Extreme Ritter & Würstchen
Genau. Aber Peter hat noch ein paar fiese Geheimnisse und entwickelt sich nicht zum weißen Ritter – beziehungsweise wird er zum Extrem-Ritter. Vielleicht verläuft die Geschichte im Ergebnis etwas zu konventionell, was für Starr ungewöhnlich ist, da er sonst keine Angst vor Abgründen zeigt. Dennoch ist Stalking seine 523 Seiten wert. Gut eingefügte Perspektivwechsel zeichnen die Struktur aus – der Stil bleibt dabei kühl und dreckig wie eine U-Bahnstation. Eleganz ist Verzicht und Jason Starr hat diese Idee verinnerlicht, bleibt bei dem was ist, nicht bei dem was Leser/innen gerne lesen (zumindest in der Auffassung einiger Autoren, die sich offenbar langfristig forensischer Detailbeschreibung und romantisierter Mörderemotionen widmen möchten). Dennoch vermitteln Details, wie die CD-Sammlung von Katie (Norah Jones und Kelly Clarkson) ihr Blush (Orgasm von NARS) oder die ICQ-Message-Wechsel nicht nur eine gute Recherche, sondern vor allem Starrs Blick für das Wesentliche. So wird eine eigentlich banale Stalking-Story zur Geertz’schen dichten Beschreibung.
Es ist das mangelnde Spektrum zwischen abgeschmackten Pornofantasien und irrealen Hollywood-Wünschen das Männer und Frauen in Stalking zu kennzeichnen scheint. Die gnadenlose Trostlosigkeit eines Lebens, das von Marktlogik durchdekliniert ist, personifiziert sich in den Protagonist/innen und macht den Verlauf der Geschichte fast nebensächlich, denn erschreckender als fiktive Morde ist der Gedanke, dass diese Bachelor-Generation mit dem Niedergang humboldtscher Bildungsbegriffe nicht nur in NYC shoppen und ficken wird.
Bis dahin, so hoffe ich, werden wir Leser/innen von Stalking längst in lebenslangen glücklichen Paarbeziehungen leben und die Revolution noch in unseren Herzen tragen. Wir werden unseren Kindern sagen, dass es mehr gibt als High Heels von Louboutin und importierte Rosen.