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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 13:45

Maria Ernestam: Mord unter Freunden

24.04.2010

Fremde oder Freunde

Wo hört die Freundschaft auf, beim Geld oder beim Tod? In Mord unter Freunden tut ihr beides nicht gut. JUDITH HAMMER hat sich das schon gedacht und den neuen Roman der allseits beliebten Maria Ernestam gelesen.

 

Dieser Roman von Maria Ernestam beginnt mit einer Geschäftsidee, die drei Freunde gemeinsam umsetzen wollen. Eine Agentur, die die Probleme anderer Menschen löst: Geld verdienen mit Know-how und Kreativität, und dazu die besten Freunde als Kollegen, das klingt verlockend. Mari, Anna und Fredrik richten also Wohnungen ein und helfen ihren Kunden bei der Steuererklärung. Sie haben nicht damit gerechnet, dass sich auch Menschen mit illegalen Ansinnen an sie wenden könnten – bis eines Tages eine Kundin mit der Bitte auftaucht, ihren Mann zu beseitigen.

 

An dieser Stelle könnte der neueste Roman von Maria Ernestam zu einem Krimi werden, mit raffinierten Mordstrategien und Rätselraten um den wahren Täter. Aber das geschieht nicht. Es gibt wohl Tote, und es bleibt auch bis zum Schluss spannend, wer es wohl gewesen ist. Aber die Verbrechen scheinen nur dazu zu dienen, die Geheimnisse ans Licht zu bringen, die die drei Freunde schon lange mit sich herumtragen. Sie, die sich schon ihr ganzes Leben kennen, haben jeder ein Problem, das sie den anderen nicht anvertrauen. Kein Wunder, dass sie sich, als plötzlich wirklich jemand tot ist, gegenseitig zu verdächtigen beginnen.

 

Maria Ernestam Maria Ernestam

Beiläufige Verbrechen von leichter Hand

Schon in ihren anderen Romanen – Die Röte der Jungfrau und Caipirinha mit dem Tod – hat Maria Ernestam mehr Wert auf psychologische Abgründe als auf einen reinen Krimiplot gelegt. Der oder die Morde sind die logischen Folgen einer unerträglichen Situation – und es scheint der Autorin fast egal zu sein, ob es eine Aufklärung des Verbrechens gibt. Das Drama selbst führt Regie, die Verzweiflung führt einfach dazu, dass eben auch jemand stirbt. Dabei schafft sie es, den Lauf der Dinge sogar plausibel erscheinen zu lassen – auch wenn er noch so absurd ist. Diese leichthändige Verbindung erzeugt Maria Ernestam durch moralische Distanz – sie überlässt es einfach ihren Lesern, ob es schlimm ist oder nicht, wie die Figuren ihre Probleme lösen. So scheint alles möglich zu sein. Darf man das Geld aus einem Auftragsmord in einen Platz im Pflegeheim für den eigenen Vater investieren? Warum nicht.

 

Gleichzeitig schildert die Autorin ihre Figuren voller Mitgefühl: Wenn es Fredrik immer wieder ins Travestie-Lokal zieht oder Mari sich nicht von einer zerstörerischen Liebe lösen kann, die schon lange vorbei ist, dann ist das eben einfach so. Wie die Menschen, die sich gut zu kennen glaubten, damit umgehen, dass sie vielleicht noch ganz andere Seiten haben, das zieht sich durch dieses Buch. Deshalb ist Mord unter Freunden auch ein Roman über die Freundschaft. Und die hört mit dem Tod nicht unbedingt auf.

 

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