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Freitag, 25. Mai 2012 | 08:06

Interview mit Alexander Payne (The Descendants)

26.01.2012

Kunst gegen Krise

Das Interview mit dem Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten führte LIDA BACH.

 

Sprechen wir über Rache: Geht es George Clooneys Charakter darum, wenn er sich gegen den Landverkauf entscheidet?

Im Buch gab es mehr Komplizenschaft zwischen Ehefrau und Liebhaber bezüglich des Lands. Ich wollte nicht, dass seine Entscheidung konkret als Rache interpretiert wird. Es sollte dunkler sein.

 

Was trug Clooney zum Film bei, was anderen Schauspielern fehlte?

Ein Regisseur ist gefangen davon, wer während der sechsmonatigen Casting-Zeit berühmt ist. Glücklicherweise mag ich Clooney als Star sehr, weil er altmodisch ist, aber wandlungsfähig. Wenn wir ihn in anderen Filmen als reichlich cool wahrnehmen, ist dieses Unbeteiligte angemessen für diesen Typen Matt King. Emotional mochte ich den Prozess, wie dieser Typ sensibler, verletzlicher wird.

 

Was meinst Du mit altmodisch?

Man kann ihn sich in diesen alten Filmen vorstellen, wie James Stewart in Das Fenster zum Hof, Notorious oder Leoparden küsst man nicht. Verzeihung, wenn ich das schon in anderen Interviews gesagt habe: Ich denke, er hat die Wandlungsfähigkeit und Wärme Mastroiannis.

 

Dein Lieblingsschauspieler.

Niemand ist genau so, aber eine Version einiger der Eigenschaften, die Marcello hatte.

 

Ist die ganze Beliebtheit, die ein Star mitbringt, nicht zu viel?

Ich kann mir den Luxus nicht leisten, über die Ikonographie oder den Kontext des Stars nachzudenken. Ich muss darüber nachdenken, was zwischen »20th Century Fox presents« und »The End« kommt.

 

Deine Wurzeln liegen in Griechenland. Wie viel davon ist noch in Dir?

Ziemlich viel. Drei meiner vier Großväter waren aus Griechenland. Mein vierter ist nebenbei deutsch: Hoffmann. Aber ich wurde in einem eher griechisch-amerikanischem Haushalt aufgezogen.

 

Bewahrst Du griechische Traditionen und wie denkst Du über die Krise?

Ich finde sie wunderbar (lacht). Erst vor vier Wochen war ich diesen Film auf dem Thessaloniki-Filmfestival vorzustellen und mir wurde oft gefragt: Was denkst Du über die Wirtschaftskrise? Das Einzige, was ich sagen kann, und das ist eine schwache, aber wahre Antwort, ist, dass es eine gute Zeit zum Filmemachen ist. Es ist eine gute Zeit, Kunst zu schaffen.

 

Hältst Du es für falsch, seine Eltern zu hassen, wenn sie es verdienen – und angemessen, sich pro forma mit ihnen zu versöhnen, wie es der Vater will?

Man kann nichts dafür. Er beschützt die Tochter vor Zurückweisung und hält sie an, darüber hinaus zu sehen, obwohl er es selbst noch nicht kann. Gegen Ende der Geschichte muss er sich selbst vergeben, bevor er ihr wirklich vergibt. Als sein Schwiegervater ankommt mit »Du hast sie umgebracht. Sie hatte Besseres verdient.«, sagt Clooney, anstatt sich zu verteidigen: Ja, du hast recht. Sie verdiente Besseres. Er akzeptiert sein Versagen. Für mich ist das ein Schritt in Richtung Loslassen.

 

Würdest Du Dich als Zyniker bezeichnen?

Sicher, aber nicht nur.

 

Dein nächstes Projekt ist The Fork in the Road.

Das steht auf Imdb, aber das habe ich gecancelt. Nebraska, ein Vater-Sohn-Road-Trip von Montana nach Nebraska. Nur eine kleine Komödie, die mein erster Film in Schwarz-Weiß wird. Danach kommt eine Adaption des Comic von dem Typen, der vor zehn Jahren Ghost World gemacht hat, Daniel Clowes. Er heißt Wilson.

 

Fast alle Deine Filme sind Road Movies.

Ich mag Road Movies nicht, hasse es, in Autos zu drehen und versuche rauszukriegen, warum ich weiter Road Movies mache, obwohl ich sie hasse.

 

Wurde Dir je ein Blockbuster angeboten und hättest Du daran Interesse?

Nein, und: Ja! Das hängt vom Drehbuch ab. Ist es intelligent? Ist es eine gute Geschichte? Blockbuster stand mal für guter Film. Lawrence von Arabien, Die Brücke am Kwai, Die Kanonen von Navarone. Heute ist Blockbuster eher ein Schimpfwort. Warum muss alles automatisch schlecht sein, nur weil es teurer ist oder auf einem Comic basiert? Ein Film ist ein Film ist ein Film.

 

Zuvor hattest Du mehrere Projekte.

Ich habe zwei Jahre mit Jim Taylor, meinem Co-Autor verbracht an – ich würde es nicht Blockbuster nennen, sondern Groß-Leinwand-Science-Fiction-Satire. Das Budget war zu groß und ich bin nicht sicher, dass die Technik existiert, damit ich es auf die effizienteste Art machen kann. 2009 wollte ich so verzweifelt einen Film drehen, dass ich begonnen habe mit Sidew-… Wie heißt der? Descendants!

 

Der Titel definiert die Figuren über ihr Erbe. Wie sehr glaubst du ist der Lebensweg dadurch vorgezeichnet?

Es ist sehr schwierig, geschichtslos zu leben. Umso älter ich werde, umso mehr stelle ich fest, dass ich den Dingen gehorche, die davon bestimmt sind, wo ich als Baby gelandet bin: als griechischer Amerikaner, in dieser provinziellen Stadt in Omaha in Nebraska, in diesen Wertvorstellungen, diesen Erwartungen. Ich stelle fest, dass ich von ihnen gefangen bin. Zum Glück mag ich sie. Aber es ist schwer, sich von seinen Wurzeln zu lösen.

 

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