Gerlinde Herz: Omas kleines Gartenbuch
17.06.2011
Gartenweisheit löffelweise
Endlich einmal ein Gartenbuch, das hält, was es im Titel verspricht: Gerlinde Herz' Omas kleines Gartenbuch ist wirklich zu allererst klein! Wer es aber zur Hand nimmt und sich auch von der liebevoll altbackenen Deckelgestaltung losreißen kann, wird ein ganzes Universum halb vergessener Gartentipps darin entdecken. Und sofort begeistert zu Harke und Schaufel greifen. So erging es zumindest VIOLA STOCKER.
Alles wird kurz gehalten. Das Vorwort begnügt sich mit eineinhalb Seiten Persönlichem, bevor Gerlinde Herz auf nur vier Seiten einen Abriss der Geschichte des Gartens bietet. Man erfährt, wie die Römer die frühe Gartenkunst nach Europa brachten, welche dort durch die mittelalterlichen Klöster perfektioniert wurde. Selbst die Landgüterverordnung Kaiser Karls des Großen bleibt nicht unerwähnt – unsere europäischen Gemüsesorten gibt es also deshalb, weil Karl gern überall, wo er weilte, den gleichen Salat auf dem Teller haben wollte. Natürlich darf auch die Volksheilige der Kräuterzüchter, Hildegard von Bingen, hier nicht fehlen, sowie das importierte Lieblingsgemüse der kleinen Leute, die Kartoffel, die in den Bauerngärten zwischen Blumen, Gemüse und Heilkräutern wucherte.
Kleines großes Garten-ABC
Im Hauptteil ihrer Gartenfibel reiht Gerlinde Herz schlicht alphabetisch geordnet alles auf, was man nützlicherweise wissen sollte und vielleicht schon fast vergessen hat. Damit Eilige diesen Part noch schneller finden, sind die Seiten farbig abgesetzt. Von A wie »Ameisen« bis Z wie »Zwiebeln« darf man sich durch das Praxiswissen vergangener Jahrzehnte durchschmökern. Viele Gartentipps sind einfach und schnell umzusetzen – Brennnesseljauche zum Beispiel, die zum Düngen verwendet wird und noch dazu Läuse abhält.
Selbst grundlegende Bauernregeln werden erklärt und man bekommt noch gratis eine Expresseinführung in das Gärtnern nach Mondphasen dazu. Auch früher oft benutzte Heilkräuter wie Frauenmantel, Hauswurz und Holunder werden erwähnt, so dass man richtig Lust bekommt, die Augen wieder offener zu halten und sich doch noch einmal einen echten Kräutertee aufzubrühen. Für Laien Gold wert: Anleitungen zum Giessen und Unkrautjäten. Offensichtlich bleibt nichts unerwähnt.
Einmal rund ums Gartenjahr
Wieder farblich abgesetzt fügt Gerlinde Herz einen Jahresplan an, der Monat für Monat zusammenfasst, was nun zu tun ist. Um alles kurz und bündig zu halten, arbeitet sie hier nur noch mit Stichworten. Das ist tatsächlich ganz und gar wunderbar, denn es genügt, zu wissen, dass man sich im Januar Gedanken um den Anbauplan des Gemüsegartens machen sollte (unter anderem), im Februar die Obstbäume zu schneiden sind, und so weiter.
So finden sich für jeden Monat die Haupttätigkeiten, die im Garten zu erledigen wären. Man bekommt schon während der Lektüre dieses Teils den nicht mehr zu ignorierenden Eindruck, der eigene grüne Daumen würde, wenn schon nicht vorhanden, nun zügig heranwachsen. Fast ist man froh, wenn man ob dieser geballten Expertise endlich für den Monat Dezember den letzten Stichpunkt lesen darf: Vögel füttern.
»Gute Nachbarn - Schlechte Nachbarn«
Genauso nennt sich das abschließende Kapitel in Omas kleinem Gartenbuch. Wieder farblich abgesetzt bietet es nun einen kompakten und sehr konkreten Gartenplaner, der Anfängern wie Alten Hasen hilft, den eigenen Gemüsegarten optimal zu gestalten. Bohnen wachsen zum Beispiel lieber neben Zucchini als Zwiebeln, Erdbeeren dagegen mögen Zwiebeln gut leiden, für Gurken sind besonders Basilikum und Erbsen zu empfehlen und so fort.
Auch wenn Herz betont, keinen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, wird man doch den Eindruck nicht los, man bräuchte einfach gar nicht mehr wissen, als man hier lesen kann. Hält man sich an die wohldurchdachten und kurz gefassten Ratschläge, kann doch eigentlich bei der Planung des Nutzgartens nicht mehr viel schief gehen.
Liebevoll gestaltet, praktisch durchdacht
Rundum gelungen – so lautet das Resümee zu Gerlinde Herz' kleiner aber feiner Gartenfibel. Wer immer das liebevoll gestaltete und praktisch durchdachte Büchlein zur Hand nimmt, wird eine Menge Gärtnerwissen vorfinden, die für unsere schnelle, auf Konsum und industrielle Produktion bedachte Zeit untypisch geworden ist. Gottlob haben offensichtlich noch nicht alle das vergessen, was unseren Großeltern das Überleben erleichtert hat. Getrost darf man deshalb nach abgeschlossener Lektüre Omas kleines Gartenbuch aus der Hand legen, denn nun folgt schließlich die Hauptsache: ran an die Harken!
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