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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:51

James Patterson: Dead

05.12.2009

Konfus und bunt zusammengeknobelt

James Patterson schreibt und schreibt und schreibt. Das muss nicht unbedingt sein, findet ANNA VERONICA WUTSCHEL.

 

„Besonders aber lasst genug geschehen! […] So dass die Menge staunend gaffen kann, Da habt Ihr in der Breite gleich gewonnen, Ihr seid ein vielgeliebter Mann.“
So steht’s in Goethes Faust geschrieben, so mag die Aufführung gelingen. Und diese Leitlinie könnte sich auch der fiese Mörder DCPK aus James Pattersons Dead zu Herzen genommen haben. Denn er ist nicht nur ein Serienmörder, er tötet ausschließlich vor Publikum, und seine Auftritte weiß er immer medienwirksamer zu gestalten. Die Fan-Gemeinde von DCPK, gern auch der „Publikum-Killer“ genannt, wächst rasant. Und während dieser immer neue mörderische Inszenierungen für die „gaffende Menge“ entwirft, ist auch noch ein zweiter Serienmörder, das „Superhirn“ nämlich, aus dem Gefängnis ausgebrochen.

In Dead braut sich also viel Unheil über Alex Cross zusammen. Dabei hatte sich der Profiler gerade erst aus dem Polizeidienst verabschiedet, um sich ganz seiner Privatpraxis zu widmen. Die läuft auch prima, und neben der Arbeit mit seiner Klientel bleibt viel Zeit für die Familie sowie für seine große Liebe Detective Brianna Stone.

Als die wunderschöne Stone von einem gemeinsamen äußerst romantischen Camping-Ausflug abkommandiert wird, um einen brisanten Mord an einer Krimi-Autorin zu bearbeiten, begleitet Cross seine Freundin. Nur „der guten alten Zeiten willen“ riskiert er einen Blick auf den Tatort, und umgehend packt ihn die alte Leidenschaft, dem Täter auf die Schliche zu kommen. Als dieser sich dann auch noch auf einem vermeintlich terroristischen „Hass-Video“ direkt an Cross wendet, steht fest, dass der Profiler, wenn er selbst auch noch zaudert, längst mitten in den Ermittlungen steckt. Und die sollen sich als verflixt verzwickt entpuppen, treibt der Täter doch viele Spielchen und gern Schabernack. Dass dem „Publikum-Killer“ der Stoff nicht ausgeht, er in immer neuen Rollen und Interpretationen immer kesser das eine Mord-Stück aufführt, stellt das Ermittlungsteam vor immense Probleme.

Zu allem Übel gelingt dann auch noch dem „Superhirn“, Cross’ ehemaligem Freund und Ex-FBI-Mann Kyle Craig, die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Craig, der zum Tode verurteilt wurde, hat seine Rache an all denen, die zu seiner Verurteilung beitrugen, offensichtlich genauestens geplant. Ganz oben auf seiner Todesliste könnte Cross stehen. Und der befürchtet gar eine doppelte Serienmörder-Bedrohung für sich und das Leben seiner Familie, denn einige Anzeichen sprechen dafür, dass Craig mit dem „Publikum-Killer“ kollaboriert ...

Blass

Tatsächlich scheint es, als habe James Patterson, der letztens durch seine umfangreiche Produktion und seine vielen Co-Autoren Schlagzeilen machte, für das Manuskript von Dead selbst zur Feder gegriffen. Der geneigte Leser indes kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass Patterson weder viel Zeit noch Lust in den Text investieren wollte. Zwar ist die Story nicht ganz so konfus bunt zusammengeknobelt, wie man es aus Pattersons erfolgreicher, von Maxine Paetro geschriebener Serie um den Women’s Murder Club gewohnt ist, doch bleiben auch in diesem 13. Alex Cross-Thriller die Figuren ebenso blass wie die Story. Natürlich, die Bedrohung durch zwei äußerst intelligente Serienmörder ist immens, wobei Patterson seinem „Publikum-Killer“ noch eine hübsche Hinterhand hinzuzaubert. Die unzähligen Morde scheinen jedoch eher starr übereinander geschichtet – Spannung und Dynamik bleiben trotz des angetäuschten Tempos und der altbekannten kurzen Kapitelchen auf der Strecke.

So wie übrigens auch die Atmosphäre, denn weder Schauplätze noch Akteure interessieren den Autor ernsthaft. Dabei rammt Patterson ebenso rasant wie belanglos brisante Themen wie Medien, Sensationslust, Serienmörder-Groupies, Blogs und Internetforen. Fürs Abtauchen in Milieus bleibt aber keine Zeit, da legt Patterson lieber noch einige Morde und eine wilde Hetzjagd nach. Insgesamt jedoch vermögen weder das „unheimliche Grinsen“ des Mörders noch das ausgedehnte Spektakel, dessen Showdowns mit dem nachdrücklichen Griff zur glühenden Bratpfanne aufgeheizt werden, den Leser spannend zu unterhalten.

 

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