Die Mutmaßung, nach dem Pendelschlag ins Manierlich-Konservative eines Martin Mosebach 2007 habe die Darmstädter Akademie diesmal einen “der Wilden und Dunklen” (Ina Hartwig in der FR) favorisiert, mag so zutreffend sein wie die Spekulation, nach den Deutschen sei nun wieder einmal ein Österreicher zu bedenken gewesen. Auch mögen, wie das Hubert Spiegel in der FAZ bemerkt, noch andere Autoren respektable Kandidaten für den mittlerweile allerdings etwas “staatstragend” gewordenen Preis in Darmstadt denkbar sein. Nebbich.
Aber keiner der Genannten wäre eine entschiedenere literarische Herausforderung an Leser und Kritiker als eben der Solitär Josef Winkler. Sträflich pauschal & noch schlimmer, nämlich: ignorant gehen jene Kritiker mit dem Oeuvres des 1953 geborenen Kärntner Bauernsohns jedoch um, die ihm jetzt nachsagen, es sei “thematisch und ästhetisch tief in den Siebziger Jahren verwurzelt“ (Hubert Spiegel) oder “seinen literarischen Mitteln” sei “etwas Behagliches, zufrieden in sich Ruhendes zugewachsen, im Schutze kanonisierter Autoren von Ludwig Anzengruber bis Thomas Bernhard” (wie Helmut Böttiger in der SZ).
Sie reden von sich, von ihren Schubladen & Klischees und davon, dass sie den Fortgang von Winklers literarischem Oeuvre seit seiner zwischen 1979/82 (!) erschienenen Trilogie “Das wilde Kärnten” nicht mehr verfolgt haben und den in die Literatur verschlagenen Bauernsohn auf die Rolle des um seine Kindheitsverletzungen, seine Angsthass-Fixierungen auf Geschlecht, Katholizismus, Familie, Tod und Macht kreisenden Autobiographen festgeschrieben haben. Dabei waren Winklers expressive Phantasmagorien der Angst- & Zwangserfahrung im bäuerlichen Barbaricum schon damals sprach- & bildradikaler als die thematisch & zeitverwandte Prosa österreichischer Autoren wie Innerhofer oder Wolfgruber. Der poète maudit Josef Winkler hat sich aber mit “Friedhof der bitteren Orangen” (1990), dem “Zöglingsheft des Jean Genet” (1992) und “Domra” (1996) aus seiner traumatischen Kärntner Eingeborenen-Hölle in die Welt hinaus geschrieben - nach Süditalien und Indien.