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Freitag, 25. Mai 2012 | 07:57

Inspector Barnaby. Volume 7

01.05.2010

Alles tadellos im County

ANNA V. WUTSCHEL kann’s nicht lassen. Sie guckt für ihr Leben gerne Inspector Barnaby, amüsiert sich blendend und teilt ihre Freude mit uns.

 

Ist es eine wundersame Auferstehung von den Toten? Die resolute Mutter Ursula und ihr Sohn Alistair sehen zwei vor Jahren brutal Ermordeten zum Verwechseln ähnlich, und Barnaby wird stutzig. Grandios haben die Macher der Midsomer Murders das garstige Mutter-Sohn-Gespann aus der Pilotfolge der Serie wiederbelebt. Und Elizabeth Spriggs und Richard Cant geben in Die Tote Königin eine herrliche Parodie ihrer einstigen Rollen.

 

So beginnt die 7. Inspector Barnaby-Staffel mit einem amüsanten Wiedersehen und viel floralem Deko-Overkill. Während man in Midsomer Barton nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder eine Eichapfelkönigin wählt, scheint nicht nur eine Leiche dem Festkomitee die Laune verderben zu wollen. Doch auch eine zweite und dritte Leiche bringt niemanden wirklich aus der Ruhe. Der Entertainer Mister Happy legt sich schwer ins Zeug, um die Stimmung zwischen Dorfschönheit und Misthaufen in die Höhe zu jagen, während der Dorfarzt (ein famoser Simon Callow) die weibliche Patientenschaft beglückt. Kaum tobt der finale Festumzug, können Barnaby und sein Assistent Jones zu den heißen Rhythmen von La Bamba den Fall lösen, der Mörder überführt sich nämlich praktisch selbst.

 

Witwen

Auch in Der Krieg der Witwen wird kräftig gefeiert und klar – nicht jeder kann das überleben. Sir Freddy Butler (eine Legende: Joss Ackland) hat seine vielen Ex-Frauen auf sein Schloss zum Feste eingeladen. So ein üppiges Familientreffen endet selten friedlich, und Sir Freddy tritt als erster ab. War es Gift oder Völlerei? Die vom Patriarch zurückgelassene Familie dezimiert sich zumindest weiter, streitet heftig ums Erbe, geht auf Schatzsuche und veranschaulicht, wohin überschwängliche Liebe zu jungem Gemüse führen kann. Eine Folge, die man möglichst im englischen Original schaut (leider ohne jegliche Untertitel), da sich die feinere Landgesellschaft schönste Wortscharmützel mit der eingeheirateten Proleten-Verwandtschaft liefert. Barnaby räumt im knallharten Gefecht der trauernden Damen auf.

 

Meer

Die Spur führt ins Meer und Barnaby an die Küste. Dort würde der Detective Inspector gern nach der Pension seine Entspannung im Wassertreten finden, doch Ehefrau Joyce ist der Wind zu kalt. Selbstverständlich gibt es auch eine heiße Spur zu verfolgen, denn jemand erschoss – ganz stilvoll zu den Klängen von Mario Lanza – Martin Barrett durch sein Küchenfenster. Der Schönling hatte vor seinem Ableben aber auch fies eine Menge Mitmenschen erpresst. Der findige Detective Jones begibt sich in die Klatschzentrale des Dorfes und stößt nicht nur bei der Putzhilfe Ruby (Julia McKenzie, die auch als Miss Marple bekannt ist) auf einige Heimlichkeiten. Am Ende dieser Folge verliert selbst Teflon-Barnaby beinahe die Nerven, denn er könnte einen großen Fehler begangen haben.

 

Heiraten

Ordentlich gefeiert wird dann wieder in Erst morden, dann heiraten. Vor allem die Damen haben ihren Spaß und zelebrieren euphorisch die Demütigung des starken Geschlechts. Dass das nicht jedem gefällt, versteht sich von selbst, aber liegt das Motiv des Mörders tatsächlich in verletztem Stolz? Barnaby ermittelt mithilfe von erstaunlichem Hightech zwischen schwer beirrbaren Ladys und einer gestressten Männerschar, die die lang verlorene Ehre wiedererhaschen will.

 

Midsomer County lässt es in der 7. Staffel krachen, und der Inspector Barnaby-Fan kann sich reizend amüsieren. Die Fälle der vier Folgen sind – wie immer – unbelastet von jedweder Spannung, aber clever verschachtelt. Und zuweilen beschleicht einen gar die Ahnung, Barnaby könnte einer der erfolgreichsten Statisten im TV-Krimi-Kosmos sein. Er löst zwar souverän mit stoisch amüsierter Miene auch den kompliziertesten Fall im Selbstlauf, die Serie jedoch lebt – trotz aller Beliebtheit des Chefs – vornehmlich von ihren abgedrehten Skripts, den skurrilen Figuren, den allesamt famos aufspielenden Darstellern (die Crème de la Crème der englischen Schauspieler-Riege drückt sich die Klinke in die Hand) sowie von dem einmaligen Look der County-Location. Zudem ist der kesse Detective Jones ein wahrer Glücksgriff für die Serie. Nicht nur, dass sich Jason Hughes souverän an Barnabys (John Nettles) Mimik angeschlossen hat, er setzt auch keck ganz eigene Akzente, wagt es gar, den Chef zu loben oder frech zu necken. Dem scheint so viel Schneid zu gefallen, was sich in immer kurzweiligeren, immer zynischeren Dialogen widerspiegelt.

 

Alles ist also tadellos im County. Und die verruchten Sünder werden auch künftig ohne Scheu ihren mörderischen Vergnügungen und irdischen Zerstreuungen nachgehen. Der Fan darf sich auf weitere kurios verderbte Abstecher ins heimelige Idyll freuen. Spannung muss er nicht befürchten, nette Unterhaltung ist garantiert. Und am Ende jeder Folge ist alles wieder gut und nichts sollte die friedliche Bettruhe beeinträchtigen. Gute Nacht.

 

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