache vergebene Auszeichnung vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Für die Auswahl der Preisträgerin oder des Preisträgers zeichnen jährlich wechselnde, autonom entscheidende Autorenkollegen verantwortlich. Bisherige Preisträger waren u.a. Christoph Hein, Robert Schindel, Paul Nizon, Gert Jonke, Oskar Pastior, Robert Menasse, Marcel Beyer, Peter Waterhouse und zuletzt Alois Hotschnig.

 

Ein TITEL-Gespräch mit Terézia Mora finden Sie hier.

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