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Freitag, 25. Mai 2012 | 06:42

James Nestor: Opium bringt Opi um

13.01.2012

Legale Drogen -
langweilige Drogen

High werden – völlig legal und ohne große Umstände oder zumindest mit natürlichen Wirkstoffen. Eigentlich verlockend. Opium bringt Opi um von James Nestor nimmt den Leser an die Hand, um ihn mit Hilfe von Meditation, optischen Täuschungen und Giraffenleber fliegen zu lassen. FREDERIK WILHELMI bleibt lieber beim harten Stoff.

 

Was ist eigentlich »high« werden? Unzählige junge Menschen versuchen dieser Frage durch exzessive, wenn auch unwissenschaftliche Versuche auf den Grund zu gehen. Manchmal führten diese Versuche in Sackgassen die bei Fragen wie »Fühlst du was?« und Antworten wie »Ja, irgendwie bin ich ganz leicht« oder Ähnlichem endeten. Aber eine letztgültige Antwort hat es darauf noch nicht gegeben. Meistens muss man sich mit dem folgenden Zirkelschluss begnügen: Wenn man high wird, dann merkt man das schon irgendwie.

 

Optische Täuschungen als Highmacher

Das Buch mit dem etwas stupiden deutschen Titel Opium bringt Opi um (im engl. Get High Now) hat diese Wissenslücke zum Programm gemacht und kurzerhand alles zum High erklärt, bei dem sich Betroffene irgendwie komisch fühlen oder ein leichtes Schwindelgefühl bekommen. Das macht es einfach, beispielsweise optische Täuschungen als Highmacher zu verkaufen. Auch der Bienenstich, der im Körper zur Freisetzung von Cortisol und Dopamin führen soll, ist ein Auslöser eines kleinen, schmerzhaften Highs. Und so weiter.

Nur selten erhält man in dem Buch Hinweise auf exotische Mittel, die dem Suchenden Halluzinationen verschaffen können, aber wenn, dann wird es gleich richtig kompliziert. Rote Samsun Ameisen, die man rauchen soll, lassen sich so nicht ohne Weiteres auftreiben (obwohl es der Autor dem Leser offenlässt, es auch mit europäischen Ameisen zu versuchen), Giraffenleber oder Wunderbeeren auch nicht. Dafür gibt es viele Hinweise auf einheimisch Hausmittel oder Kräuter (zum Beispiel Dill oder Käse) die man auf etwas andere Art und Weise als gewöhnlich benutzen soll. Die Folgen sind, wie bei den meisten anderen Versuchen des Buches, eher bescheiden.

 

Gezwungene Flippigkeit

Das Buch präsentiert auf eine Weise, die etwas anbiedernd herüberkommt; es ist offensichtlich für ein jüngeres Publikum geschrieben worden. Mit mäßigem Erfolg versucht es flippig, lustig und selbstironisch zu erscheinen. Wobei es bei der deutschen Übersetzung ziemlich merkwürdig wirkt, dass man bei aller Flippigkeit gesiezt wird.  

Als Sachbuch ist Opium bringt Opi um nur begrenzt tauglich. Dafür wimmelt es zu sehr von wild durcheinandergeworfenen, zusammenhangslosen und zweifelhaften Fakten; von denen einige auch eindeutig frei erfunden sind (wie zum Beispiel, dass aus Darwins Evolutionstheorie folgen würde, dass man sich irgendwann mit Hunden über Proust unterhalten kann). Es ist ein Experimentier-Buch für Menschen die Zeit und Muße haben, sich auch mal eine Viertelstunde auf den Fußboden zu setzen und konzentriert zu atmen. Dann kann das Buch bei einigen Übungen durchaus interessante Wirkungen haben. Der Verfasser dieser Rezension empfiehlt die Sudarshan Kriya Atemtechnik, die ihn mittels eines schönen Highs zumindest ein wenig mit dem Buch versöhnt hat.

 

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