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Freitag, 25. Mai 2012 | 06:46

 

Michael Pauen: Illusion Freiheit?

27.01.2005

Frei oder nicht frei?

Der Philosophieprofessor Michael Pauen diskutiert einen praktikablen Freiheitsbegriff und gibt en passant einen informativen Überblick über die neuere Debatte um die alte Frage nach der Willensfreiheit. Seine Argumentation ist auch für Laienphilosophen klar und nachvollziehbar.

 

Spätestens seit den Libet-Experimenten scheint es auch empirisch belegt zu sein, dass die für die westliche Kultur so bedeutende Annahme der Willensfreiheit eine Chimäre ist. In diesen Experimenten wurde nämlich dokumentiert, dass die Hirnaktivität noch vor der bewussten Entscheidung liegt – neueste Experimente scheinen dies ebenfalls zu belegen. Bereits Arthur Schopenhauer hatte im 19. Jahrhundert argumentiert, dass zwar die Entscheidung des Menschen frei sei, nicht jedoch der Wille, von dem ja die Entscheidung abhinge, da dies voraussetze, dass man auch über das Wollen frei verfüge. Kannst du wollen, was du willst? – so die provokante Frage. Natürlich muss man diese Frage, so gestellt, verneinen. Denn kein Mensch gibt sich selber seinen Willen, da dieser von Erziehung und genetischen Faktoren abhängt. Ist der Mensch also zur Unfreiheit verdammt?

Pauens Minimalkonzeption der personalen Freiheit

Den unterschiedlichen Argumentationslinien und empirischen Ergebnissen, die immer wieder die Unfreiheit des Willens zeigen, stellt Pauen nun seine Minimalkonzeption der personalen Freiheit entgegen, in der er mit möglichst wenigen Annahmen die verbleibenden Freiheitsgrade des Menschen aufzeigt. Dabei besteht sein Konzept aus zwei Prinzipien, die sich der allgemeinen – intuitiven wie philosophischen – Zustimmung gewiss sein können, da sie aus der Abwesenheit von Zwang wie aus der Abwesenheit des Zufalls begründet werden: dem Autonomie- und dem Urheberprinzip. Beide Prinzipien münden in dem Begriff der Selbstbestimmung, die er dann ausführlich anhand einer Vielzahl von Freiheitstheorien reflektiert.

Determinismus und Freiheit

Neben dem interessanten Rundgang durch das Gebiet, das die Frage nach der Freiheit aufwirft, ergibt sich die zunächst verblüffende Feststellung, dass sich Freiheit und Determinismus keineswegs ausschließen, was man zunächst vermuten würde. Denn wenn der Wille determiniert ist, dann liegt die Freiheit vielleicht im Zufall. Aber genau der Zufall widerspricht der Freiheit und verhindert sie letztlich, da er die Zuschreibbarkeit von Handlungen unmöglich macht. Dabei findet Pauen in jener Zuschreibbarkeit, zusammen mit der Abwesenheit von Zwang, eine praktikable Möglichkeit des Umgangs mit dem Freiheitsproblem. Und nicht nur das: Mag der Wille auch unfrei sein, so sorgt Pauens Minimalkonzeption der personalen Freiheit, die als gesicherte Minimalfreiheit unterstellt werden kann, doch immerhin dafür, dass ein so verstandener Freiheitsbegriff immer noch vereinbar mit dem Strafrecht ist, das Schuld und Freiheit aneinander koppelt und so überhaupt erst zu einer Strafbegründung gelangt.Pauens Buch ist für jeden philosophisch Denkenden empfehlenswert, der sich Rechenschaft über seinen eigenen Freiheitsbegriff – und den damit verbundenen Konsequenzen – ablegen will. Ein interessantes, logisches und informatives Buch, das nicht zuletzt auch zum Selberdenken anregt.

Frank Kaufmann


Michael Pauen: Illusion Freiheit? Mögliche und unmögliche Konsequenzen der modernen Hirnforschung,Frankfurt: S. Fischer 2004, Gebunden. 272 Seiten. 19,90 ¤ISBN 3-10-061910-2

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