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Freitag, 25. Mai 2012 | 08:07

 

Patti Scialfa - Interview

30.06.2004

 


(Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von
vollkontakt.com)




 

Die Produktion deines Album "23rd Street Lullaby" klingt sehr klar und transparent.

Das ist Steve Jordan, der auch Schlagzeug auf diesem Album spielt. Wir haben die Platte zusammen aufgenommen. Er ist sehr talentiert. Er ist ein brillanter Drummer. Er hat mit Keith Richards und vielen anderen gearbeitet. Er ist sehr musikalisch. Ich arbeite gern mit ihm, weil er die Musik intensiv, aber transparent klingen lässt. Wir haben viel mit Multilayering gearbeitet. Aber es klingt trotzdem sehr sauber. Du hast nicht das Gefühl, dass du von einem zu fetten Sound erschlagen wirst. Aber wenn du genau hin hörst, kannst du viele Schichten entdecken. Ich war sehr froh, dass ich mit ihm arbeiten konnte.

Wie kamst du auf Steve als Produzenten?

Ich kenne Steve seit 20 Jahren. Früher habe ich in New York City gelebt. In der Zeit wohnte ich in der 24th Street, und Steve wohnte im selben Block. Und Cliff Carter, der Pianist auf diesem Album, der früher viel mit James Taylor gespielt hat, lebte auch in diesem Block. Wir waren Freunde. Cliff stellte mir Steve Jordan vor. Damals waren wir Anfang 20. Wir wurden Freunde, und wir machten immer zusammen Musik.

Wer hat noch mitgemacht?

Jane Scarpantoni, die auch bei der Live-Aufnahme mitgespielt hat, die wir gerade hinter uns haben. Jane ist wunderbar. Ich kenne sie seit einiger Zeit. Soozie Tyrell hat sie mir vorgestellt. Sie spielt sonst mit Lou Reed. Sie ist toll. Und dann Marc Ribot, ein äußerst brillanter Musiker. Es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten. Er ist sehr exzentrisch, und er hat eine Menge Ahnung. Er lässt sich Sounds einfallen, auf die du nie kommen würdest. Er bastelte für fast jeden Song diesen wunderschönen ambient Sound Loop, den wir dann jeweils in den Hintergrund des Songs gemischt haben.

Der Sound bekommt dadurch etwas Avantgardistisches.

Genau diese Elemente wollte ich. Dadurch, dass die Musiker, die auf diesem Album mitmachen, so anspruchsvoll sind und so elegant spielen, bekommen die Songs diesen Touch. Wenn du genau hin hörst, entdeckst du all diese kleinen Dinge, die ziemlich kompliziert sind. Trotzdem ist es ein einfacher Song. Ich war sehr glücklich, dass ich dieses Element habe.

Nach welchen Gesichtspunkten hast du die anderen Musiker ausgesucht?

Ich habe für diese Platte hauptsächlich Leute dazu geholt, die ich schon lange kenne. Das war ein sehr schönes Gefühl. Ich fühlte mich sehr wohl, weil ich mit Menschen Musik machen konnte, die ich kannte, lange bevor ich in die E-Street Band einstieg. Das gab mir das Gefühl, autonom zu sein.

Warum waren die Musiker der E-Street Band nur im kleinen Rahmen beteiligt?

Ich liebe diese Jungs. Aber man muss vorsichtig sein, wenn man sein eigenes Projekt machen will. Es haben einige Musiker aus der E-Street Band mitgemacht. Aber ich habe nicht alle Aufnahmen verwendet. Wir haben einige Songs noch einmal neu aufgenommen. Nils hat viel auf diesem Album gespielt. Steve Van Zandt kam auch ins Studio. Aber wir haben dann am Ende die Songs, bei denen er mitmachte, nicht verwendet. Danny kam ein paar Mal und spielte etwas. Aber die Songs landeten auch nicht auf dem Album. Ich wollte mit diesen Jungs spielen, weil ich so eine gute Beziehung zu ihnen habe, in emotionaler und in musikalischer Hinsicht. Aber ich dachte auch: Ich muss vorsichtig sein. Es ist wichtig, das ich mich mit meiner eigenen Gruppe von Musikern umgebe, die mehr mit meiner Identität zu tun haben.

