Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme und Kalorienzufuhr. Essen ist Lebenslust und Sinnlichkeit, Verrückung und Verzückung, meint der bodenständige Reinhard P. Gruber, der seit seinem schräg-skurrilen Roman Aus dem Leben des Hödlmosers als der bekannteste steirische (Anti-) Heimatdichter der Gegenwart gehandelt wird. Und bitteschön: einem, der schon in frühen Jahren eine Literaturzeitschrift namens Frischfleisch gründet, der Urheber einer Wirtshausoper und des Schilcher-ABCs ist, dem scheinen die lukullischen Genüsse wirklich nahe zu stehen.
Im Gegensatz zu den aufgeplusterten Kochshows mit Riesengarnelen und Jakobsmuscheln vermittelt dieses Büchlein die Lust am einfachen Essen: Bratkartoffeln, Schnittlauchbrot, Nudelsuppe. Trockenes Brot knirscht beim Biss. Eine schlichte Kartoffelsuppe beschäftigt den Magen sehr angenehm. Die Petersilienblüte kennt nur noch, wer einen eigenen Garten hat. Der wohlschmeckende Lederapfel ist beinahe ausgestorben. Doch Grubers kernige Anekdoten und urwüchsige Rezepte verführen zur einfachen Küche, notfalls sogar zum Mundraub. Aufmunternd lädt er dazu ein, von den Spaziergängen mit einer Bio-Beute heimzukehren: mit wilden Himbeeren, Walderdbeeren, unbehandelten Äpfel und Birnen. „Draußen ist die Natur und niemand hat bemerkt, dass da überhaupt eine Natur ist.“ Wenig verwunderlich, dass die kleine Abhandlung „Wie isst man Kiwis?“ mit viel augenzwinkernder Ironie getränkt ist. „Am besten gar nicht“, lautet die Antwort, falls sie nicht in Europa geerntet worden seien.