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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:26

Koller / Reisinger / Liewehr: Arche Noah Kochbuch

22.04.2011

Rettet die Sorten - esst sie auf!

Durch den Verlust zahlreicher alter Pflanzensorten, sind wir im wahrsten Sinne des Wortes dabei, unsere Wurzeln zu vergessen. Das engagierte Kollektiv Koller / Reisinger / Liewehr präsentiert im traumhaft schön gestalteten Arche Noah Kochbuch die 100 besten Rezepte mit seltenem, aber wieder entdecktem Obst und Gemüse. Von INGEBORG JAISER

 

Kennen Sie Gartenmelde und Puffbohne, Knollenziest und Eiskraut, Erdmandel und Kerbelrübe? Haben Sie schon einmal Erler Zuckererbsen oder Blaue Kartoffelsuppe gekostet? Yacon-Chips oder Feigenblattkürbis probiert? Quittenessenz geschlürft? Blütenbutterbrot gegessen?

 

Die im niederösterreichischen Schiltern ansässige, seit über 20 Jahren aktive Schaugärtnerei, Samenpflegevereinigung und Saatgutschützerin Arche Noah, die ein beachtliches Netzwerk zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt pflegt, hat nun ein herrliches Kochbuch herausgegeben, ein wundervolles Gemeinschaftswerk der Arche-Noah-Geschäftsführerin Beate Koller, des hochdekorierten Spitzenkochs Johann Reisinger und des talentierten Foodfotografen Stefan Liewehr.

 

Mehr Genuss und Vielfalt

Von den unzähligen Pflanzen, die weltweit wachsen, verwenden wir nur wenige für unsere täglichen Mahlzeiten. Wenn Jonathan Safran Foer in Tiere essen feststellt, dass Amerikaner nur 0,25 Prozent aller bekannten genießbaren Nahrungsmittel auf unserem Planeten essen, mag dies für Europäer genauso zutreffen. Durch die Standardisierung und Industrialisierung unseres Ernährungssystems, gehen nicht nur Genuss und Vielfalt, sondern auch ein unschätzbarer kultureller Reichtum verloren. Längst haben wir uns an geschmack- und substanzlose Einheitsware gewöhnt. Dieser bedauerlichen Entwicklung trotzend, hat es sich der Verein Arche Noah zum Ziel gesetzt, Pflanzenraritäten wieder zu entdecken, zu schützen und erneut zu verbreiten.

 

Blüten und Kräuter

Fast alle Rezepte des über 200 Seiten starken Bildbandes sind vegetarisch oder gar vegan, wobei Fleisch oder Fisch nie vermisst wird. Jedes Gericht konzentriert sich auf eine Obst- oder Gemüsesorte, vermengt wenig, kommt mit kurzen Garzeiten und dem weitgehenden Verzicht auf Salz aus. Gewürzt, verfeinert und dekoriert wird mit oft vernachlässigten Teilen der Pflanze (dem Kraut der Kerbelrüben, den Stielen der Mangoldblätter), mit farbenfrohen Blüten und frischen Kräutern. So schlicht, reduziert und einfach viele Gerichte daher kommen, so beeindruckend und ungeheuer appetitlich werden sie präsentiert – vorzüglich zubereitet vom dem überaus kreativen Koch Johann Reisinger, ins rechte Licht gesetzt von dem Fotografen Stefan Liewehr, der Tricks und Mogeleien bei der Bildbearbeitung kategorisch ablehnt. Ganzseitige Fotografien und liebevolle Detailaufnahmen, einfach nachvollziehbare Rezepte und wissenswerte Randbemerkungen zu den verwendeten Pflanzen, machen Appetit auf längst vergessene Genüsse und Köstlichkeiten.

 

Zugegeben: man wird ein bisschen suchen müssen, um manche Kostbarkeiten auf Bauernmärkten oder in Hofläden zu finden. Doch viele der erwähnten Obst- und Gemüsesorten lassen sich leicht im eigenen Hausgarten oder auf dem Balkon ziehen. Bezugsquellen, Anbautipps und Kulturanleitungen findet der interessierte Leser im besonders ausführlichen Anhang. Nicht zuletzt vertreibt die Arche Noah Biosaatgut, Biogemüsepflanzen und Sortenraritäten auch im Versand. Wer kann da noch dem Schlachtruf widerstehen: Rettet die Sorten – esst sie auf!

 

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