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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:31

Sicks / Stauff: Filmgenres. Sportfilm

07.10.2011

Systematische Erwartbarkeit

Sportliche Ereignisse erfüllen heutzutage zweifellos eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Nur so lässt sich erklären, dass die Menschen rund um den Globus zu Olympia oder Fußball-WM in seltener Geschlossenheit vor den Fernsehgeräten versammelt sind. In Spielfilmen steht der Sport dagegen selten im Vordergrund. Selbst im Sportfilm ist er meist eher Beiwerk, vor dem sich das eigentliche menschliche Drama abspielt. Kai Marcel Sicks und Markus Stauff haben mit Filmgenres. Sportfilm das passende Buch vorgelegt. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

Die beiden Autoren definieren in einer ausführlichen Einleitung das Genre und stellen anschließend auf mehr als 250 Seiten die wichtigsten Sportfilme steckbriefartig in chronologischer Ordnung vor. Nicht wenige Sportfilme dürfen als Klassiker des Films bezeichnet werden: Neben den Boxfilmen Rocky, Wie ein wilder Stier und Million Dollar Baby trifft dies auch zu auf Riefenstahls politisch fragwürdiges, aber ästhetisch unumstrittenes Meisterwerk Olympia.

 

Sicks und Stauff stellen deutlich dar, wie die Stärke des Sportfilms auch seine Schwäche ist. Einerseits ist Sport sehr beliebt, aber andererseits hat jede Sportart ihre eigenen Liebhaber. Wer sich nicht für eine bestimmte Sportart interessiert, wird wahrscheinlich auch kein Interesse an einem Film darüber haben – selbst wenn es sich dabei um ein Drama handelt: »Wie nur wenige andere Genres des Mainstream-Kinos hat der Sportfilm daher Schwierigkeiten, eine breite, die verschiedenen Sportarten übergreifende Fan-Gemeinschaft zu gewinnen.«

 

»Set an Mythen«

Filmische Dramaturgie und Dramaturgie des sportlichen Wettkampfs beißen sich

Zugleich folgt die Erzählung des sportlichen Wettkampfs einer eigenen Spannungsdramaturgie. Dem Film entsteht daraus ein Inszenierungsproblem. Denn die Dramaturgie des Sports und die Dramaturgie des Films beißen sich. Dies ist nicht die Quadratur des Kreises, setzt dem Filmemacher trotzdem enge Grenzen. Nicht zuletzt existiert eine breite Kluft zwischen der »systematischen Erwartbarkeit von genrekonformen Erzählen« zum Unvorhersehbaren des Sports.

 

In der gelungenen Einleitung führen die Autoren den Leser chronologisch von den Anfängen des Films, als die Attraktion der sich bewegende menschliche Körper war, über die Folgezeit, als man begann, Geschichten zu erzählen, bis in die heutige Zeit, wo der Sportfilm festen Genremustern und -regeln sowie typischen Themenfeldern folgt. Die Autoren sprechen von einem »Set an Mythen«. Im Sportfilm sind dies auf der Ebene der Figuren der Außenseiter bzw. Underdog, der junge Rebell oder auch das Talent mit Entwicklungspotential. Auf der Ebene der Motive sind es die Überwindung einer Krise, der soziale Aufstieg, die Selbstüberwindung durch hartes Training oder die Lehrer-Schüler-Beziehung und schließlich auch der Absturz des übermütigen Sportlers.

 

Guter Überblick, etwas knapp

Wenn man etwas an Filmgrenres. Sportfilm kritisieren möchte, dann sicherlich das Missverhältnis zwischen der zwar gelungenen, aber relativen kurzen Einleitung und dem langen folgenden Teil, der sich nicht als Fließtext lesen lässt. Vielmehr ist das Lesen des zweiten Teils Fleißarbeit und erfolgt ehrlicherweise ohnehin nur bei konkretem Bedarf. Von dem fast 300 Seiten starken Buch lassen sich also erst Mal nur 33 Seiten produktiv nutzen, die restlichen sind Lexikon. Insgesamt jedoch ist Filmgenres. Sportfilm trotzdem ein gutes Buch. Immerhin vermittelt es einen guten ersten Überblick über das Gerne des Sportfilms.

 

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