Kindermund, der schmale Roman der englischen Autorin Stella Duffy, beginnt vielversprechend. Wir lernen Saz kennen, eine Privatdetektivin, die in einer lesbischen Beziehung lebt und sich aus ihrem Beruf zurückgezogen hat, um ganz die gemeinsame Tochter zu umsorgen. Derweil ihre Partnerin Molly als Ärztin für die Brötchen zuständig ist. Natürlich kommt Saz mit dieser Rolle als Quasi-Hausmütterchen auf Dauer nicht klar und beginnt hinter dem Rücken ihrer „Versorgerin“ doch wieder mit dem Herumschnüffeln. Eine hübsche Variante heterosexueller Rollenklischees.
Und dann, aus heiterem Himmel, wird Saz gezwungen, in eigener Sache zu ermitteln. Als sie sich noch Sally nannte, war Saz Mitglied einer ziemlich üblen Schulclique, die sich darauf verstand, ihre Mitschülerschaft zu piesacken. Einmal hat man sich Janine vorgenommen, aber das kleine Mobbingspielchen ist aus dem Ruder gelaufen und hat zwei Leben zerstört. Lange her und erfolgreich verdrängt. Bis eines der ehemaligen Cliquenmitglieder vor Saz’ Tür steht und die Sünden der Vergangenheit wieder ans Tageslicht kommen. Janine nämlich möchte auspacken – und das kann gefährlich werden, Karrieren zerstören.
Stück für Stück wird das frühere Geschehen, das Entstehen der Katastrophe erhellt. Die vormaligen Cliquenmitglieder finden wieder zusammen, um sich auf das Treffen mit Janine vorzubereiten. Vor allem Will, jetzt Fernsehstar, hat einiges zu verlieren, aber auch Andrea, die leicht esoterisch angehauchte Luxusfrau, und Daniel, gescheiterter Regisseur und Liebhaber zu junger Mädchen, müssen Janines Enthüllungen fürchten. Und Saz? Für sie steht ihre Beziehung mit der ahnungslosen Molly auf dem Spiel.