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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:56

Taavi Soininvaara: Der Finne

13.03.2010

Finnisch-russische Schnitzeljagd

Von einem Hinweis zum nächsten schickt Taavi Soininvaara seinen Ermittler samt Anhang in Der Finne. Das zehrt an den Kräften, findet JUDITH HAMMER.

 

 

 

Krimimeister aus Finnland

„Der Meister des finnischen Krimis“ zitiert der Umschlagtext die Süddeutsche Zeitung, das weckt Erwartungen an den siebten Roman von Taavi Soininvaara. Sein bekanntester ist Finnisches Requiem, 2004 auf Deutsch erschienen, und mit dem Finnischen Krimipreis ausgezeichnet. Wie in den ersten sechs Krimis ist auf jeden Fall Arto Ratamo wieder als Ermittler dabei, der, angereichert mit persönlichen Problemen, den Fall lösen darf.

 

Finnische Krimis – also Einsamkeit, Alkohol und Schwermut? Schaut man sich die Autorenkollegen Soininvaaras an, zum Beispiel Arto Paasilinna, Leena Lehtolainen und Harri Nykänen, dann scheint das schon eine Art Basiskulisse zu sein. Aber: Dieser Autor hier ist im Erstberuf Rechtsanwalt, und die schrecken bekanntlich nicht vor dramatischer Sprache, verworrenen Handlungen und alten Dokumenten zurück.

 

Darin unterscheidet sich dieses Buch auch von anderen finnischen Krimis. Es geht vor allem um eine hochpolitische Frage, die weit in die finnische Geschichte zurückreicht Was waren die Hintergründe für die Konflikte zwischen Finnland und Russland? Und was wäre, wenn Finnland etwas gegen Russland in der Hand hätte – ein Beweis für Kriegsverbrechen, vertuschte Skandale und mafiöse Strukturen? 

 

Das ominöse Schwert des Marschalls

Soininvaara beginnt mit einem alten, blinden Mann, der sein Leben der Aufgabe gewidmet hat, ein geheimes Dokument zu hüten: Das Schwert des Marschalls. Dieser Marschall ist Carl Gustav Emil Mannerheim, Oberbefehlshaber der „weißen“ bürgerlichen Truppen im Finnischen Bürgerkrieg 1918, Held des Winterkrieges gegen die Sowjetunion, später finnischer Staatspräsident und heute noch Nationalheiliger. Das „Schwert“ darf nicht in die Hände der falschen Personen gelangen, aber natürlich sind ihm genau diese schon auf den Fersen. Der Alte vertraut nur seinem Sohn, dieser aber hält ihn für einen tyrannischen Fanatiker und hat keinen Kontakt mehr zu ihm – keine gute Basis für einen dringenden Auftrag.

 

Die besessene Figur des alten Otto Forsman gehört zu den besten dieses Thrillers: Wie er in seinem Versteck hockt und nur König Lear und die Reden Marschall Mannerheims hat, um sich daran aufzurichten, das ist herrlich verzweifelt, hilflos und düster.

 

Als Kontrast dazu schickt der Autor ein buntes Trüppchen auf die Jagd nach dem Geheimdokument, das „den russischen Staat zum Einsturz bringen kann“; Ottos Sohn Eerik, Kommissar Ratamo und eine – natürlich – attraktive Fremdenführerin Taru, die den beiden helfen soll, sich in den Wäldern Lapplands zurechtzufinden. Ein bisschen schwermütig und einsam sind sie alle, jeder für sich genommen, also tut der Autor dem finnischen Klischee insoweit Genüge. Die Drei werden vom russischen Geheimdienst, der russisch-orthodoxen Kirche und einem Auftragskiller verfolgt, das sorgt für spannende Momente, wenn der verschwitzte Suchtrupp von russischen Hubschraubern beschossen wird und sich erst nach und nach der Bedeutung seiner Mission bewusst wird.

 

Aber leider ist Taavi Soininvaara selbst so sehr von den historischen Verwicklungen begeistert, dass er seine Leser damit ermüdet. Nach einer Weile ist man die kursiven Einschübe leid, die das Verhältnis Finnlands zu Russland behandeln und verliert den Überblick.

 

Für Leser mit Interesse an historischen und politischen Verflechtungen ist Der Finne sicher eine anregende Lektüre. Alle anderen packen sich am besten noch eine Taschenlampe ein, denn bis die Auflösung kommt, kann es spät werden.

 

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