Spinnen!
Mehr kann hier nicht verraten werden, aber es gibt ein paar wirklich entzückende Stellen in dem Buch. Zum Beispiel die detaillierte Beschreibung des unvergesslichen Geburtsschmerzes. Oder einige sehr nette Slapstick- und Splatterszenen, die nicht vor dem unkonventionellen Einsatz von Zeltpflöcken und Spinnen zurückschrecken. Helen Fitzgerald hat ganz offensichtlich ein gutes Gespür für Unterhaltung und Spannung. Daher gefällt mir die erste Hälfte des Buches ausgesprochen gut.
Auch die zweite Hälfte ist recht unterhaltsam, nur läuft es auf ein Finale zu, das mir persönlich zu sozialpädagogisch ist. Ich mag gebrochene Frauenfiguren, wie die von Jenny Siler (Portugiesische Eröffnung, Auf dünnem Eis), oder eben Promiskuität, die keine Erklärungen oder Entschuldigungen braucht.
Wenn ich einen Kriminalroman lese, ist es vollkommen in Ordnung, nicht am Ende zu wissen, dass alle gar nicht anders konnten und ganz arme Menschen sind, die nur Therapie brauchen, damit alles wieder gut wird. Ich mag dieses bräsige Zurücklehnen nicht, das entsteht, wenn alles seine politisch korrekte Erklärung findet, denn es gibt mir immer das unterschwellige Gefühl, dass es eben doch nicht in Ordnung ist, wenn Frauen sich nehmen, was sie wollen. Auch Frauen können Schweine (Gattungsbegriff) sein, und wo kann das gezeigt werden, wenn nicht im Kriminalroman?
Aber genau deshalb wird Furchtbar lieb furchtbar erfolgreich sein, denn es bietet ein Ende ohne Schrecken. Dennoch hätte dieser Krimi im Vergleich zu vielen anderen gut verkauften „Frauen-Krimis“ eine breite Leser/innenschaft verdient. Nicht zuletzt, weil er gut übersetzt und liebevoll gestaltet ist.