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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:19

Reinhard P. Gruber: Einfach essen!

28.10.2010

Schnittlauchbrot und Nudelsuppe

„Dieses Buch ist das Buch des wahren Genusses. Es handelt vom einfachen Essen, es handelt einfach vom Essen. Nicht das bessere Essen bringt den höheren Genuss, sondern das Genießen des einfachen Essens führt zum besseren Leben. Daher ist dieses Buch ein Ratgeber und kein Kochbuch.“ Von INGEBORG JAISER

 

Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme und Kalorienzufuhr. Essen ist Lebenslust und Sinnlichkeit, Verrückung und Verzückung, meint der bodenständige Reinhard P. Gruber, der seit seinem schräg-skurrilen Roman Aus dem Leben des Hödlmosers als der bekannteste steirische (Anti-) Heimatdichter der Gegenwart gehandelt wird. Und bitteschön: einem, der schon in frühen Jahren eine Literaturzeitschrift namens Frischfleisch gründet, der Urheber einer Wirtshausoper und des Schilcher-ABCs ist, dem scheinen die lukullischen Genüsse wirklich nahe zu stehen.

 

Im Gegensatz zu den aufgeplusterten Kochshows mit Riesengarnelen und Jakobsmuscheln vermittelt dieses Büchlein die Lust am einfachen Essen: Bratkartoffeln, Schnittlauchbrot, Nudelsuppe. Trockenes Brot knirscht beim Biss. Eine schlichte Kartoffelsuppe beschäftigt den Magen sehr angenehm. Die Petersilienblüte kennt nur noch, wer einen eigenen Garten hat. Der wohlschmeckende Lederapfel ist beinahe ausgestorben. Doch Grubers kernige Anekdoten und urwüchsige Rezepte verführen zur einfachen Küche, notfalls sogar zum Mundraub. Aufmunternd lädt er dazu ein, von den Spaziergängen mit einer Bio-Beute heimzukehren: mit wilden Himbeeren, Walderdbeeren, unbehandelten Äpfel und Birnen. „Draußen ist die Natur und niemand hat bemerkt, dass da überhaupt eine Natur ist.“ Wenig verwunderlich, dass die  kleine Abhandlung „Wie isst man Kiwis?“ mit viel augenzwinkernder Ironie getränkt ist. „Am besten gar nicht“, lautet die Antwort, falls sie nicht in Europa geerntet worden seien.

 

Griebenschmalz versus Grammelfett

Hie und da blickt Gruber über den österreichischen Tellerrand hinaus, wenn er ein griechisches Tsatsiki oder eine Kerbelsuppe à la Bocuse einfließen lässt. Doch am meisten Spaß beschert uns sein vergnüglicher Exkurs ins Piefke-Deutsch. Denn selbstbewusst verkündet Gruber: „Der Österreicher wächst zumindest zweisprachig auf; mit seinem Dialekt lernt er schon die dritte Sprache.“ So lesen wir staunend über die Verwandtschaft von Hefekloß und Germknödel, von  Hörnchen und Kipferl, von Griebenschmalz und Grammelfett. „Wenn die Deutschen etwas in die Pfanne reinmachen, denn geben es die Österreicher hinein. Reinmachen tun die Kleinkinder in die Windeln. Anmachen ebenso.“ Gruber muss es wissen, hat er sich doch bereits vor Jahren als Autor eines Piefke-Wörterbuchs ausgezeichnet - ebenfalls beim Grazer Verlag Droschl erschienen, wie die gesamte Werkausgabe des grimmigen Steirers.

 

Einfach essen! ist doppeldeutig, doppelbödig, doppelzüngig. Ganz nebenbei greift der aufrührerische Autor Themen wie Globalisierung, Klassenunterschiede in der Küche und Vergiftung der Lebensmittel auf. Doch nie vergisst er den gesunden Menschenverstand. Und der besagt: „Das Essen beginnt nicht mit der Vorspeise. Das Essen beginnt mit Hunger.“ 


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