Neu akzentuiert
Denn Abels schreibt immer „con amore“, und seine Opernleidenschaft überträgt sich auch gleich auf den Leser. Dabei wird solideste Wissenschaft betrieben, werden Sujets und Motive bis zu ihren manchmal entlegensten Quellen zurückverfolgt, werden Querverbindungen zu kunst- und geistesgeschichtlichen, politischen und sozialen Phänomenen gezogen. Vieles Bekannte wird neu akzentuiert z.B. in Abels´ Betrachtungen zu Verdi, Wagner, Puccini oder Strauss.
Bemerkenswert ist der Anteil von Abhandlungen zu neueren und neuesten Stücken, darunter solchen, die man kaum noch unter „Oper“ subsumieren kann – Musiktheaterwerke von Rihm, Pintscher, Goebbels, Glanert und Joneleit etwa. Nicht zu kurz kommen die Oeuvres von Benjamin Britten (über den Abels eine Monographie veröffentlichte) und Hans Werner Henze. Einige weitere Beiträge, etwa über Glocken, Glöckner und Glockengießer in der Dichtung oder über „Jagd und Musik“, verlassen die eigentliche Opernsphäre. Im Schlussteil dieses Opernbuches zeichnet sich in einigen Annäherungen markant ab, was ein besonderes Interessensgebiet Abels’ ist und sich in einem weiteren Buchprojekt verdichten wird: die Literatur der Juden in Osteuropa.
Das Buch erschien in einem kleinen, wenngleich mit Musikbüchern nicht unerfahrenen Verlag. Das hat Vor- und Nachteile. Positiv ist der, wenn auch nicht bibliophile Charakter, so doch die überdurchschnittlich individuell anmutende Machart und Präsentationsform. Etwas lästig dagegen ist die Häufigkeit der Druckfehler, die hier, wo der Anschein des Handgemachten, Sorgfältigen und Liebevollen besteht, doch irritieren.