Wie soll man eine Stadt eigentlich ansprechen? Er, sie, es? Das Deutsche behandelt Städte wie Frauen: vornehme Damen, bürgerliche Mädchen, reizende Bauerntöchter. Salzburg wird uns verschwörerisch und augenzwinkernd einfach als »S.« präsentiert. Eine alte Bekannte in neuem Licht?
Beschwingt und voll sprühender Ideen stellt uns die österreichische Schriftstellerin und Übersetzerin Andrea Grill ihre Lieblingsstadt vor. Grill stammt aus dem 50 km östlich gelegenen Bad Ischl – gerade weit genug entfernt, um Salzburg von Grund auf verlockend und reizvoll zu empfinden, um als Schülerin eine Fahrt zum weltstädtischen Theater als Initialerlebnis zu verbuchen oder als Studentin die eher zwielichtigen Wohnviertel zu erobern. Und sie schafft es, das (immer wiederkehrende) Ankommen in Salzburg unverkennbar klar zu beschreiben. Sei es das Eintreffen in einer »unheimlich stillen« Nacht oder die Ankunft am frühen Morgen mit Einkehr im Café Würfel Zucker und anschließender Bergtour. Überhaupt: die Berge, die Luft! »Hier riecht es anders, nach Höhe, nach Gebirge, nach Schneehasenfell.«