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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:44

Jack Bailey: Copkiller

20.06.2009

Nix als dumme Faxen

Manch ein Buch ist gar nicht ein Buch, sondern viele. Der Autor streunt durch Motive und Stoffe, sammelt eine kleine Bibliothek, (er-)findet seine eigene Melodie und erzählt seine Geschichte. Frei nach T. S. Eliot: Unreife Dichter imitieren, reife Dichter stehlen. Postpostmodern nennt man das inzwischen auch und fürchtet doch die Werke, die kaum mehr als ein Labyrinth aus Zitaten, Anspielungen und bekannten Szenen zu bieten haben. Copkiller gibt sich hardboiled noir als Horror-Teenie-Snuff- und Splatter-Spektakel, irritiert aber vornehmlich durch gräuliche Faxen. Mit spitzen Fingern angefasst von ANNA VERONICA WUTSCHEL

 

Nick und seine Freunde Finney und Tucker unternehmen eine Samstagabend-Sause und überfahren, nicht mehr ganz nüchtern, auf der Heimfahrt einen Mann. Den Toten lassen sie verschwinden, ein dickes Bündel Geldscheine und einen Schlüssel zu einem Schließfach nehmen sie mit. Eine prima Lösung: Für Nick, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, könnte das Geld den Weg in eine sorglose, finanziell gesicherte Studienzeit ebnen. Dem reichen Senatorensohn Finney, der am Steuer saß, verbaut der Unfall mit Todesfolge so nicht die viel versprechende Zukunft, während der nervöse Tucker überhaupt fein aus der unangenehmen Sache raus wäre. Doch dann läuft – man vermutet es bereits – alles schief. Nick weiht seine Freundin Sue, die früher mit Finney verbandelt war, in das schaurige Geheimnis ein. Ein irrer Polizist versetzt bereits am nächsten Morgen die Clique in Unruhe, ein böser Detektiv verbreitet Schrecken. Doch so schnell lassen sich die Freunde nicht ins Bockshorn jagen, sie finden im Schließfach ein bei aller Scheußlichkeit auch animierendes Snuff-Movie, und das Verhängnis nimmt seinen gnadenlosen Verlauf.

Jack Bailey ist das Pseudonym für das Autorenduo Dale Bailey und Jack Slay, Jr. Beide sind keine Unbekannten in der Literaturszene. So wurde Bailey z. B. für seinen Roman The Fallen für den internationalen Horror Guild Award (2002) nominiert, während Slay, Jr. neben zahlreichen Kurzgeschichten ein Buch über Ian McEwan publizierte. Die beiden Herren scheinen ambitioniert, und so liest sich auch ihr Gemeinschaftswerk Copkiller wohlwollend als ehrgeiziges, wenngleich gestraucheltes Projekt.


 

Zitate, Zitate, Zitate ...

Viel Unterfutter wird aus Film und Literatur in den wenig originellen Plot eingestickt: Joseph Conrad, F. Scott Fitzgerald, Donna Tartt, Dashiell Hammett etc., wozu sich zahlreiche Filmklassiker, Zitate und einige mehr oder weniger bedeutsam sprechende Namen gesellen. Die Kids geraten derweil immer tiefer ins unvermeidliche Unglück, wobei die Konstellationen so klassisch massiv auf Vorbildern gebaut sind, die einfließenden Mottos und Motive so beredt das Ende orakeln, dass von vornherein jedwede Spannung verbaut wird. Und weil Nick und seine Crew nun einmal immer die schlechteste Entscheidung treffen und nur sehr selten die bedrohlichen Gegebenheiten überdenken, versackt Copkiller – ein Werk, das im Unterton literarisch und gern auch noch moralisch tut – in viel Blut, Sex, abgetrennten Gliedmaßen und jeder Menge übler Körperflüssigkeiten. Da haben die Autoren auf den schönsten, fiesesten Höhen der Literatur geweidet, sich durch feine Filme gehorrort, und doch ist Copkiller ein Anstrenger geworden, der des Lesers Geduld enorm strapaziert. Ein erstaunlich üppiger Schmalspurtext, der dringend eine Entschlackungskur benötigt. Um sich dann – frei von Ballast, ganz nach Zeitgeist – neu erfinden zu können.

 

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