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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:41

Jason Starr: Stalking

25.04.2009

Männer sind Schweine

Jason Starr muss eine offene Rechnung mit der heterosexuellen Männerwelt haben, sonst hätte er nicht dieses Buch geschrieben und damit die Chancen großstädtischer Singles massiv verschlechtert. Männer sind nämlich entweder durch den eigenen Phallus gesteuert oder aber, falls emotional zugänglich, berechnende Psychopathen. SABINA SCHUTTER kommt ins Grübeln.

 

Entweder bin ich in meinem Glauben an Mr. Right maßlos naiv oder es ist ein Alterseffekt (hoffentlich regional auf New York City beschränkt), aber die Welt des Jason Starr, schon immer verstörend, erhält in Stalking eine neue Qualität.

Katie Porter ist Anfang 20 und arbeitet in einer PR-Agentur, als sie zufällig ihren alten Schulfreund Peter Wells im Fitnessstudio trifft. Andy ist auch Anfang 20 und will reicher Investmentbanker werden, bis dahin lebt er mit fünf weiteren jungen heterosexuellen und unausgelasteten Männern in einer WG. Katie hat ein offensichtlich angeknackstes Selbstvertrauen, einen Diät- und Fitnesswahn, den Traum vom „Richtigen“ und ihre Schwester hat sich umgebracht. Andy datet Katie und bedrängt sie sexuell, schenkt ihr billige Blumen und geht mit ihr in schlechte Filme. Peter wird auch mit Katie ausgehen, macht mit ihr ein Picknick, eine Kutsch- und Karussellfahrt. Katie bleibt zunächst beim sie offensichtlich schlecht behandelnden Andy. Auf wessen Seite stehen wir an diesem Punkt?

 

Extreme Ritter & Würstchen

Genau. Aber Peter hat noch ein paar fiese Geheimnisse und entwickelt sich nicht zum weißen Ritter – beziehungsweise wird er zum Extrem-Ritter. Vielleicht verläuft die Geschichte im Ergebnis etwas zu konventionell, was für Starr ungewöhnlich ist, da er sonst keine Angst vor Abgründen zeigt. Dennoch ist Stalking seine 523 Seiten wert. Gut eingefügte Perspektivwechsel zeichnen die Struktur aus – der Stil bleibt dabei kühl und dreckig wie eine U-Bahnstation. Eleganz ist Verzicht und Jason Starr hat diese Idee verinnerlicht, bleibt bei dem was ist, nicht bei dem was Leser/innen gerne lesen (zumindest in der Auffassung einiger Autoren, die sich offenbar langfristig forensischer Detailbeschreibung und romantisierter Mörderemotionen widmen möchten). Dennoch vermitteln Details, wie die CD-Sammlung von Katie (Norah Jones und Kelly Clarkson) ihr Blush (Orgasm von NARS) oder die ICQ-Message-Wechsel nicht nur eine gute Recherche, sondern vor allem Starrs Blick für das Wesentliche. So wird eine eigentlich banale Stalking-Story zur Geertz’schen dichten Beschreibung.

Es ist das mangelnde Spektrum zwischen abgeschmackten Pornofantasien und irrealen Hollywood-Wünschen das Männer und Frauen in Stalking zu kennzeichnen scheint. Die gnadenlose Trostlosigkeit eines Lebens, das von Marktlogik durchdekliniert ist, personifiziert sich in den Protagonist/innen und macht den Verlauf der Geschichte fast nebensächlich, denn erschreckender als fiktive Morde ist der Gedanke, dass diese Bachelor-Generation mit dem Niedergang humboldtscher Bildungsbegriffe nicht nur in NYC shoppen und ficken wird.

Bis dahin, so hoffe ich, werden wir Leser/innen von Stalking längst in lebenslangen glücklichen Paarbeziehungen leben und die Revolution noch in unseren Herzen tragen. Wir werden unseren Kindern sagen, dass es mehr gibt als High Heels von Louboutin und importierte Rosen.

 

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