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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:25

Klaus Epperlein / Uwe Jacobshagen: Katzensprung und Goldener Wagen

11.03.2011

Gesellschaft zur Bekämpfung der Nüchternheit

Wer kennt schon die sächsischen Weinlagen, wie Katzensprung und Goldener Wagen? Wer kennt die Vielfalt der Winzer, ihre bevorzugten Rebsorten und Ausbaumethoden? Der Autor Klaus Epperlein und der Fotograf Uwe Jacobshagen haben einen beachtenswerten Führer durch das Weinbaugebiet im Elbtal verfasst und zahlreiche Winzer porträtiert. Von INGEBORG JAISER

 

Dieses Bild ist fast schon eine Ikone: das elegante, sechseckige Belvedere von Schloss Wackerbarth, umgehen von terrassierten Weinhängen und kegelförmig gestutzten Koniferen – ein einprägsames Symbol für den Weinbau in Sachsen. Wo einst der Hofstaat von August des Starken rauschende Feste feierte, kann man heutzutage Europas erstes Erlebnisweingut besuchen. Doch Sachsen hat in seiner 850-jährigen Weinbautradition noch weit mehr zu bieten. Ein attraktiver, im Mitteldeutschen Verlag erschienener Bild-Text-Band lädt nun Entdecker und Kenner, Neugierige und Insider zu einer önologischen Genussreise ein.

 

Das Weinbaugebiet an der Elbe zählt zu den kleinsten in Deutschland. Wer sich angesichts der sächsischen Steilhänge an Württemberg erinnert fühlt, liegt nicht falsch. Immerhin lehrte der württembergische Weinexperte Dr. Aichmann Anfang des 17. Jahrhunderts den Rebanbau in Reihen auf gemauerten Terrassen und schuf so die heute noch bestehende Weinkulturlandschaft in Sachsen. Der Autor Klaus Epperlein und der Fotograf Uwe Jacobshagen haben Winzer und Erzeuger des Elbtals über Jahre hinweg besucht und befragt, haben reizvolle Porträts in Wort und Bild, mit Kamera und Laptop erstellt. Entstanden ist ein fundiertes, faszinierendes Werk über die Weinbauregion von Pirna bis über Meißen hinaus.

 

Mit den Römern kamen die Reben

Ein bisschen Historie muss sein. So gibt Epperlein einen vergnüglichen Abriss über den Ursprung des Weins und die Anfänge des Rebanbaus im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, sowie in Syrien und Ägypten. Mit den Römern kamen schließlich auch die Reben nach Norden. Viel Zeit ist noch vergangen, bis Anfang des 18. Jahrhunderts August der Starke mit gleichgesinnten Mitstreitern die Gesellschaft zur Bekämpfung der Nüchternheit gegründet hat, gefolgt von der ersten Weinbaugesellschaft in Europa, die 1799 in Meißen entstand.

 

Bevor der Leser einige ausgewählte Weingüter und Winzer der Region kennenlernt, werden die wichtigsten Rebsorten des Elbtals und die Abfolge der jahreszeitlichen Entwicklung vorgestellt, begleitet von stimmungsvollen, teilweise doppelseitigen Naturfotografien. Mal prangt Schloss Albrechtsburg stolz über der Elbe, dann glänzen Weißburgundertrauben verführerisch in der Sonne, mal öffnet sich der Blick über die Terrassen im Pillnitzer Königlichen Weinberg, sodann schimmert das rötlich gefärbte Herbstlaub im Abendlicht.

 

Charakterköpfe und Querdenker

Doch wandern wir den sächsischen Weinwanderweg einmal gedanklich ab: Gegenüber von Schloss Sonnenstein bei Pirna finden sich die ersten Reben. Wir lernen eine barocke Weinbergkirche kennen und ein überraschendes Hochmoor, das Loschwitzer Elbhangfest und eine Meissner Spezialitätenbrennerei, musikalische und künstlerische Symbiosen, sowie eine französisch-sächsische Liaison. Es werden Charakterköpfe und Querdenker porträtiert, innovative Geister und experimentierfreudige Kellermeister, engagierte Biowinzer und bodenständige Obstbauern. Zahlreiche Fotografien geben uns eine Vorstellung von reizvollen Lagen: das tief eingeschnittene Tal von Cossebaude, der Radebeuler Goldene Wagen, die Merbitzer Bauernberge, der Proschwitzer Katzensprung. Am liebsten möchte man auf der Stelle hinfahren – oder zumindest eine Flasche Elbwein aufmachen, einen Goldriesling zum Beispiel, der nur in Sachsen angebaut wird. Register, Glossar und Literaturverzeichnis sowie eine Adressenliste der erwähnten Winzer komplettieren diesen herrlichen Band, der Lust macht auf sächsische Weinseligkeit.

 

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