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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:24

 

Peter Beicken: Wie interpretiert man einen Film?

15.03.2004


Lob der Didaktik

Die handliche blaue Reihe Literaturwissen des Reclam Verlags, die für Schüler ausgewiesen, durchaus aber auch für Studenten und interessierte Laien geeignet ist, hat nun den Film erreicht und damit einer seit Jahrzehnten geforderten Öffnung des Deutschunterrichts gegenüber dem für junge Menschen so wichtigen Medium Rechnung getragen.

 

Peter Beicken ist der auf dem Umschlag in die Anonymität verbannte Autor, der grundsätzlich und in Beispielen diskutiert, wie Film zu interpretieren sei.

Zu den Stärken dieser Einführung gehört, dass sie frei ist von Dogmatismus. Sie betrachtet formalistische und sozialwissenschaftliche, typologische und historisierende Ansätze nicht als einander ausschließende Alternativen, sondern als einander ergänzende Aspekte, die erst in ihrer Summe eine umfassende Interpretation erlauben. Dieser Eklektizismus gestattet es dem Leser durchaus, sich im Weiteren selbständig für eine Orientierung zu entscheiden, sein Interesse zu gewichten. Aber er bevormundet nicht, ehe das „Menü“ präsentiert wurde.

Innerhalb dieses weitläufigen Konzepts überraschen einzelne Teile durch ihre relative Ausführlichkeit, etwa der Abschnitt über Filmmusik. Freilich dürften viele Beispiele, die Beicken lobenswerter Weise nicht nur aus dem aktuellen Repertoire bezieht, erst verständlich werden, wenn (in Schulen) begleitend zur Lektüre des Büchleins die entsprechenden Filme gezeigt werden. Das könnte auch eine Aufgabenstellung für Kommunale Kinos sein.

Kurios erscheint es, dass bei den doch allzu kärglich geratenen Einzelbeispielen von Filmanalysen zwischen 1926 und 1977 eine Lücke von immerhin mehr als fünfzig Jahren offen gelassen wurde. Von einer Repräsentativität der Auswahl kann also keine Rede sein. Kein Orson Welles, kein Godard, kein Truffaut, kein Antonioni. Man könnte meinen, die Auswahl hätte sich auf deutsche Filme beschränkt, wäre da nicht auch Chaplins The Kid – und dann bedürfte solch eine Blickverengung der Begründung. Schmerzlich vermisst man auch ein Register der Filmtitel.

Dem Verzeichnis von Fachbegriffen kann man nur den Vorwurf machen, dass es allzu knapp ausgefallen ist. Das darf als Kompliment verstanden werden.

Thomas Rothschild


Peter Beicken: Wie interpretiert man einen Film? Für die Sekundarstufe II (UB 15227). Reclam, Stuttgart 2004, 216 Seiten, ¤ 5,60

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