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Freitag, 25. Mai 2012 | 06:12

Cornelia Stolze: Vergiss Alzheimer!

21.09.2011

Schwindeln mit Alzheimer

Es soll ein aufrührerisches Buch sein, provozieren, eine Debatte anstoßen. Es weist auf einen Missstand in der Medizin hin, einen der vielen. Es handelt von der Demenzkrankheit Alzheimer, von vielen falschen Diagnosen, für die anschließend teure Therapien notwendig werden. Rechtzeitig zum Welt-Alzheimertag am 21. September erschien nun Vergiss Alzheimer! von Cornelia Stolze. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, präsentierte die Diplom-Biologin und Wissenschaftsjournalistin ihr Buch. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

Die zentrale Aussage ist: Ein echter diagnostischer Nachweis für Alzheimer existiert nicht und darum ist die massenhafte Diagnose ein medizinischer Schwindel. Vielmehr sei Demenz, wie Stolze betont, häufig die Folge ganz unterschiedlicher Ursachen wie Depressionen, Schlaganfälle, Alkoholismus oder Medikamentenmissbrauch und darum nicht selten sogar nur vermeintlich vorliegend. Da sich aber mit dem »Label Alzheimer« viel Geld verdienen und manche Karriere beschleunigen lasse, würde es geflissentlich gepflegt.

 

Es gebe einen deutlichen »Interessenkonflikt« sekundiert Ludwig, dessen wissenschaftliche Studie Interessenkonflikte in der Medizin ebenfalls diesen Monat erscheint. Dieser Interessenkonflikt bestehe darin, da sind sich Stolze und Ludwig einig, dass viele der Mediziner, die an den medizinischen Standards zur Erkennung und Behandlung von Krankheiten mitarbeiten, enge Beziehungen zu den Pharmafirmen hätten. Zwar würden diese Mediziner sich häufig als unabhängig wähnen, aber dies sei naiv, bekräftigt Ludwig. 

 

Pharmaindustrie umgarnt viele Mediziner

Eine knappe Stunde lang bringen Stolze und Ludwig immer neue Beispiele, in denen die Interessen der Industrie mit jenen der Medizin im Konflikt stehen. Seien es die Dreiviertel aller Alzheimerdiagnosen von Hausärzten, die falsch gestellt würden; die Übermedikamentierung bei alten Menschen, die Demenz-Symptome auslösen können (ein durchschnittlicher 70-jähriger Mensch bekommt 7-10 verschiedene Medikamente); die Manipulierbarkeit von Studien oder die ungute Allianz von Medizinern und Industrie, bei der beide Seiten an Diagnose und Therapie verdienen.

 

Deutlich wird, dass der Einfluss der Medikamenten-Industrie auf die Medizin sehr groß ist. Zwischen dem Sollte des medizinischen Ideals und dem Sein der Realität besteht demnach eine große Diskrepanz. Dies liege jedoch nicht ausschließlich an den Medizinern oder der Pharmaindustrie, sondern auch an der Politik, die falsche Leitlinien erlasse. Wenn Forschungseinrichtungen gezwungen werden, Drittmittel einzuwerben, um auch staatliche Mittel zu erhalten, seien Interessenkonflikte vorprogrammiert. 

 

Vergiss Alzheimer! - Anstoß einer Debatte?

Für Stolze ist klar, es muss Reaktionen auf das Buch geben. Die im Buch genannten Mediziner seien praktisch dazu gezwungen. Ein derart polarisierendes Debatten-Buch wie es Sarrazins Deutschland schafft sich ab im letzten Jahr gewesen ist, werde Vergiss Alzheimer! zwar wohl nicht werden. Doch das Buch könne, auch darin sind sich Stolze und Ludwig einig, zumindest einer der vielen Schritte auf dem Weg zu einer unabhängigen, besseren Medizin sein.

 

Wenn es um Alzheimer geht, solle man sich nicht verrückt machen lassen. Es gebe kein Patentrezept und nur ein gesunder Lebensstil sei momentan wirklich wirksam, sagt Stolze. Sie empfiehlt zudem, dass sich der Patient selbst bildet. Man müsse sich selbst informieren und nicht länger auf den »Halbgott in Weiß« vertrauen. 

 

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Hallo ,Verehrte Frau Stolze, ich habe Sie heute im DLF gehört und freue mich, dass Sie diese Altersverzerrung so gut ins Wort genommen haben.der Blick aufs Älterwerden kann aus der defizitären pathologisch-medizinischen Sicht erfolgen oder aus psychosomatischer (salutogeneti-scher) Sicht, die ich in meiner klinischpsycho(-logisch)therapeutischen Arbeit vertreten habe.Das (Jugend)Fremdbild auf das Altern ist zeitgeistmäßig einseitig bis falsch, leider auch vielfach das Selbstbild älterer Menschen, die sich am gesellschaftlich-familären Erwarungs-und Fremd Bild orientieren Die Bücher von Tilman Jens/Arno Geiger sprechen so für sich. Es würde gut sein, die Altersklischees zu überwinden:Das Älterwerden als emotional, kognitiv, motorisch (slow statt fast)ua.anerkennen und respektieren/ schätzen. Das Menschsein in diesem 3. Lebensabschnitt ist wertvoll und nicht (nur) relatives Manko. Vielen Dank für das DLF-Gespräch und Ihr Buch. Freundlichen Gruß M. C. ILLING
| von Dr.Manfred Christian ILLING (70+, mobiler Bergwanderer u.a.),ich plädiere fürs "Charmante Altern", 15.04.2012

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