Der Kommissar stört
Auf Seite 249 hat Inspektor Barbarotti seinen Auftritt, und damit stört der Autor die beklemmende Spannung, die der Leser zusammen mit Ante und Anna spürt, als ihre Vergangenheit sich drohend bei ihr meldet, und sie all ihren Bremer-Stadtmusikanten-Mut zusammennehmen. So eindringlich breitet Håkan Nesser das Innenleben seiner Figuren aus, dass man die neue Perspektive nur widerwillig einnehmen möchte.
Håkan Nesser präsentiert in diesem Buch seinen Kommissar Barbarotti zum dritten Mal. Nach den großen Erfolgen der Van-Veeteren-Reihe soll der Autor angeblich genug gehabt haben vom Schreiben über eine Serienfigur, aber dann gemerkt haben, dass er einen neuen Inspektor braucht. Barbarotti hält sich hier zunächst sehr zurück, er scheint eher daran interessiert zu sein, Bibelstellen zu interpretieren, als seine Fälle zu lösen. In ihm und seiner Art, sich über das Leben Gedanken zu machen, findet Nesser einen zweiten Kanal für seine Sinn-Erkenntnisse.
Dieses Buch ist weniger ein Krimi als eine feinfühlige und melancholische Studie über einen Mann, der sich gegen Ende seines Lebens noch einmal aufrappelt und lieber noch einmal kurz lebendig ist, als noch lange zu leben. Das ist Valdemars Mantra, ein Vermächtnis seines Vaters an einem Herbsttag im Wald: „Schau dich um, mein Junge. Besser als jetzt wird das Leben nicht mehr.“