Kaum hatte aber der Lotse Mehdorn - der jahrelang dafür sorgte, dass der politische Auftrag, die bundeseigne Bahn-AG an die Börse zu bugsieren, keinen Augenblick in Vergessenheit geriet - den Supertanker Deutsche Bahn AG verlassen, geriet er in schwere Havarien. Allüberall - sei´s am Fahrgestell der ICEs, am Service, dem Bahnnetz oder an den Berliner S-Bahnen - traten die Kollateralschäden eines Sparzwangs auf, den der selbstherrliche Mehdorn rigoros verordnet hatte, um mit Raffinement und Chuzpe aus der Deutschen Bahn das Trugbild einer profitablen Investitionsgelegenheit für weltweite Anleger entstehen zu lassen.
Sein Nachfolger, der mit ihm befreundete Rüdiger Grube, sah sich sukzessive mit den problematischen Hinterlassenschaften Mehdorns konfrontiert, die nicht nur die logistischen Versäumnisse des rabiaten Vorgängers geschuldet waren, sondern auch dessen großkonzeptionellen Utopien - wie jüngst das Milliardenunternehmen Stuttgart 21.
In einem am 16 .1. 11 in der FAZ erschienenen Interview, das ihn mit seinen desolaten Sparzwangsfolgen konfrontiert, zeigt sich der mittlerweile als »freier Unternehmensberater« in Frankfurt ansässige Mehdorn so hartgesotten & uneinsichtig wie eh & je. Er ist der alte geblieben. Hat wer etwas anderes erwartet?
So forderte Mehdorn in dem Gespräch z.B., dass der Bund, der mit 1,5 Milliarden € 80 % der Infrastrukturmaßnahmen (Netzausbau & Bahnhöfe) finanziert, noch mehr darein investieren müsste - weil die Reparaturen und Wartungen der Bahn angeblich umso »teurer« würden, »je weniger der Bund ins Netz investiert.«
Wenn man bedenkt, dass Mehdorns Masterplan vorsah, das Schienennetz dem Bund, vulgo dem Staat, zur ständigen Sanierung zu überlassen und die mobile Bahn zu privatisieren, sieht man richtig vor sich, wie ein möglicher Problem- oder gar Katastrophenfall im deutschen Bahnbetrieb ausgegangen wäre: Dem Schienennetz wäre immer die Schuld daran zugefallen, also dem Staat. Und die privaten Profiteure wären fein raus gewesen.
Angesichts des jedoch seit Mehdorns Abgang gefahr- & reparaturnotorisch gewordenen Zustands des Fahrgerätebestands - ob der ICEs oder der Berliner S-Bahnen - wäre natürlich eine solche Möglichkeit der Schuldzuweisung bei öffentlichen Unfällen & Katastrophen auch so etwas wie eine Rückversicherung für den avisierten Börsengang der dann privatisierten Bahn gewesen.
Nach dem nun allseits bekannt gewordenen Gammel-Zustand der Bahn, die ja Mehdorn noch als saftiges Filetstück für den Börsengang blendend zugerichtet hatte, könnte sich jetzt mancher potenzieller Interessent im Nachhinein fragen, ob er da nicht auf einen bloß täuschend echt lackierten Fake hereingefallen wäre, den Mehdorn da als lukratives Angebot ins Fenster gelegt hatte.
Böswillige (wie ich), bzw. bloß nachdenkliche Betrachter der wirtschaftsbezogenen Szene, die Hartmut Mehdorn vor 1 ½ Jahren als napoleonisch auftretender Bahnchef zwangsweise in sein Exil als »freie Unternehmensberater« verlassen musste, könnten vielleicht auf die Idee kommen, dass man bei ihm nicht gerade an der vornehmsten Adresse wäre, um sich über einen seriösen Erfolg ihres Unternehmens beraten zu lassen.
Und um bei Hartmut Mehdorns erklärtem Vorbild des kleinen Korsen zu bleiben: Nach dem Waterloo, das ihm der unscheinbare Blücher, vulgo: der Sachse Wolfgang Tiefensee bereitet hatte, befände sich vielleicht der derzeit in Frankfurt am Main exilierte Hartmut Mehdorn doch nicht nur - metaphorisch gesprochen - auf seinem Elba - sondern bereits auf St. Helena?
Aber, bleiben wir realistisch: Werden solche wie er nicht jetzt erst recht gebraucht?

