Lothar-Günther Buchheim ist tot
23.02.2007
Streitbarer Kämpfer
zum Tod des Erfolgsautors und Kunstsammlers Lothar-Günther Buchheim
"Er ist streitbar und kämpferisch, naiv und gerissen, sensibel und verletzlich. Er ist widerborstig und zärtlich, mutig und scheu. Er hasst Schmeicheleien und ist doch voller Sehnsucht nach Liebe." So charakterisierte Günter Rohrbach, Produzent der Boot-Verfilmung von Wolfgang Petersen, vor mehr als 20 Jahren in einer Rede den Erfolgsautor und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim, der am Donnerstag in München starb.
Der eigenwillige gebürtige Weimarer, der in den letzten Jahren am Starnberger See lebte, hat sich in seiner Jugend, die er in Chemnitz verbrachte, als Maler und Schwergewichtsringer versucht. Aus dieser Zeit resultiert vermutlich sein großes Kämpferherz, sein unbändiger Ehrgeiz und wohl auch seine ausgeprägte Streitlust.
Er habe "nie einen Bestseller im Sinn gehabt", warf Buchheim seinen Kritikern in einem Interview anlässlich seines 70. Geburtstages vor: "Rezensenten haben keine Ahnung, wie ein Buch entsteht. Am ,Boot' habe ich dreißig Jahre gearbeitet. Die denken, der Buchheim hält nur die Nase in den Wind, schnuppert und bums - es ist genau der Bestseller, den er ins Visier gefaßt hat."
Doch eine "gute Nase" (ob gewollt oder ungewollt sei dahingestellt) hat Buchheim schon häufig bewiesen. Sein 1975 erschienener und überaus erfolgreich verfilmter Roman Das Boot bringt es mittlerweile auf eine Auflage von über drei Millionen Exemplaren und ist in 16 Sprachen übersetzt worden.
Und es war gewiss kein Zufall, dass der zweite monumentale Erinnerungsroman (Die Festung) über die Kriegserlebnisse des einstigen Leutnants Buchheim ausgerechnet zum 50. Jahrestag des Kriegsendes im Frühjahr 1995 auf den Markt kam. Was machte nun die Erfolge dieser beiden Bestseller aus? War es Buchheims zupackende, auf jeglichen verbalen Schnickschnack verzichtende Sprache; die vielgepriesene, verschworene Männergemeinschaft mit ihrem martialischen Touch; oder ist es gar der angstschweißtreibende Nervenkitzel, der von beiden Büchern fraglos ausgeht?
Der Duisburger Literaturprofessor und Schriftsteller Gerhard Köpf sprach Buchheim hingegen jegliche literarische Qualität ab: "Was nun die literarische Qualität beispielsweise der ,Festung' angeht, so erreicht die nach meiner Einschätzung nicht einmal das Niveau eines Lanzerheftchens."
Ein renommierter Kunstsammler
Nicht nur mit seinen Büchern bewies Lothar-Günther Buchheim, der seit 1992 Ehrenbürger von Chemnitz ist, einen ausgeprägten "Markt"-Instinkt. Der Autor, Maler, Filmemacher und Verleger gehörte zu den renommiertesten Kunstsammlern Deutschlands. Über die Künstlergruppen "Die Brücke" und "Der blaue Reiter" verfasste Buchheim überdies opulente Handbücher. Der Wert seiner Kunstsammlung, die vor allem Werke bedeutender deutscher Expressionisten wie Ernst-Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Otto Müller, Karl Schmidt-Rottluff und Otto Dix umfasst, wird (zurückhaltend geschätzt) auf 100 Millionen Euro taxiert.
Auch um diese Sammlung hat es in der Vergangenheit schon reichlich Ärger gegeben. Zunächst sollte sie Mitte der 80er Jahre an das Duisburger Lehmbruck-Museum übergeben werden, doch dann überwarf sich Buchheim mit den Stadtvätern. Stein des Anstoßes: Dem Sammler missfiel die Architektur des von Manfred Lehmbruck entworfenen und über zehn Millionen Mark teuren Museumsanbaus. Nach heftigen und langwierigen Kontroversen wurde Buchheims "Museum der Phantasie" 2001 in Bernried am Starnberger See eröffnet und der Nachwelt damit eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen erhalten.
Am Donnerstag ist Lothar-Günther Buchheim in München im Alter von 89 Jahren an einem Herzleiden gestorben.
Peter Mohr