»Schweden interessieren sich mehr für Sport und Computer«
Was bedeutet Jazz für Sie?
Freiheit. Daher mache ich Jazz. Ich habe die Freiheit zu improvisieren, wann immer ich möchte. Das bedeutet mir sehr viel.
Sie sind Schwedin. Sie haben in den USA gelebt und Sie stehen bei einem deutschen Label unter Vertrag. Gibt es Unterschiede zwischen den Ländern?
Die Unterschiede sind nicht so groß. Entscheidend ist vielmehr, ob wir in einer Konzerthalle spielen oder in einem Jazz-Club. Das ist ein größerer Unterschied. Ich mag Deutschland sehr gerne. Die Deutschen mögen Kultur und sind interessiert. Schweden ist auch schön. Aber ich habe manchmal den Eindruck, dass da das Interesse nachlässt. Sie interessieren sich mehr für Sport und Computer. Ich habe das Gefühl, dass die Deutschen neugierig sind. Selbst wenn sie mich nicht kennen, kommen sie in die Konzerte. Sie denken sich: Wer ist das? Kommt, lasst es uns herausfinden. In Schweden ist es umgekehrt: Wer ist das? Kenne ich nicht. Ok, dann bleibe ich daheim.
Das sieht man auch beim Nachwuchswettbewerb der Burghauser Jazzwoche. Da kommen viele, auch junge Zuhörer zum Konzert.
Fantastisch! Das ist gut. Ich habe extrem Glück gehabt. Ich habe ein gutes Label gefunden, bevor der Markt einbrach. Ich kann auf Tour gehen und meine Sachen machen. Inzwischen ist es leider so schwer geworden. Das ist so schade für die fantastischen Musiker, die es heute gibt. Das ist nicht fair. Meine Kollegen bekommen immer weniger Auftritte. Es ist hart.
Aber die Leute sind immer noch an Jazz interessiert?
Ich denke, deswegen wird Jazz auch überleben. Ich habe wirklich extremes Glück gehabt. Aber selbst wenn es mir nicht so gut ginge, ich würde immer noch Jazz machen. Ich würde immer noch singen. Ich muss das machen, um ein Mensch zu sein. Ich bin privilegiert und glücklich. Aber ich würde auf jeden Fall Jazz machen, weil es mein Leben besser macht.
