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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:47

Jodi Piccoult: Die Macht des Zweifels

12.09.2009

Die Gefangenschaft einer Mutter

Ich weiß nicht, ob Jodi Piccoults Bücher verfilmt werden, aber wenn ja, dann eignet sich Die Macht des Zweifels prima für eine Sonntag-Abend-TV-Unterhaltung. Hier mein Vorschlag für einen Trailer (gesprochen von Christian Brückner): Als Mutter weißt Du, dass der Missbrauch an Deinem Sohn die Kinderseele unheilbar verletzt [Blitz!]. Als Staatsanwältin weißt Du, dass die meisten Täter in Missbrauchsfällen ungeschoren davonkommen [Blitz!]. Was machst Du, wenn Du beides bist? [dunkler Bildschirm – aufgeregte Violinenmusik]. Die Macht des Zweifels [tiefer langgezogener Basston]. Sonntag, 20 Uhr 15. Und so ist auch das Buch, findet SABINA SCHUTTER.

 

Die Staatsanwältin Nina Frost fühlt sich schuldig, weil ihr fünfjähriger Sohn sexuell missbraucht wurde. In einer ausweglosen Situation erschießt sie den Hauptverdächtigen. Doch was ist, wenn der Hauptverdächtige gar nicht der Täter ist? Jodi Piccoult zieht in ihrem Krimi alle Register von Missbrauch, Betrug, Elternschaft, berufstätiger Mutter, grisham-artiger Gerichtsverhandlung und einer ordentlichen Portion Gefühlen. Das kann sicher für den einen oder anderen Fan dieser Form von Unterhaltung recht kurzweilig sein. Aus meiner Sicht ist Die Macht des Zweifels vor allem die Geschichte einer Retraditionalisierung von Mutterschaft.


Ach ja …

Nina fühlt sich verantwortlich, weil sie viel gearbeitet hat und ihren Sohn nicht beschützt hat. Und ihr Mann Caleb, der selbstständige Maurer? Nina tötet den Hauptverdächtigen, weil sie ihren Sohn vor einer Gerichtsverhandlung schützen will. Und ihr Mann? Nina gibt ihren Beruf auf, um sich zukünftig besser um ihren Sohn zu kümmern. Und ihr Mann? Gefangen zwischen Vorwürfen und Selbstanklagen ist in diesem Buch nur die Mutter. Der Vater geht vergleichsweise ungerührt weiterhin seiner Maurertätigkeit nach, egal ob er gerade Stress hat oder nicht. Untermalt wird das von eingestreuten Selbstreflexionen über das Mauern, Mauern als Schutz, Kinderfiguren werden eingemauert, Mauern sind unvollendet. Im Großen und Ganzen mauert der Vater aber weiter, während die Mutter unterschiedliche Stadien von Wut, Verdacht und Verzweiflung durchläuft, dem traumatisierten verstummten Sohn Gebärdensprache beibringt und schließlich, wie gesagt, den Vielleicht-Täter im Gerichtssaal erschießt.

Leider darf ich hier ja nichts verraten (der Originaltitel Perfect Match gibt jedoch Hinweise), aber abgesehen von diesem Rückzug von Frauen ins Private erscheint mir die Geschichte ziemlich unnötig konstruiert. Bei allen eingestreuten Gedanken und Selbstgesprächen handelt es sich um ein Plädoyer für „Frauen zurück an den Herd“ und für Selbstjustiz. Beides erzeugt bei mir in erster Linie Aggression. Ich würde mir von daher auch den Film nicht ansehen und kein weiteres Buch von Frau Piccoult lesen.

Gerne jedoch ein weiteres, das Ulrike Wasel und Klaus Timmermann übersetzt haben.

 

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