Philosophie gilt als schwierig, also machen wir sie leicht. So etwa lautet das Motto von Wolfram Eilenberger. Und natürlich ist das populär und verkauft sich, weswegen nun neben der Hardcoverversion auch noch ein broschiertes Taschenbüchlein folgt. Es sind die Alltagsprobleme, mit denen sich der Autor hier beschäftigt und mit denen er den Leser für philosophische Probleme begeistern kann. Da geht es etwa um einen nervigen Onkel, der fragt, was denn eigentlich ein „Spiel“ sei, oder es geht um die Frage, was denn ein „Haufen“ Geld zu einem solchen mache. Wann ist es kein „Haufen“ Geld mehr? Kommt es auf eine Münze mehr oder weniger an? Und wie viel Geld ist ein „Haufen“, wollte man ihn in Zahlen ausdrücken? Fragen über Fragen.
Dann geht es in einer der 25 Geschichten um einen, der in wenigen Stunden heiraten möchte, aber alles noch einmal gründlich durchdenkt – wie man das eben so macht, bevor man sich ewig bindet. Dabei wird ganz alltagstauglich philosophiert und eh man sichs versieht, schlägt man sich auch schon mit ziemlich „ernsten“ klassischen Problemen der Philosophie herum. Mit Problemen der Sprache etwa oder der Moral, oder konkret mit der Frage, ob das Leben nicht nur ein Traum sein könnte. Wie lebensnah Philosophie sein kann, wird etwa deutlich, wenn es um den eben bereits erwähnten „Trauwilligen“ geht, der sich dann mit der an sich schlichten Trauformel „Ja, ich will“ herumschlägt. Kann man, ja darf man denn Treue versprechen? Und wenn nein, heißt das etwa nur, man wolle sich bemühen, und: bemüht man sich denn nicht ohnehin um seine Liebe?, zumal man sie für würdig hält, sie mit dem ewigen Bund der Ehe zu besiegeln? Und: bedeutet sie am Ende gar nicht viel? Und wenn doch, wie ist das mit dem Versprechen, von dem wir lernen, dass der Mensch das einzige Wesen auf Erden ist, das überhaupt ein Versprechen abgeben kann, wie Friedrich Nietzsche sagt?
Die Liste der Fragen, die Eilenberger in seinem Buch stellt, ließe sich nun immer so weiter fortführen. Und Antworten? Die gibt es nur ganz vorläufig. Und dies erscheint auch das Wichtigste, was der Leser hier von der Philosophie lernen kann: allgemeingültige Antworten gibt es niemals! Das entspricht übrigens auch der Zielsetzung des schmalen Buches: den Leser dazu anzuregen, sich seine eigenen Gedanken zu machen und sich die eigenen (vorläufigen) Antworten gleich mitzuliefern, um nebenbei einen Zugang zu den großen Philosophen zu finden, auf die am Ende jeder Geschichte immerhin verwiesen wird.
So hilft Wolfram Eilenbergers Bändchen, eine erste Brücke zu schlagen, zwischen uns allen bekannten zunächst trivial erscheinenden Alltagsproblemen und den ziemlich harten Nüssen der großen Philosophen. Diese wirken für den Normalo kryptisch und sind daher für ihn unzugänglich, nicht zuletzt auch, weil sie in einer Sprache daherkommen, die den Zugang erschwert oder gänzlich unmöglich macht. Wenn man so will, ist hier ein Stück Alltagsphilosophie gelungen, das auf unterhaltsame, mitunter sogar recht witzige Weise, einen ersten Zugang zu den Meistern des Fachs bietet.