... brillant gemacht
In gewohnt gekonntem, lockeren Erzählstil konstruiert Grangé bestens eine fast gradlinige und eigentlich langatmige Story, die jedoch insgesamt Spannung und Tempo zu halten weiß. Wie gewohnt greift er dabei tief in die Bestseller-Musterkiste, schrammt hart die billigeren Erzähl-Tricks und steuert schwer berechnend auf Effekte und einen lästigen Hyper-Showdown zu. Doch wer Grangés Werke kennt, weiß, dass es ihm trotz all dieser Sperenzchen gelingt, sich mit viel Finesse auf seine Protagonisten zu konzentrieren. Und die sind ebenso schillernd wie faszinierend gezeichnet. Gemächlich entfalten sich ihre Geheimnisse; rasant prallen die beiden Ermittler aufeinander und raufen sich inmitten der prekärsten Situationen prächtig zusammen. Natürlich, Grangé kennt weder Scham noch Scheu, um seine heftig in Traumata verwickelten Figuren fein entschnüren zu können. Doch wie ein bröckliges Sein beharrlich im Laufe der Ermittlungen den hart erkämpften Schein der Persönlichkeit zerstört und dabei komplex weitere Erzählebenen spiegelt, ist schlichtweg brillant.
Traumata, Martyrien, Wahn und Wirklichkeit, Schmerz, Erlösung, Vergeltung und Vergebung sind die Grundmotive, um die sich Choral des Todes dreht. Da ist man fast verwundert, dass es sich bei dem Text nicht etwa um den dritten Teil von Grangés Trilogie über das Böse (Das Schwarze Blut, Das Herz der Hölle) handeln soll. Zumindest vermittelt Choral des Todes den Eindruck, als wolle es den Leser ganz tief in das Böse hineinziehen, als könne der Text ein hochmoralischer sein. Hätte er sich bloß nicht so reißerisch maßlos und weitschweifig aufgedonnert...