Lart de passage: ...au parfum de tango
23.12.2004
Tango
Die Gruppe L’art de passage hat zusammen mit den Geiger Helmut Lipsky fünf Titel von Piazzolla live aufgenommen, dazu fünf eigene Stücke im Geiste Piazzollas. Sie versuchen gar nicht erst, das große Vorbild zu verleugnen.
Die raffinierten Kompositionen von Astor Piazzolla haben nach seinem Tod an Beliebtheit gewonnen. Immer wieder reizen sie Musiker zur Interpretation. Sie basieren rhythmisch auf dem Tango, gehen aber musikalisch weit über die Tradition hinaus. Sie ersetzen allzu sentimentale Phrasen durch aufgeraute Tonfolgen, irritieren durch schrille Harmonien, weisen einen unverwechselbaren Stil auf, der dennoch immer wieder Überraschungen bereithält.
Der Akkordeonist Tobias Morgenstern, der Pianist Stefan Kling und der Kontrabassist Wolfgang Musick von der Gruppe L’art de passage haben zusammen mit den Geiger Helmut Lipsky fünf Titel von Piazzolla live aufgenommen, dazu fünf eigene Stücke im Geiste Piazzollas. Sie versuchen gar nicht erst, das große Vorbild zu verleugnen.
Die Musik dieses Quartetts ist nicht nur technisch einwandfrei (auf das Gejohle des Publikums im Berliner Lokal freilich würde man gerne verzichten) – sie bezeugt auch, wie komisch Musik sein kann, ganz ohne die semantische Eindeutigkeit von Texten. Der Witz entsteht unter anderem durch die Technik des musikalischen Zitats, zu dem meist ein Motiv überleitet, die das gerade gespielte Stück mit dem zitierten Stück teilt. Das Wiedererkennen macht dabei ebenso viel Spaß wie der Kontrast zwischen den beiden kontaminierten Melodien. So kommen etwa Duke Ellingtons Caravan und das Kampflied Brüder, zur Sonne, zur Freiheit gleichermaßen zu ihrem Recht.
Thomas Rothschild
L’art de passage: …au parfum de tango. Buschfunk 00272