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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:50

Ben Faridi: Das Schweigen der Familie

26.09.2009

Tote und Reisen

Die Serie Mord und Nachschlag des Oktober Verlages kombiniert Krimis mit einem Rezeptanhang aus der Region (z.B. Wuppertal). Da versteht sich von selbst, dass es nicht allzu blutig zugehen darf, denn sonst wollen die Leser ja nichts mehr kochen. Was hat der Azoren-Krimi von Ben Faridi aber noch zu bieten? SABINA SCHUTTER ist ja basal neugierig …

 

Ich bespreche ja gern mal unbekannte Romane aus kleinen Verlagen in der Hoffnung, endlich ein Kleinod zu entdecken. Der Titel Das Schweigen der Familie klingt ganz vielversprechend und Ben Faridi hat bisher Jugendbücher verfasst. Jugendbuchautoren haben bei mir einen guten Stand, denn sie haben häufig einen gut erklärenden Stil und halten sich mit Eitelkeit zurück.

Auf der Azoreninsel Corvo wird ein Mann ermordet. Das ist ungewöhnlich, denn in einer so kleinen Gemeinschaft kennt jeder jeden und ein Mord kann nicht unbeobachtet geschehen. Das denkt auch Commissario Baptista, der von der EU zur Aufklärung des Mordes entsandt wurde. Die Bewohner der Insel halten jedoch zusammen und schweigen zu Mord und Täter. Der hypochondrische, übergewichtige und unzufriedene Baptista muss sich länger als nötig auf der Insel aufhalten, um in winzigen Bruchstücken Tat und Täter zusammenzusetzen. Das führt für den Commisario dazu, dass er ein bisschen Liebe und Zärtlichkeit findet und darob weniger krank wird.

Ach ja …


Im Verlauf stellt sich heraus, dass der Tote, Francisco, bei allen unbeliebt war, und dass die meisten der Meinung sind, er habe den Tod verdient. Was diskreditiert einen Mann und macht ihn zum Monster? Genau, ein Kindesmissbrauch. Kaum eine andere Tat erzeugt bei Leser und Figuren im Buch mehr rechtschaffene Empörung. Daher, und das finde ich schade, bedient sich Faridi für das Tatmotiv auch dieser Konstellation. Ansonsten hat der Autor nämlich durchaus einen soliden Roman geschrieben. Der etwas schleppende Verlauf passt, finde ich, genau zu einer portugiesischen Insel. Ein unverbrämter Stil (außer wenn es um das Essen geht), der jeden Faden der Geschichte ordentlich zusammenführt und auf Effekthascherei verzichtet, erinnert mich tatsächlich an meine eigene Reise nach Lissabon.

Insgesamt bleibt Das Schweigen der Familie allerdings unbeteiligt und erzeugt bei mir kein Gefühl außer Dankbarkeit. Für ein Debüt hat sich der Autor nicht in selbstverliebte ausschweifende Landschaftsbeschreibungen oder Schockeffekte verstiegen. Im Nachwort wird noch ein dringender Azoren-Reisetipp gegeben, weil sich Faridi den Mord nur ausgedacht hat (ach!). Fazit: Mit Frank-Walter Steinmeier könnte man sagen, das Buch ist hinter seinen Möglichkeiten geblieben. Die Rezepte hören sich aber lecker an.

 

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