Was hat Bruce gemacht?

Er hat sehr schön gespielt. Er hat ein wunderbares Solo auf "Love Stand Up" gespielt. Und er hat ein großartiges Organ Solo in "Rose" gespielt. Er hat ein paar Sachen gemacht.

Warum ist Bruce nur so wenig auf dem Album zu hören?

Er hat mir oft geholfen, das Demo für einen Song aufzunehmen. Aber dann ließ ich jemand anders kommen und seinen Part neu einspielen.

Worum geht es in den Songs?

Da gibt es Themen, die bis in die Zeit zurückreichen, in der ich nach New York City umzog. Aber es gibt auch Themen, die sich auf die Gegenwart beziehen. Es ist eine Art Reise, die in der Jugend beginnt. Du gehst von zuhause weg, du verlässt deine Umgebung, in der du auf eine bestimmte Art wahrgenommen wirst. Du gehst in eine größere Stadt und erkundest sie. Du entdeckst dich selbst, erfindest dich neu. Das ist der Bogen, den die Songs auf diesem Album spannen.

In vielen der Songs scheint es auch um die Schwierigkeiten in einer Beziehung zu gehen.

Sie erzählen aus dem Bereich, in dem Menschen kompliziert werden. Beziehungen sind immer kompliziert. Sie sind ja nicht eindimensional. Du kannst sehr froh sein, wenn du eine Beziehung hast, die lange hält. Aber in einer dauerhaften Beziehung gibt es auch riesige Ebbe- und Flutbewegungen. Du lernst mit der Zeit alle Seiten deines Partners kennen und sagt: Das ist okay. In meinen Songs erforsche ich diese Bereiche. Und dann sage ich: Ich vergebe alles. Es ist menschlich, wenn Dinge nicht funktionieren, wenn du dich nicht gut fühlst mit dir selbst, all diese Dinge, durch die man durch muss.

Warum taucht in deinen Songs so oft das Wort Regen auf?

Ich mag das Bild. Ich liebe das Bild des Regens. Es kann so viel bedeuten. In biblischer Hinsicht kann es für schreckliche Dinge stehen, für Zerstörung und Ruin. Es kann aber auch der Regen sein, auf den man wartet, damit das Getreide wächst. Da ist er etwas wunderbares. Du hast dieses ganze Spektrum in diesem einen Wort, je nachdem, wie du es benutzt.

Der Song "Romeo" ist schon 1998 im Soundtrack des Film "No Looking Back" erschienen. Wie kam es dazu?

Der Regisseur Eddie Burns ist ein sehr netter, sehr talentierter Mann. Er rief mich an, als er diesen Film drehte. Er fragte: Hast du ein paar neue Songs? Er kannte mein "Rumble Doll" Album. Damals nahm ich gerade ein Album auf, das ich dann später nicht veröffentlichte. Ich sagte: Ja, ich habe diesen Song, den ich nicht auf das Album gepackt habe. Und ich sang ihm das Lied übers Telefon vor. Er sagte: Das klingt gut. Ich sagte: Lass mich ein Demo davon aufnehmen.Ich setzte mich also zuhause ans Piano. Wir hatten auf unserer Farm eine kleines Studio. Soozie Tyrell setzte sich direkt hinter mich. Ich spielte und sang, und sie spielte Violine und sang in dasselbe Mikrofon. Ich gab ihm das Demo und er sagte: Das brauchst du nicht noch mal aufzunehmen. Ich möchte es so verwenden.

Warst du einverstanden?

Es war eine schöne, gefühlvolle Version. Ich dachte daran, den Song später mal auf eine B-Seite zu packen. Weil er so nackt und roh klang. Und das ganze war überhaupt toll. Es ist witzig, du kannst eine Menge Songs schreiben. Aber das heißt noch lange nicht, dass du dir sicher bist, dass sie gut sind. Weil Eddie der Song so gut gefiel, hatte ich plötzlich genügend Selbstvertrauen, ihn noch mal aufzunehmen und auf dieses Album zu packen.

Hast du eine Musikausbildung?

Ich habe Musikkurse am College belegt und Unterricht in Jazz genommen. Ich habe dort auch Jazz gespielt. Ich bin sechs Abende in der Woche aufgetreten. Ganz allein. Ich habe immer gesungen.

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